Preiszerfall bei gestohlenen Kundendaten

Im russischen Untergrund, wo mit gestohlenen Kreditkarten- und anderen Bankkundendaten eifrig gehandelt wird, sind die Preise regelrecht eingebrochen. Das ist allerdings kein gutes Zeichen.

Die Preise im russischen Untergrund purzeln, teilweise um 50 Prozent und mehr. So sind etwa Kreditkartendaten eines US-Bürgers schon für einen Dollar zu haben, während 2011 noch zwei Dollar und fünfzig Cent dafür fällig waren.

Dies geht aus einer neuen Studie des japanischen IT-Sicherheitsanbieters Trend Micro hervor.

Expertentreffen in Zürich

Eingebrochen sind die Preise auch für den Scan eines gefälschten europäischen Reisepasses und für praktisch alle anderen Produkte und Dienstleistungen der russischen Cybergangster. Trend Micro präsentiert weitere Ergebnisse aus der Studie an der Sicherheitskonferenz «Area41» am 2. und 3. Juni im Komplex 457 in Zürich.

Die Sicherheitsexperten des japanischen IT-Sicherheitsanbieters beobachten den russischen Online-Untergrund systematisch seit 2004 und analysieren Preis- sowie Technologieentwicklungen. Ausserdem werten sie Art und Inhalt der Kommunikation zwischen den Online-Gangstern aus.

Gezielte Angriffe

Darüber hinaus vergleichen sie die so gewonnenen Ergebnisse mit der Situation in anderen digitalen Untergrundökonomien, zum Beispiel in China oder Brasilien, und veröffentlichen ihre Erkenntnisse in marktspezifischen Forschungsberichten.

Im internationalen Vergleich ist der russische Untergrundmarkt auf Produkte und Dienstleistungen rund um den Missbrauch des Internetdatenverkehrs spezialisiert. Suchanfragen werden auf verseuchte Seiten umgeleitet, die Zahl der potenziellen Opfer wird systematisch erhöht, und der Datenstrom in den Befehls- und Kontrollservern lässt sich auf Informationen hin durchforsten, die im zweiten Schritt für gezielte Angriffe insbesondere auf Unternehmen verwendet werden können.

Leider kein Krisensymptom

«All dies erfolgt zunehmend automatisiert, daher die Preissenkungen auf breiter Front», sagt der Trend-Micro-Vertreter Udo Schneider.

«Der Preisverfall ist definitiv kein Krisensymptom, sondern Ausdruck einer fortschreitenden Professionalisierung. Die Verwendung dieses positiven Begriffs soll das dahinter stehende kriminelle Treiben keinesfalls adeln, sondern nur umso deutlicher machen, dass wir es mit echten Könnern zu tun haben, die wir als Gegner gar nicht ernst genug nehmen können», so Schneider weiter.

Eine ernste Gefahr

Diese Entwicklung sei beunruhigend. Denn die hochpreisigen Angebote seien keiner Monopolstellung des jeweiligen Anbieters geschuldet. Das heisse umgekehrt, dass sich die höheren Investitionen für die Cybergangster und -spione lohnen müssten, sagt der Fachmann von Trend Micro.

«Wir müssen also davon ausgehen, dass von den russischen Online-Gangstern eine ernste Gefahr für die Wirtschaft in Europa ausgeht. Das geistige Eigentum ist gefährdet und die Angriffe sind so ausgeklügelt, dass ihnen nur mit neuen Abwehrmechanismen, die in Richtung Spionageaufklärung und -abwehr gehen, beizukommen ist», erklärt Schneider.

Sicherheitskonferenz Anfang Juni

Der russische Cyber-Untergrund wird eines der Themen an der IT-Sicherheitskonferenz «Area41» am 2. und 3. Juni im Komplex 457 in Zürich darstellen. Die Konferenz konzentriert sich auf Sicherheitstechnologie und -forschung und bietet internationalen Experten ein Forum, um aktuelle Forschungsergebnisse und tiefgehende technische Analysen vorzustellen und zu diskutieren.

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NEWS GANZ KURZ

Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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