Wie entstehen Blasen? Indem alle dasselbe glauben. Wer also besser sein will, fragt sich, was die derzeit herrschenden Wahrheiten sind. Hier finden Sie Antworten.

Die interessante Analyse haben wir diesmal am Rande der Rocky Mountains entdeckt: Sie stammt von John Goltermann, Portfolio-Chef des Vermögensverwalters Obermeyer Asset Management in Denver.

Blasen_Seit_1960

Goltermanns Grafik zeigt, dass ungefähr im Zehnjahres-Takt ein Anlageklasse in den Fokus gerät – und sich dann zur Blase auswächst: US-Grosskonzerne in den 1960ern, Gold in den 1970ern, japanische Aktien in den 1980ern, Technologietitel in den 1990ern, Öl und chinesische Aktien in den Nullern.

«Dies ist oft ein längerer Prozess»

Goltermann bietet nun eine ganz grundsätzliche Deutung dieser Entwicklungen: «Was diese vorherrschenden Anlagethemen gemeinsam haben, sind ökonomische Aspekte, die sich zu einer "Wahrheit" verbinden, welche wiederum ein Eigenleben entwickelt. Die "Wahrheit" verstärkt sich, indem die Marktpreise diese "Wahrheit" belohnen und umgekehrt. Dies schafft einen Teufelskreis bis zum Punkt, wo die Preise unhaltbar hoch werden und kippen. Und dann verschwindet auch der Glaube, der die riskante Entwicklung ermöglicht hat. Dies ist oft ein längerer Prozess.»

Hier liegt für Goltermann der Kern des Blasen-Problems: Die Märkte sind zu vielgestaltig, dass man sich auf eine einzige Wahrheit verlassen darf (sonst könnte jeder leicht reich werden). 

Wer schlau ist, fragt sich also regelmässig: Was ist jetzt gerade die vorherrschende «Wahrheit»? Denn dort lauert auch die nächste Blase. Und die Frage hilft, Gefahren zu wittern und vielleicht auch längerfristige Chancen besser zu erkennen.

Als derzeit gängige (und zu hinterfragende) «Wahrheiten» nennt Goltermann:

  • Aktienrückkaufprogramme der Unternehmen (also die Annahme, dass dies ein Trend wird, der sich gut ausschöpfen lässt).
  • Dividendentitel (die Annahme, dass man als Anleger derzeit die Erträge besser durch ertragsstarke Aktien sucht).
  • Hochverzinsliche Anleihen (die Annahme, dass man das Risiko etwas unsicherer Obligationen gut eingehen kann).

Was meinen Sie?

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• Obermeyer Asset Management, Monthly Investment Commentary, Mai 2013: «Searching for 'The Truth'».

Hinweis: Zerohedge