«Die Quartalsergebnisse verfehlten die Erwartungen»

Es gibt Finanz-Sprüche, die wir dauernd hören – obwohl sie hohl, falsch oder verschleiernd sind. Und nie präzise. Hier einige Highlights.

Dass Sprüche zum Geschäft gehören, ist klar. Doch in der Finanzbranche grassieren bekanntlich Weisheiten, die nicht ganz so schlau sind, wie sie tönen.

Eine wunderbare Sammlung fanden wir nun auf dem Finanzblog «The Motley Fool». Morgan Housel, ein Analyst und «Fool»-Kolumnist, sammelte 29 «stupid things finance people say».

Wir bringen gern einige Highlights, ergänzt mit eigenen Funden (beziehungsweise aus eigener Erfahrung):

«Die Quartalsergebnisse verfehlten die Erwartungen»: Rückfrage von Morgan Housel: Warum verfehlt das Wetter nie die Erwartungen der Wettervorhersage? Weil es umgekehrt ist: Die Erwartungen liegen daneben, nicht das Wetter. «Die Finanzbranche ist der einzige Sektor, wo man die Realität für die eigenen schlechten Prognosefähigkeiten verantwortlich macht.»

«Die Quartalsergebnisse erfüllten die Erwartungen, aber der Markt hoffte, dass sie übertrumpft würden»: Was heisst eigentlich Erwartungen?

«Der Aktienindex sank um 50 Punkte, weil die Anleger auf die Nachricht vom XY reagierten.» Warum hört man nie die häufigste wahre Erklärung? Sie lautet: «Der Aktienindex sank um 50 Punkte, aber keiner weiss genau, warum.»

«Das Ergebnis war vor einmaligen Aufwendungen für (passendes bitte einfügen: «Zuweisung an Pensionskasse», «Konsolidierung im Markt EMEA» usw.) positiv. Abgesehen davon, dass es versalzen war, war das Essen prima.

«Wir warten auf mehr Sicherheit.» Während die Leute 1929 oder 1987 oder 2008 genau wussten, wohin der Hase läuft.

«Er sagte den Crash von 2008 voraus». So wie er den Crash von 2007, 2004, 2003, 2001, 1998, 1997... voraussagte.

«Wir sind vorsichtig optimistisch.» Wir sind ein Widerspruch.

«Langfristig orientierten Investoren könnte das aktuelle Kursniveau interessante Kaufkurse bieten.» Kann man vielleicht kaufen. Muss man aber nicht. Wir übernehmen jedenfalls keine Verantwortung.

«Das Downside-Risiko ist begrenzt»: Wenn das schiefgeht, dann richtig.

«Neutral», «Hold»: Wir wissen auch nicht recht.

«Das ist ein starker Kauf»: Morgan Housel fragt: Und jetzt? Soll man beim Online-Abschluss entschlossener auf die Maustaste drücken?

«Die Anleger flüchten aus dem Markt». Morgan Housel: Jede Aktie hat immer einen Besitzer. Auch nach der Flucht.

«Jetzt ist es Zeit, aus Aktien (Obligationen, Gold...) auszusteigen». Für wen? Für einen 20jährigen, der noch 60 Anlage-Jahre vor sich hat? Oder für eine 82jährige Witwe, die ihre Pension aufbessern muss?

«...aufgrund des veränderten regulatorischen Umfeldes...»: Sehr vielfältig einsetzbar. Bedeutet: «Es ist nicht unsere Schuld,

  • … dass wir Leute entlassen müssen»
  • … dass wir Geschäfte aufgeben müssen»
  • ... dass Ihr dieses Jahr schon wieder weniger Bonus kriegt»
  • ... dass wir weniger profitabel sind»
  • ... dass die Juristen überall ihre Nase reinstecken»
  • ... dass die Dividende erneut enttäuscht»
  • ... dass wir zum Verkauf gezwungen wurden»
  • ... dass wir unsere Banklizenz zurückgeben müssen»
  • usw.

«Wir haben unser Gebührenmodell überarbeitet, um sie transparenter zu gestalten»: Liebe Kunden: Wir schlagen auf.

«Das ist ein Ponzi-Schema»: Die Verwendung des Ausdrucks «Ponzi Scheme» sei ein eigenes Schneeballsystem, findet Morgan Housel. Für ihn ist der Spruch mittlerweile nur noch ein Synonym für: «Mir gefällt das nicht.»

«Die (passendes Wort einfügen)-Krise». Alternativ: «Die (passendes Worte einfügen)-Blase».

Möchten Sie selber ein grosser Sprücheklopfer werden? Ein praktisches Hilfsmittel wäre der Finanz-Phrase-Generator.

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NEWS GANZ KURZ

Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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