Wie Anlage-Slang die Kunden verscheucht

Wenn der Anlageberater seinem Kunden eine neue Strategie erklärt, muss er Sprachbarrieren überwinden – denn viele Produkte sind schlicht zu kompliziert. Redet er hingegen im Finanz- und Produktejargon, schreckt dies Kunden ab.

running away©shutterstock.com

Banken und Asset Manager haben in den letzten Jahren viel Kreativität beweisen müssen, um ihren Kunden Anlagelösungen vorzuschlagen, die in den schwierigen Märkten eine risikogerechte Rendite versprechen.

Diese relativ neuen Fonds- und ETF-Produkte wurden mit Zusätzen und Begriffen geschmückt, die auf irgendeine Weise Anlageklasse, -strategie oder Differenzierungsmerkmal benennen sollen. Wie: «Smart Beta», «liquid Alternatives», «unconstrained», «Arbitrage» und dergleichen mehr.

Gleiche Produkte, aber nur eines wird gewählt

Nun hat der britische Asset Manager Invesco zusammen mit dem Research-Unternehmen Maslansky + Partners herausgefunden: Anstatt den Kunden mit solchen Begriffen das Produkt oder die Strategie verständlich zu machen, schaffen die Anlageberater zusätzliche Sprachbarrieren. Und diese halten den Kunden davon, ab das Produkt zu wählen.

So fanden die Verfasser der Studie «The Power of Alternatives» heraus, dass die Mehrheit der Kunden den Begriff «liquid Alternatives» schlicht nicht verstehen. Sie hatten die Wahl zwischen einem Fonds, der in Alternative Anlagen investiert und einem Produkt, das in «liquid Alternatives» anlegt. 77 Prozent der 800 befragten Kunden wählten den ersten Fonds, nur 23 Prozent den zweiten. Dabei sind beide im Prinzip gleich.

Bekanntes wird vorgezogen

Scott West, Chef-Anlageberater bei Invesco sagt: «Investoren sind sehr begierig zu erfahren, wie sie mit Alternativen Anlagen ihre Renditeziele erreichen können. Aber Wörter wie 'Arbitrage' oder 'Derivate' trüben die Kundenerfahrung.»

Noch einige Beispiele aus der Studie: 65 Prozent der Befragten fühlten sich mit Investments in offenen Fonds (Mutual Funds) wohl. Global Macro Funds präferierten nur 24 Prozent, «unconstrained» Aktienfonds (orientieren sich nicht an einem Benchmark) 23 Prozent. Arbitrage-Strategien wollten nur noch 19 Prozent kaufen und Derivate-Strategien 17 Prozent.

Die Studie zeigt demnach, dass Privatanleger lieber in Bekanntes investieren wie einfache Aktien- oder Obligationenfonds. Dagegen zeigen sie sich bei Alternativen Strategien sehr zurückhaltend.

Long-Short verstehen die meisten Leute nicht

Hingegen nutzen Finanzinstitute, welche ihnen diese Produkte anbieten, Alternative Strategien seit Jahrzehnten für ihre Zwecke. Aber die Anlageberater hätten es bislang nicht geschafft, den Kunden zu erklären, dass auch für sie funktionieren kann, was für die Finanzbranche gut funktioniert, so die Studienverfasser.

Offenbar liegt es vielfach einfach an der Wahl der Worte und Begriffe, die in den Produktebeschreibungen stehen und von den Anlageberatern übernommen werden. So wurden Kunden gefragt, welches Wort eine Anlage am besten beschreibt, die den Marktbewegungen nicht folgt.

«Nicht korrelierend» wählten 18 Prozent der Kunden, «verhält sich unabhängig» wählten hingegen 59 Prozent. Oder: 64 Prozent der Privatanleger würden ein Investment vorziehen, welches «auf beständige Renditen fokussiert», nur 11 Prozent würden das von der Finanzindustrie gelabelte Produkt Long-Short-Fonds wählen.

Die «toxischsten» Begriffe

Aus der Studie geht zudem eine Liste der «toxischsten» Begriffe und Phrasen hervor, die Kunden abschrecken – hier in Englisch wiedergegeben, mit deutscher Erklärung:

  • «Derivatives» – Derivate
  • «Future-proof your portfolio» - Sichern Sie ihr Portfolio für die Zukunft ab
  • «Smooth equity returns» – Regelmässige Aktienrenditen
  • «Immediately allocate 20 percent of your portfolio to alternatives» – Legen Sie sofort 20 Prozent ihres Portfolios in Alternativen Anlagen an
  • «Non-traditional investments» – Nicht-traditionelle Anlagen
  • «Strategies usually associated with hedge funds» – Strategien in Verbindung mit Hedgefonds
  • «We can predict that rates will rise in the future» – Wir stellen die Prognose eines Zinsanstiegs in der Zukunft
  • «These are portfolio managers that I have carefully selected» – Diese Auswahl an Portfoliomanagern basiert auf einer vorsichtigen Selektion
  • «Arbitrage»
  • «Satellite»

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Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

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Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

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Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

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Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

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Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

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Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

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Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

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Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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