Gold: «1'500 Dollar bis Ende 2014 sind realistisch»

Rohstoff-Experte Peter Sigg von LGT Capital Management sagt, wer jetzt im Goldmarkt die Käufer und wer die Verkäufer sind.

Herr Sigg, das US-Finanzinstitut Goldman Sachs hat jüngst einen Einbruch des Goldpreises auf 1'000 Dollar pro Unze in Aussicht gestellt. Prompt tendierte das Edelmetall danach tiefer. Was halten Sie von dieser Prognose?

Ich rechne nicht mit einem Rückschlag auf dieses tiefe Niveau. Das Anlage-Umfeld für Gold sieht noch immer gut aus.

Die Kurse werden weiter steigen?

Vorerst dürften wir eine Konsolidierungsphase auf dem Niveau um 1'300 Dollar sehen. Angesichts der starken Kursentwicklung von Anfang Jahr bis Mitte März von gut 15 Prozent ist eine Verschnaufpause durchaus angebracht. Spätestens ab Sommer rechne ich mit einem weiteren Anstieg, so dass ich bis Ende 2014 einen Preis von 1'450 bis 1'500 Dollar pro Unze durchaus für realistisch halte.

Was sagt der Konsens?

Anfang Jahr führte der Commodity Club eine Umfrage unter Rohstoffexperten durch. Dabei kam ein Durchschnittspreis von 1’314 Dollar bis Ende 2014 zusammen. Mit meiner Prognose bin ich optimistischer.

Warum sollte es im Sommer zu einer Kurserholung kommen?

Das hat im Wesentlichen mit Indien zu tun. Das Land ist traditionell einer der grössten Goldkäufer der Welt, hat aber 2013, zahlreiche Massnahmen zur Beschränkung von Goldimporten ergriffen, um die heimische Währung zu stützen. Ich erwarte, dass diese Massnahmen im kommenden Sommer gelockert werden, was dem Goldpreis zusätzliche Impulse geben wird.


«Indische Impulse im Sommer»


Zudem dürften die Investoren, die sich nach dem Ausbleiben einer militärischen Eskalation auf der Krim etwas vom Gold abgewandt hatten, auf Grund der weiterhin vorherrschenden Risiken in der Ukraine wieder vermehrt auf Gold setzen.

Wer verkauft denn derzeit noch Gold?

Investoren, die auf Grund der Krimkrise kurzfristig in Gold flüchteten, sich nun aber von ihren Beständen wieder trennen wollen. Zudem verkaufen auch Anleger, die Gold im Zuge der Eurokrise als sicheren Hafen nutzten. Sie verkaufen jetzt, da sich die Situation in der Eurozone vordergründig stabilisiert. Dazu mag auch noch beitragen, dass der Goldpreis im vergangenen Jahr eine ganz schwache Performance hinlegte. Nun nutzen manche Investoren bereits kleinere Avancen für einen Exit.

Wo Verkäufer sind, gibt es immer auch Käufer. Aber wer?

Notenbanken, aber auch Gold-ETFs. Letztere verzeichnen seit Februar wieder einen Zustrom, nachdem sie 2013 praktisch nur Abflüsse verzeichneten.


«Die Geldmenge wächst weiter»


Aber auch andere Investoren sind zurückgekommen, weil sich das Sentiment für Gold wieder ins Positive gedreht hat. Die US-Notenbank unter Janet Yellen hat erklärt, vorläufig an einer lockeren Geldpolitik festzuhalten. Die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank of Japan (BoJ) befinden sich ebenfalls noch in einem Modus der Geldmengenausweitung. Vor diesem Hintergrund bleiben auch die Zinsen tief, weshalb Gold als Anlage attraktiv bleibt.

Wenn fundamental alles für Gold spricht, was sind dann die wesentlichen Treiber in diesem Jahr?

Der grösste Teil der Goldnachfrage ist physisch. Rund 50 Prozent absorbiert die Schmuckverarbeitungs-Industrie, vor allem in China und Indien. Zwischen 10 und 15 Prozent gehen in andere Industriebereiche, und 20 bis 30 Prozent kaufen Investoren.


«Nachfrage in Schwellenländern steigt»


Geht man überdies von einer wirtschaftlichen Erholung in den Schwellenländern aus, was mit einem steigenden Wohlstand und Goldanlagen zur Wertaufbewahrung verbunden ist, dann dürfte sich das auch auf die Nachfrage nach physischem Gold niederschlagen.


Peter Sigg ist Co-Manager des LGT Commodtiy Active Fund und leitet den Bereich Commodity Products bei der LGT Capital Management. Er ist zudem Gründer und Präsident des Commodity Club Switzerland und Dozent am Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) der Hochschule Luzern.

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