Bitte werfen Sie kein Geld aus dem Fenster, Signor Renzi!

Im italienischen Parlament ist ein Selbstanzeigeprogramm verabschiedet worden, bei dem Steuersünder straffrei ins Reine kommen können. Steuersünder mit Konten in der Schweiz werden dabei aber diskriminiert. So riskiere Premierminister Matteo Renzi, verlorene Steuergelder aus dem Fenster zu werfen, findet Jakob Schaad von der Bankiervereinigung.

Jakob Schaad 180Jakob Schaad ist Leiter Finanzmärkte International und stv. Vorsitzender der Geschäftsleitung der Schweizerischen Bankiervereinigung

Man hat es vor allem in der italienischen und in der Westschweizer Presse gelesen: Das italienische Parlament erarbeitete ein Selbstanzeigeprogramm für italienische Steuersünder. Am 4. Dezember 2014 wurde es auch noch im Senat verabschiedet. Das finde ich gut. Denn um ins neue Regime des weltweiten automatischen Informationsaustausches einzutreten, brauchen die bis heute fehlbaren italienischen Steuerzahler eine Möglichkeit, um rasch von sich aus mit den Steuerbehörden ins Reine zu kommen.

So fliessen die vermissten Steuergelder, und die Gefängnisse werden nicht unnötig überfüllt. Das ist in Italien nicht anders als in allen anderen Ländern der Erde. Deshalb sieht auch die OECD solche Selbstanzeigeprogramme positiv.

Ade, teure Steuergelder?

Leider besteht aber immer noch die Möglichkeit, dass Premierminister Matteo Renzi die Steuergelder doch noch aus dem Fenster wirft. Es gibt nämlich Länder, die in Italien steuermässig auf einer «Schwarzen Liste» sind – die Schweiz gehört hier leider dazu –, und für Steuersünder mit Konten in diesen Ländern ist die Regularisierung deutlich teurer und mühsamer als für die anderen.

Das ist schlecht für Herrn Renzi. Denn viele Italienerinnen und Italiener werden ihr Vermögen aus der Schweiz abziehen und es irgendwoanders verstecken. Dann ade, teure Steuergelder!

Rettung in Sicht?

Glücklicherweise sieht das neue Gesetz auch hier eine mögliche Rettung vor. Wenn Länder auf der «Schwarzen Liste» – und damit auch die Schweiz – innerhalb von 60 Tagen ab Inkrafttreten des Selbstanzeigeprogramms mit Italien ein OECD-konformes Steuerabkommen unterzeichnen, werden Steuersünder mit Konten dort gleich behandelt wie die anderen. Da bin ich dafür!

Denn ich bin für den OECD-Standard inklusive Informationsaustausch und für den Verbleib des steuerehrlichen italienischen Geldes in Schweizer Banken. Die Schweiz und Italien unterschreiben ihr aufdatiertes Doppelbesteuerungsabkommen und Herr Renzi bekommt seine verlorenen Steuergelder, weil sich die Kunden mit Ermunterung der Banken dort melden werden. Wo ist also das Problem?

Hoch gepokert

Ich vermute, Herr Renzi pokert zu hoch. Die Verhandlungen ziehen sich nun nämlich schon eine Zeitlang hin. Der italienische Premierminister sollte aber wissen, dass sein Selbstanzeigeprogramm ein Flop sein wird, wenn er Selbstanzeiger mit Konten in der Schweiz diskriminiert. Also, Signor Renzi, bitte kein Geld aus dem Fenster werfen!

 

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden.

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Gegen die romantische Verblödung
  • Deutsche Bank im Visier Chinas
  • Die nächste Blase platzt im Bong
  • Nacktfotos für einen Kredit
  • Die Rendite ist weiblich
  • Das sind Trumps Einflüsterer
  • Diese TV-Stars verdienen am meisten
mehr

Follow us

Follow finews.ch on Twitter Follow finews.ch on Facebook Follow finews.ch on Google+ Follow finews.ch on LinkedIn Follow finews.ch on Xing Follow finews.ch on Youtube Follow finews.ch on Instagram Follow finews.ch

Newsletter

Newsletter-SymbolKostenlos abonnieren

Abonnieren Sie jetzt den finews.ch-Newsletter und Sie erhalten kostenlos 2x wöchentlich die wichtigsten News aus der Schweizer Finanzwelt per E-Mail.

Zürcher Bankenverband

News und Einschätzungen zum Zürcher Finanzplatz.

Beiträge lesen

Lohnvergleich

Lohnvergleich

Verdienen Sie genug? Vergleichen Sie doch mal Ihren Lohn.

zum Lohnvergleich

SELECTION

Selection

So sieht der Banker der Zukunft aus

Mit aller Macht versuchen die Banken, ihr Geschäft ins Zeitalter der Digitalisierung zu retten.

Selection

Die faszinierendsten Bankfilialen der Welt

Die faszinierendsten Bankfilialen der Welt

Ideen aus fünf Kontinenten für die Bank der Zukunft.

Selection

NEWS GANZ KURZ

Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

weitere News