Investieren auf einem Kontinent der Gegensätze

Anleger können in Afrika sehr viel Geld verdienen. Doch sie sollten jedes Land individuell betrachten, betont Kevin Daly von Aberdeen Asset Management.

Kevin Daly 160Kevin Daly ist Portfolio Manager bei Aberdeen Asset Management und spezialisiert auf Schwellenländer-Anlagen

In den 54 Ländern der Afrikanischen Union werden mehr als 1'000 Sprachen gesprochen. Diese Staaten sind Heimat von über einer Milliarde Menschen, und sie sind reich an Rohstoffen. Für Investoren kann es sich durchaus lohnen, einen Blick auf den Kontinent der herrschenden Gegensätze zu werfen. Symbolisch zeigt sich dies beispielsweise daran, wie unterschiedlich etwa Sambia und Ghana ihre Probleme angehen.

Ghana und Sambia: Währungsentwicklung zum Dollar

Ghana versus Sambia 500

(Quelle: Bloomberg, Januar bis September 2014)

Sambia prosperiert

Sambia erging es in den vergangenen Jahren im Vergleich zu manchen Nachbarländern relativ gut: Die Zivilgesellschaft und die Demokratie erlebten eine Blütezeit. Sambia ist mittlerweile einer der grössten Kupferproduzenten der Welt und profitierte direkt vom Kupferboom, der ein Jahrzehnt lang ein Wachstum von durchschnittlich 6,4 Prozent pro Jahr ermöglichte.

Dank der politischen Stabilität und der Kupferexporte konnte sich Sambia in der Gruppe der Länder mit einem mittleren Volkseinkommen etablieren. Doch auf Kupfer entfallen rund 70 Prozent der Exporte. Auf Grund der steigenden Inflationsrate hob die Nationalbank von Sambia vor einigen Monaten die Zinsen auf einen neuen Höchstwert von 12 Prozent an.

Da beim Haushaltsdefizit keine Besserung in Sicht ist, wird Sambia folglich den Internationalen Währungsfonds (IWF) um Hilfe bitten müssen.

Ghana überbordet

Ob auch Ghana bereit ist, eine massive, vom IWF verabreichte fiskalpolitische Dosis zu schlucken? Wie Sambia hat Ghana in den vergangenen Jahren eine stabile Demokratie erlebt. Gleichzeitig erhielt die Wirtschaft Auftrieb durch das rasante chinesische Wachstum.

Ghana ist ein bedeutender Exporteur von Kakao und Gold. Die Entdeckung grosser Erdölvorkommen liess Hoffnung auf langfristige, stetige Einnahmen aufkommen. Die Erträge aus den neu erschlossenen Ölfeldern begannen zu sprudeln, so dass Präsident John Dramani Mahama bei seinem Amtsantritt 2012 grosszügig Kraftstoff-Subventionen und Gehaltserhöhungen im öffentlichen Dienst genehmigte.

Enorm hohe Zinsen

In der Folge gab die Regierung rund 70 Prozent des Steueraufkommens für Personalkosten aus. Dann aber enttäuschten die Einnahmen aus der Ölförderung, und die Inflationsrate oszilliert seither bei 12 Prozent. Die Unternehmen kämpfen mit Zinsen, die weit über dem Zentralbank-Leitzins von 19 Prozent liegen.

So trübte sich die Konjunktur weiter ein, und Ghana musste in diesem Jahr den IWF um Hilfe bitten. So ergab sich die Emission einer Staatsobligation von mehr als einer Milliarde Dollar, die kräftig nachgefragt wurde.

Afrika individuell beurteilen

Africa Life 500

Sambia und Ghana gehen höchst unterschiedlich mit ihren Problemen um: Als die Wirtschaft in Sambia ins Stocken geriet, gelang die Regierung unverzüglich an den IWF. Zur Drosselung der Inflation wurden die Zinsen rasch und kräftig erhöht, so dass der Preisauftrieb heute kein Thema mehr ist.

Nach einer kräftigen Abwertung im Juni hat sich die Währung wieder weitgehend stabilisiert. Durch das rasche und entschlossene Handeln hat Sambia die Investoren beruhigt.

Ghana hingegen hat die Anleger durch die verspätete Aktion erschreckt. Fazit: In Afrika ist jedes Land individuell zu betrachten und zu beurteilen.

Obligationen der Frontier-Märkte

 

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Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

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