So holen wir Fintech in die Schweiz

Fintech rollt den internationalen Standortwettbewerb der Finanzplätze neu auf. Martin Hess von der Bankiervereinigung sagt, wieso die Schweiz dabei sein muss, und welche Rahmenbedingungen es zu verbessern gilt.

Martin Hess 134x192Martin Hess ist Leiter Wirtschaftspolitik bei der Schweizerischen Bankiervereinigung

Fintech wird zu einer strukturellen Neuordnung des Bankgeschäfts und Veränderungen bei den internationalen Standortvorteilen führen. Vor diesem Hintergrund muss die Ambition der Schweiz sein, nicht nur Einkäuferin sondern auch Produzentin von Fintech zu sein.

Die zunehmende Fragmentierung der internationalen Finanzmärkte macht die Limiten beim grenzüberschreitenden Transfer von Kapital und Dienstleistungen rigider. Deshalb muss unser Land über alle relevanten Kernkompetenzen selbst verfügen, was es ein global führender Finanzplatz sein will.

Wieso Fintech in der Schweiz?

Dies trifft für die Innovationsfähigkeit in ganz besonderem Masse zu. Sie ist notwendig, um im wertschöpfungsstarken Segment profitabel zu wirtschaften und so den Wohlstand zu sichern. Die Stärkung der Innovationskraft hilft dem Finanzplatz zudem im grenzüberschreitenden Dienstleistungsverkehr. Schliesslich dürften auf Grund ihrer zunehmenden Bedeutung Technologie und Innovation in Finanzplatzrankings künftig stärker gewichtet werden. Die Schweiz muss also dranbleiben.

Die Medien bleiben dran. Fintech ist heute allgegenwärtiges Thema. Auch die Banken sind dran, und viele haben bereits disruptive Massnahmen ergriffen.

La Suisse n’existe pas

Dennoch gestaltet sich eine Spurensuche über den Stand von Fintech in der Schweiz schwierig. In Untersuchungen von verschiedenen grossen Beratungsfirmen ist die Schweiz bezüglich Fintech-Investitionen weder als gut noch als schlecht aufgeführt. Wie an der Weltausstellung 1992 in Sevilla ist die Schweiz in vielen internationalen Analysen schlicht inexistent.

Über die Gründe dieser unzutreffenden Feststellung mag man spekulieren. Ob statistische oder definitorische Probleme, fehlendes Marketing oder tatsächliche Rückstände; es scheint zentral für den Standort Schweiz zu sein, dass über das Gute, das man tut, auch gesprochen wird. Noch wichtiger ist aber, dass nun rasch in dem an gleicher Stelle von meinem Kollegen Thomas Sutter dargelegten Vorgehen die Rahmenbedingungen verbessert werden.

Schrei nach regulatorischen Anpassungen

Bessere Rahmenbedingungen zu fordern mündet oft in einem Schrei nach regulatorischen Anpassungen. Will die Schweiz nicht ins Hintertreffen geraten, ist es tatsächlich nötig, rasch die gesetzlichen Grundlagen beispielsweise für die Online-Identifizierung oder die Gleichstellung von schriftlicher und digitaler Signatur einzuführen.

Bei den riesigen Datenmengen muss zudem die Privatsphäre der Kunden so gewährleistet werden, dass Innovationen nicht gesetzlich verhindert werden. Und wenn in Zukunft der Computer einen (Fehl-)Entscheid fällt, muss nicht automatisch eine Sorgfaltspflichtverletzung einer Bank vorliegen.

Die wichtigsten Erfolgsfaktoren

Rahmenbedingungen gehen aber weiter als Regulierung. Verbesserungen müssen auch bei der Infrastruktur, Aufsicht und Innovationsförderung erreicht werden:

  • Im Standortwettbewerb um Fintechfirmen kann nur bestehen, wer bei der Infrastruktur erstklassige Qualität und Sicherheit in Bezug auf Leistungsfähigkeit und Schutz vor Cyberkriminalität garantieren kann. Monopole müssen verhindert werden, und die digitalen Plattformen sind im Interesse von Innovationen offen und herstellerneutral auszugestalten.
  • Bei der Aufsicht müssen rasch die Zuständigkeiten klar und abschliessend geregelt werden. Angesichts der Knappheit der Personalressourcen in der Startup-Branche sind der Behördenzugang unbürokratisch und die Informationen namentlich zur Bewilligungspflicht einfach zu halten.
  • Schliesslich können wir vom Ausland lernen, dass jeder Technologie-Hub eine effiziente Innovationsförderung im Rücken weiss. Es ist deshalb wichtig, dass die Schweiz ihre diesbezüglichen Anstrengungen und Erfolge auch im Ausland sichtbar macht und Anknüpfungspunkte als Enabler von Geschäftsaktivitäten macht.

Der Knackpunkt für den Erfolg

Die nicht verhandelbaren Schweizer Erfolgsfaktoren Vertrauen und Sicherheit sind im digitalen Bereich besonders zentral für die Kundenbindung. Die Rahmenbedingungen sind nun so zu verbessern, dass die Realisierung von Innovationen in der Schweiz vereinfacht und gefördert wird, ohne Abstriche bei den Kernwerten des Schweizer Finanzplatzes machen zu müssen.

Viel bleibt also zu tun, damit wir die Schweiz auf der Fintech Landkarte finden. «La Suisse n’existe pas» muss der Vergangenheit angehören. Die Kalifornier mit ihrem technologischen Gravitationszentrum in Palo Alto machen es vor und haben «Heureka» gleich zum Staatsmotto erkoren
(The Great Seal).

 

 

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Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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