Geheime Schweizer Bankkonten: Jetzt auch noch Hitler

Die Liste prominenter Steuersünder aus Deutschland wird um einen berüchtigten Namen länger: Adolf Hitler. So jedenfalls sehen es britische Medien. 

Steuerflüchtling Adolf Hitler versteckte 5,5 Milliarden Franken auf Schweizer Bankkonten: So titelte am Donnerstag das Internetportal der britischen «Daily Mail». Eine Schlagzeile wie ein Erdbeben – was steckt dahinter?

Die Story bezieht sich auf einen Dokumentarfilm, der diesen Freitag auf dem britischen Channel 5 ausgestrahlt wird: «The Hunt For Hitlers Missing Millions». Darin enthüllen die Autoren, wie Hitler vom armen Schlucker zum Multimillionär wurde, der keine Steuern bezahlt hat.

Hitlers Schweizer Konten?

Und weiter: Historiker hätten basierend auf neuen Dokumenten die Spur von Hitlers Millionen aufgenommen und herausgefunden, dass er sein Vermögen, welches heute rund 3,6 Milliarden Pfund (5,5 Milliarden Franken) wert wäre, auf mehreren Bankkonten in der Schweiz versteckt habe.

Diese Schätzung zur Höhe des Vermögens stammt vom britischen Autor Cris Whetton, der 2004 das Buch «Hitler's Fortune» publiziert hatte.

In anderen Artikeln fehlt der Zusatz «Schweiz»

So weit, so sensationell. Auch die «International Business Times» hatte diese Woche über die kommende Ausstrahlung der Hitler-Dokumentation berichtet: Sie enthülle, wie der deutsche Diktator durch den Verkauf seines Buches «Mein Kampf», Bildrechte, Auftritte und Tantiemen von deutschen Briefmarken mit seinem Konterfei ein Vermögen machte und auf «geheimen Bankkonten» versteckte. Der Zusatz «Schweizer» fehlt hier, wie auch im Bericht auf der israelischen Plattform «Haaretz».

Die Dokumentation hat eine Hauptquelle: Herman Rothman, ein Deutscher, der für den britischen Geheimdienst gearbeitet und Hitlers Testament nach dessen Selbstmord entdeckt hatte.

Smart und gerissen: Hitler als Geldmanager

Aus diesem Testament ergebe sich das Bild «eines smarten Immobilien- und Kunst-Investoren – ein gerissener Manager, der Geld liebte», heisst es dann in der TV-Dokumentation.

Und weiter: Hitlers Steuerunterlagen legten den Schluss nahe, dass er ein Steuerflüchtling war und dem Finanzamt ein kleines Vermögen geschuldet habe, als er 1933 an die Macht kam. Keine Rede von Schweizer Bankkonten.

Die Schweiz unter Generalverdacht

Wie kommt also «Daily Mail» zu der Schlagzeile? Vermutlich weil sie gut klingt und in den aktuellen Kontext eines Schweizer Finanzplatzes passt, der in Verruf geraten ist und in harter internationaler Konkurrenz steht. Wenn irgendjemand auf der Welt sein Geld vor dem Fiskus versteckt, dann wohl in der Schweiz, wird dann gemutmasst. Vielfach zu Recht.

Aber bei Adolf Hitler? Heerscharen von Historikern vor jenen (nicht namentlich genannten) Fachleuten in der TV-Dokumentation sollen dieses, nicht unerhebliche Detail bislang übersehen haben? Bezeichnend für den Wahrheitsgehalt der Schlagzeile ist vielleicht, dass «Daily Mail» schon ein paar Tage zuvor über die Hitler-Dokumentation berichtet hatte. Da war von Schweizer Bankkonten auch noch nicht die Rede gewesen.

Doku liefert kaum was Neues

Bei näherer Betrachtung enthüllt die Hitler-Dokumentation auch ohne die vermeintliche Sensation mit den Schweizer Bankkonten keine neuen historischen Fakten: Es ist längst bekannt, dass Hitler dank «Mein Kampf» vermögend wurde, aber keine Steuern bezahlte.

Auch Herman Rothman hat seine Geschichte längst erzählt – und Hitlers Testament lässt sich als Faksimile im Internet nachlesen. Die Angaben zu seinem persönlichen Vermögen und Erbe sind reichlich dünn. Es solle der Partei vermacht werden. Und wenn es diese nicht mehr gebe, dem Staat, hatte der Diktator angeordnet.

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NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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