Haben Schwellenländer-Investments überhaupt noch einen Reiz?

Politische Unsicherheit und tieferes Wachstum haben den Emerging Markets jüngst zugesetzt. Wie geht es nun weiter? Der langjährige Aberdeen-Fondsmanager Hugh Young liefert seine Einschätzung.

Die Schwellenländer galten über viele Jahre als hoch attraktive Anlageregionen. Darum vergassen viele Investoren, wie volatil solche Märkte nach wie vor sind. Das zeigte sich vor allem nach der Finanzkrise, als die US-Notenbank im Frühsommer 2013 erstmals in Betracht zog, ihre Geldschleusen etwas zuzudrehen und plötzlich auch von Zinserhöhungen sprach.

Selbst wenn die Realität dann doch eine etwas andere war, reagierten die Schwellenländer-Börsen vehement, was vielen Anlegern herbe Verluste bereitete. Und von da an, hatten die Emerging Markets ihren jahrelangen Goodwill vorerst einmal verspielt. Natürlich kam es zwischenzeitlich zu kleineren Avancen. Doch die Euphorie war weg.

Spekulationen neu entflammt

So war es nicht verwunderlich, dass sich die Investoren in der ersten Hälfte des laufenden Jahres verwundert die Augen rieben, weil die Schwellenländer-Börsen namentlich in Asien – wieder mächtig zugelegt hatten. Doch seit Anfang September stehen die Emerging Markets erneut unter Druck, denn die Spekulationen über Zinserhöhungen sind neu aufgeflammt. Umso mehr stellen sich die Anleger nun die Frage, ob ein neuerliches Engagement in Schwellenländer-Märkte angezeigt ist.

Hugh Young (Bild), langjähriger Fondsmanager für asiatische Aktien bei Aberdeen Asset Management, mahnt zur Vorsicht, bleibt aber grundsätzlich positiv für diese Marktregion, wie er unlängst gegenüber finews.ch erklärte. Als grösste Risiken nennt er eine anhaltende Verlangsamung des Wachstums in China, politische Unsicherheiten in Indonesien sowie die Militärregierung in Thailand.

Nicht günstig, aber auch nicht teuer

«Diese Faktoren dürften die Märkte überschatten», sagt Young, der seit 1985 für Aberdeen arbeitet und das asiatische Anlageuniversum bereits seit 1992 von Singapur aus verfolgt.

Mit einem Kurs-/Gewinn-Verhältnis zwischen 13 und 15 seien die asiatischen Märkte aktuell zwar nicht mehr günstig bewertet, aber auch noch nicht teuer, wie Young weiter erklärt. Den rückläufigen Exporten in manchen asiatischen Staaten stellt er das anhaltende Wachstum der Mittelklasse gegenüber und damit verbunden seien ein weiter steigender Wohlstand sowie grössere Konsumbedürfnisse.

Konsumsektor sehr breit definiert

Vor diesem Hintergrund definiert Young bei seinen Investments den Konsumsektor sehr breit. Er umfasse Firmen aus der Finanzbranche, aus dem Immobilienbereich, aus dem Telecom-Sektor oder der Energie.

«Bei den konventionellen Konsumtiteln bevorzugen wir Unternehmen mit einer bekannten Marke und einem guten Vertrieb, oft in Form von lokalen Netzwerken», unterstreicht Young. Und dem fügt der Aberdeen-Experte noch an: «Unternehmen, in die wir investieren, haben eindeutig umsichtig und konservativ gemanagte Bilanzen.»

Youngs Investitionskriterien erfüllen beispielsweise die Titel des Einzelhändlers Aeon Co in Malaysia, der Brauerei Multi-Bintang in Indonesien oder des philippinische Immobilienentwickler Ayala Land.

Wie steht es mit der Corporate Governance?

Auf die im Zusammenhang mit den Emerging Markets oftmals gestellte Frage nach der Corporate Governance, also der rechtmässigen Unternehmensführung antwortet Young: «Die Vorstellung, dass grosse Unternehmen automatisch auch die bessere Corporate Governance haben, ist falsch. Es stimmt einfach nicht. Ich kenne kleinere Unternehmen, deren Leitungsgremien mehrheitlich von unabhängigen, nicht geschäftsführenden Direktoren besetzt sind.»

Natürlich gebe er Unternehmen den Vorzug, welche die Interessen von Minderheitsaktionären achten würden, sagt Young weiter. Für eine gute Governance komme es aber ebenso sehr auf die Einstellung wie auf die Ressourcen an.

Rund 600 Millionen Menschen

Auf die eingangs gestellte Frage, ob sich ein Engagement in asiatische Schwellenländer derzeit noch lohne, betont Young die Notwendigkeit, dass ein solches Investment langfristig sein sollte. Denn: «Rund 600 Millionen Menschen leben heute in der ASEAN-Region, und die entsprechenden Wachstumsaussichten werden von positiven demografischen Faktoren sowie von der zunehmenden Urbanisierung unterstützt», sagt der Aberdeen-Anlageexperte.

Weil zudem die Lohnkosten in China laufend teurer würden, dürften die ASEAN-Länder dank niederer Preise als Produktionsstandorte noch an Attraktivität gewinnen, ist Young überzeugt. Und schliesslich werde die Region durch den für 2015 geplanten Zusammenschluss in der Asean Economic Community (AEC) als Handelsblock noch an Bedeutung gewinnen.

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