In der Hochburg des unversteuerten Geldes

Am Montag muss sich die UBS wegen Steuervergehen vor einem Gericht in Miami verantworten. Dies entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

Während die Schweiz mit geradezu notorischer Penetranz als Hort krimineller Finanzaktivitäten gebrandmarkt wird, schaffen es anderen Zentren, sich schadlos zu halten.

Miami

Miami gehört zweifelsohne dazu. Eigentlich bestreitet niemand, dass der Finanzplatz in Florida vorwiegend von der Steuerflucht und dem Drogenhandel aus Südamerika lebt. Dafür bieten zahlreiche mehr oder weniger dubiose Finanzinstitute eine Vielzahl von Offshore-Strukturen an (vgl. weiter unten). Trotzdem steht diese Drehscheibe kaum im Zentrum irgendwelcher Schlagzeilen oder gar amtlicher Ermittlungen.

Pure Nachlässigkeit

Damit ist auch klar, dass nicht überall mit offenen Karten gespielt wird, sondern, dass die Bekämpfung der Steuer- und Finanzkriminalität mancher Regierungen stets nach eigenen wirtschaftspolitischen und strategischen Überlegungen erfolgt.

Zwar sind Steuerhinterziehung und Geldwäscherei eigentlich überall auf der Welt strafbar, doch nicht einmal schwere Delikte werden an manchen Orten im Ausland entschieden bekämpft. Während die entsprechenden Standards zur Bekämpfung dieser Art von Kriminalität zwar internationalen Charakter haben und sich die Schweiz auch peinlichst genau daran halt, gehen viele bekannte Finanzzentren entweder aus purer Nachlässigkeit oder dann eben gezielt nicht dagegen vor.

Beliebte Trusts

Gerade angelsächsischen Raum ist es über Trusts immer noch gut möglich, die Identität eines Vermögensbesitzers zu verschleiern und dadurch auch Steuern zu hinterziehen. Diese juristischen Konstrukte kennen nur ganz rudimentär eine Rechtspersönlichkeit, was aber nicht ausreicht, den eigentlichen wirtschaftlich Berechtigten («beneficial owner») zu definieren. So lässt sich denn auch das Geld vortrefflich hinterzehen.

In Miami selber bieten die dort ansässigen Finanzhäuser unterschiedliche Strukturen, um dem Fiskus ein Schnippchen zu schlagen. Und ohne, dass die US-Behörden dagegen aktiv würden.

Wer sich in den einschlägigen Kreisen etwas umhört, erhält vor allem folgende Angebote:

«Amerikanische Strukturen»

• Beinhaltet die Gründung amerikanischer Schein- oder Briefkastenfirmen in steuerfreundlichen und regulierungsarmen Bundesstaaten wie Florida, Nevada oder Delaware, verbunden mit einem Nummernkonto und nachgelagerten Firmenkundenbeziehungen.

«Europäische Strukturen»

• Beinhaltet verschiedene untereinander verbundene Bankkonten, die teils offshore und teils onshore (namentlich für europäische Finanztransaktionen) angelegt sind, wobei die Bankverbindungen dann über steuerfreundliche Jurisdiktionen wie die Kanalinseln, Luxemburg, Belgien, Irland, oder Zypern laufen.

«Offshore Strukturen»

• Beinhaltet 100-prozentige Offshore-Lösungen mit Rechtssubjekten wie Trusts, Stiftungen und anderen Investmentvehikeln in Steuerparadiesen wie Anguilla, Belize, British-Virgin-Islands, Cayman-Islands, etc.), ohne dass bei der Eröffnung der Geschäftsbeziehung der eigentliche Kontoinhaber respektive wirtschaftlich Berechtigte identifiziert würde.

«Offshore Dienstleistungen»

• Beinhaltet nur einzelne Services rund ums Offshore-Banking, wie Briefkastenfirma, Postaufbewahrung, Telefon- und Telefax-Dienste für Dritte, virtuelle Büros, Zahlungsverkehr im Auftragsverhältnis, Online-Banking, Zahlungs-Plattform für Transaktionen (Kunst, Medikamente, Luxusgüter), um Geld in den Kapitalkreislauf zurückzuführen.

 

 

 

 

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden.

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Morgan-Stanley-CEO macht Kasse mit Bankaktien
  • Trumps Kabinett der Milliardäre
  • London: Der Investmentbanker Europas
  • Der Sanierer soll ein Insider-Händler sein
  • RBS: Versagen auf der ganzen Linie
  • Streitpunkt neue Kapitalregeln
mehr

SELECTION

Selection

Die USA, das neue Steuerparadies

Milliarden von Offshore-Geldern fliessen in die USA - die Vereinigten Staaten sind die neue Schweiz.

Selection

Selection

So «pimpen» Sie Ihr Profil

Banken suchen zunehmend in den sozialen Netzwerken nach geeigneten Mitarbeitern. Hier sind die Dos and Don'ts, die es dabei zu beachten gilt.

Selection

NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

weitere News