Ein neues Wachstumsgeschäft auf dem Schweizer Finanzplatz?

Bislang finanzierten einige wenige Banken in der Schweiz die Rohstoffhandels-Geschäfte. Jetzt ändere sich das, sagt Maximilian Tomei von Galena Asset Management.

Herr Tomei, Sie verstärken Ihr Engagement in der Finanzierung des Rohstoffhandels. Erweitern Sie damit Ihr Kerngeschäft?

Die Finanzierung von Rohstoffhandels-Geschäften war bisher eine äusserst spezialisierte Aktivität, die eine Handvoll Banken beherrschte. Doch wir stellten fest, dass es zu fundamentalen Veränderungen kommt, wie Rohstoffhandels-Geschäfte finanziert werden.

Inwiefern?

Mit der Umsetzung von Basel III mussten zahlreiche Banken strengere Liquiditätsvorschriften und defensive Ratios einführen. Um sich dieser neuen Realität anzupassen und sich vor weiteren Veränderungen zu wappnen, reduzierten verschiedene Geldhäuser ihr Exposure in der Finanzierung von Rohstoffhandels-Geschäften.

Und in diese Bresche sind Sie gesprungen.

Über unsere Commodity-Trade-Finance-Fonds können Investoren mit geringem Risiko genau in dieses Segment investieren.

In welchen Dimensionen muss man sich diese Finanzierungen vorstellen?

Die von Bankensyndikaten gewährten Kreditlinien bewegen sich zwischen 250 und 500 Millionen Dollar. Wir beteiligen uns daran mit 8 bis 12 Millionrn
Dollar.

Wen sprechen Sie an, und welche Vorteile bieten sich für diese Kunden?

Institutionelle Investoren, Family Offices, unabhängige Vermögensverwalter und High-New-Worth-Individuals (HNWI). Mehr denn je müssen heute Investoren ihre Renditequellen diversifizieren – weg von festverzinslichen Anlagen und wenn möglich das «Duration Risiko» minimieren. Zudem wollen sie stabile und unkorrelierte Renditen. Die Rohstoffhandels-Finanzierung hat schon viele Härtetests überstanden und ist stärker daraus hervorgegangen.

Mit dem Resultat?

Die Finanzierung von Rohstoffhandels-Geschäften kann eine Rendite erwirtschaften, die losgelöst von den traditionellen Kreditmärkten ist, und drüber hinaus die Investoren nicht den gängigen Risiken von Rohstoffinvestments aussetzt.

Welchen Stellenwert hat die Finanzierung von Rohstoffhandels-Geschäften für den Schweizer Finanzplatz?

Der Rohstoffhandel ist in der Schweiz mittlerweile zu einem der wichtigsten Industriezweige avanciert. Unser Land spielt somit eine wichtige Rolle im internationalen Kontext. Das Wachstum im Rohstoffhandel führt natürlich auch dazu, dass entsprechende Aktivitäten im Kreditbereich zunehmen.

Ihre Erwartung?

Es ist höchst schwierig, eine Prognose abzugeben, aber ich bin davon überzeugt, dass die Finanzierung von Rohstoffhandels-Geschäften in der Schweiz noch an Bedeutung gewinnen wird.

Galena Asset Mangement gehört zum Rohstoffhandels-Konzern Trafigura. Welche Funktion übernimmt sie innerhalb der Gruppe?

Galena ist der Asset-Management-Arm der Trafigura-Gruppe. Wir managen alternative Investitionsprogramme im Bereich Energie, Metalle und Mineralien, in Übereinstimmung mit den Kernaktivitäten unserer Muttergesellschaft. Für Trafigura ist Galena die spezialisierte Tochtergesellschaft, die derivative Finanzinstrumente handelt und in der Lage ist, direktionale Preisrisiken einzugehen.

Über Galena kann Trafigura zudem weltweit Beziehungen zu institutionellen Investoren knüpfen. Da sich institutionelle Investoren zunehmend Rohstoffe und Real Assets anschauen, bildet Galena Asset Management eine wichtige Schnittstelle zwischen Trafigura und den Investoren.

Mit welchen Konkurrenten müssen Sie sich dabei messen?

Wir haben eigentlich keine direkten Konkurrenten, da wir keine «Direct Lenders» sind. Wir arbeiten über syndizierte Kredite eng mit Banken zusammen; von daher haben wir wohl dieselben Konkurrenten wie die Banken. Am ehesten sind das «Direct-Lending-Shops», welche die Banken in gewissen Märkten ersetzen wollen

Was sind Ihre nächsten Expansions- und Entwicklungsschritte?

Wir schauen uns Opportunitäten im Bereich der Real Assets an, die in einem Zusammenhang mit Kreditfinanzierungen im Rohstoffhandel stehen. Wir werden in Kürze einen Schiffsfonds lancieren, der zusammen mit Trafigura in Frachter investiert.


Maximilian Tomei ist Head Business Development bei Galena Asset Management

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NEWS GANZ KURZ

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

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