Ist die Schweiz noch das Land der Banker?

Im Ausland gilt die Schweiz noch immer als das Land der (Bank-)«Gnomen». Doch ist diese Annahme auch richtig?

(Switzerland © Shutterstock)

Mit dem faktischen Ende des Bankgeheimnisses und der weltweit verschärften Bekämpfung der Steuerhinterziehung ist der Schweizer Finanzplatz enorm unter Druck geraten. Als Folge davon müssen viele Banken ihr grenzüberschreitendes Geschäft redimensionieren. So schwindet auch die Bedeutung der hiesigen Finanzindustrie, die jahrzehntelang als wichtiger Wirtschaftsfaktor galt.

Doch wie präsentiert sich die Situation heute? Das Schweizer Nachrichtenportal «swissinfo.ch» hat zu dieser Frage einige interessante Daten zusammengetragen. Daraus wird beispielsweise ersichtlich, dass die Schweizer Finanzindustrie im weitesten Sinne immer noch rund 260'000 Arbeitsplätze anbietet.

Wichtige Versicherer

Das sind 5,8 Prozent aller in der Schweiz angebotenen Jobs (Total: 4,5 Millionen Stellen) – oder anders ausgedrückt: Jeder 17. Job in der Schweiz ist im Finanzbereich zu finden. Mehr Leute arbeiten nur noch im Hotel- und Gastronomiesektor sowie im Ausbildungsbereich.

Von den rund 261'000 Stellen im Finanzsektor entfallen rund 105'166 auf die Banken, während ungefähr 87'000 Jobs im Assekuranzsektor angesiedelt sind. Die übrigen Stellen verteilen sich auf Firmen, die im weiteren Sinn für die Branche oder als Zulieferer tätig sind.

Wichtiger BIP-Beitrag

Im Vergleich mit anderen Ländern arbeiten in der Schweiz tatsächlich noch viele Leute im Finanzsektor. Nur in Singapur sind es noch mehr, nämlich 6,7 Prozent aller Beschäftigten (in der Schweiz: 5,8 Prozent). Hinter der Schweiz rangieren die USA mit 5 Prozent sowie Grossbritannien mit 4,3 Prozent. Interessant: Auf dem nächsten Platz folgt Österreich mit 3,5 Prozent aller Beschäftigten.

Anteil des Finanzsektors am Bruttoinlandprodukt

FinanzBIP

Quelle: OECD / swissinfo

Gegenüber anderen Ländern ist die Wertschöpfung der Finanzbranche in der Schweiz nach wie vor sehr hoch. Sie macht 10,5 Prozent vom Bruttoinlandprodukt (BIP) aus. Das ist der höchste Wert überhaupt. In Irland macht der Sektor gemessen am BIP noch 8,5 Prozent aus und in Australien 8,1 Prozent. Erst hinter Holland (7,8 Prozent) folgt dann Grossbritannien mit einem Wert von 6,8 Prozent.

Kleine Grossbanken

Allerdings sind die Schweizer Grossbanken gar nicht so gross, wie man immer meint. Vor allem wenn man sie an ihrer Marktkapitalisierung misst. Mit einem Wert von rund 78 Milliarden Dollar rangiert das mächtigste Finanzinstitut der Schweiz, die UBS, gerade einmal auf Rang 21 im internationalen Vergleich. Die Credit Suisse liegt mit rund 51 Milliarden Dollar an Marktwert gar auf Rang 35.

Die grössten Banken der Welt nach Marktkapitalisierung (in Mrd Dollar)

GroessteBanken 500

Quelle: www.relbank.com / swissinfo

Interessant ist, dass die Zurich-Versicherung mit 39 Milliarden Franken an Marktkapitalisierung zwar wesentlich kleiner ist als die Grossbanken, aber im globalen Vergleich zu anderen Assekuranzunternehmen an 7. Stelle figuriert, während die Swiss Re mit 23 Milliarden Dollar auf Platz 17 ist. Allerdings gibt es in der Schweiz durchaus grössere Konzerne, wie das Pharmaunternehmen Roche mit einer Marktkapitalisierung von rund 202 Milliarden Dollar oder der Nahrungsmittelkonzern Nestlé mit gar 234 Milliarden Dollar an Börsenwert.

Grösste Vermögensverwalterin

In führenden Positionen findet man die Schweizer Banken in der internationalen Vermögensverwaltung, wo die UBS mit verwalteten Vermögen von rund 1'700 Milliarden Franken der grösste Wealth Manager der Welt ist. Besonders gemessen an den grenzüberschreitend angelegten Vermögen nimmt die Schweiz nach wie vor eine herausragende Position ein.

Mit einem Marktanteil von 26 Prozent ist sie führend, gefolgt von Hongkong und Singapur mit zusammen 14 Prozent, den Kanalinseln und Dublin mit 13 Prozent sowie der Karibik und Panama mit 13 Prozent an Marktanteil. Grossbritannien, namentlich London, folgt mit 11 Prozent. Die USA bringen es auf einen Marktanteil im Offshore-Geschäft von 8 Prozent sowie Luxemburg von 7 Prozent. Das übrige, grenzüberschreitend angelegte Geld verteilt sich auf verschiedene kleinere Destinationen.

Bald schon alles anders?

Alles in allem arbeiten in der Schweiz rund 54'000 Personen im so genannten Wealth-Management-Geschäft, also in der Vermögensverwaltung für Private. Diese Institute respektive deren Beschäftigte liefern rund 2,8 Prozent ans BIP. Das ist sehr viel. Es entspricht rund 16 Milliarden Franken.

Fazit: Vorläufig ist die Schweiz durchaus noch ein Land der Banker – aber das könnte sich bereits in den nächsten paar Jahren ändern – die Gründe dafür sind vielfältig und werden in der Branche bereits ausgiebig diskutiert.

 

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NEWS GANZ KURZ

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

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