Fintech: Fünf heisse für Trends 2015

In London ging die wichtigste Fintech-Messe über die Bühne – und setzte den Kurs für die Branche. Unter den Trendsettern sind auch einige Schweizer Unternehmen.

Dieser Tage waren die schlauen Köpfe der Schweizer Fintech-Szene schwer erreichbar. Dafür gab es einen guten Grund: Alles, was in der aufstrebenden Branche Rang und Namen hat, weilte an der Londoner Finovate.

An der wichtigsten Fintech-Messe Europas in der Old Billingsgate Market Hall, unweit der berühmten Tower Bridge, präsentierten nicht weniger als 72 Firmen ihre Innovationen. Im Publikum sassen rund 1'250 Fintech-Experten, Wagniskapitalgeber, Analysten und Banker – die UBS, Crealogix sowie die PostFinance schickten je eine Delegation.

Trotz ihrer Grösse vermochte die Veranstaltung offenbar immer noch zu begeistern: «Mit mehr als 60 Demonstrationen der wichtigsten Innovationen weltweit ist das exakt der Ort, um das nächste grosse Ding ausfindig zu machen», schwärmte das Branchen-Portal «Treasury Insider».

Zumindest fünf Trends muss man im Auge behalten:

1. Sparhelfer

Menschen mit schmalem Budget interessieren herkömmliche Banken kaum. Die Fintech-Unternehmen jedoch umso mehr. Die App Spendific der norwegischen Firma Evry verbindet sich mit dem Konto des Nutzers und berechnet dort, wieviel Kleingeld nach Abzug der Fixkosten zum freien Gebrauch übrigbleibt.

In die Zukunft blickt die britische App Moneyhub. Der Dienst hilft Nutzern zwischen kurzfristigen und langfristigen Finanzzielen auszuwählen – etwa, ob der Bonus besser für teure Ferien verwendet werden soll oder fürs Vorsorgesparen.

2. Datenschutz

Mit der Hinwendung zum digitalen Banking steigen auch die digitalen Risiken. Entsprechend setzte die Messe einen Schwerpunkt auf das Thema ‹Datenklau›. Die von Ex-Nokia-Managern entworfene App Mistral überwacht und analysiert dazu alle auf einem Smartphone heruntergeladenen Apps.

Der Vorschlag von LockMyMobile zielt derweil auf den Missbrauch im elektronischen Zahlungsverkehr: Zahlungen werden mit dem Dienst erst ausgelöst, wenn der Nutzer seine Kredit- oder Debitkarte mit einer App einliest und sie damit für die einzelne Transaktion «entsperrt».

3. Video Video Video

Unter Social-Media-Experten ist klar: 2015 wird das Jahr des Videos. Dem kann sich offenbar auch die Fintech-Branche nicht entziehen. Die Schweizer Bankensoftware-Firma Crealogix nutzt den Trend und präsentierte vor dem Messepublikum eine neue Nutzeroberfläche, die Video-Botschaften und Zusatzinformationen miteinander verbindet.

Das Tool zielt explizit auf Kundenberater, die online Beratungsgespräche führen. Das dürfte wohl auch die UBS-Leute im Publikum interessiert haben – die Bank will bis Ende 2015 eine umfassende Online-Vermögensberatung anbieten.

4. Nutzerfreundlichkeit

Nicht nur eine Fülle von Information anbieten, sondern sie auch intuitiv nutzbar machen: Das ist derzeit eine der grössten Herausforderungen in der Fintech-Branche. Entsprechend wurden an der Finovate zahlreiche Versuche in Richtung besserer Visualisierung präsentiert.

Der Ansatz von mBank und i3D etwa erkennt die Gesichter von Nutzern und präsentiert ihnen einen individualisierten Mix von Finanzprodukten. Die österreichisch-deutsche CPB Software hingegen richtet sich mit ihrem Produkt explizit an den Kundenberater. Diesem stellt sie nicht nur eine einfache Übersicht über Marktdaten zur Verfügung, sondern auch über das Kundenprofil und dessen Portefeuille.

5. Gebühren minimieren

Laut «Treasury Insider» dürfte ein neues Tool der Firma Revolut vor allem bei Geschäftsreisenden ankommen. Es ist darauf ausgelegt, die Gebühren für Zahlungen in Fremdwährungen zu minimieren. Nutzer erhalten dazu eine Karte, die ihnen die Abwicklung über ein «währungsneutrales» Konto ermöglicht. Dabei werden Transaktionen zum Interbank-Tarif abgewickelt – dem besten Preis, den es in der Devisenwelt gibt.

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NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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