Swiss Banking: Pekings Interesse hängt an einem seidenen Faden

Die jüngste Reise von Spitzenvertretern des Schweizer Finanzplatzes nach Peking zeigt Früchte. Doch jetzt kommt alles auf die nächsten Monate an, wie Recherchen von finews.ch zeigen.

Jacques de Watteville musste zwar kurzfristig absagen. Aber auch ohne das Verhandlungsgewicht des Direktors des Staatssekretariats für internationale Finanzfragen (SIF) kam die Schweizer Delegation vom Gipfel mit den chinesischen Behörden- und Bankenvertretern in Peking mit grundsätzlich guten Nachrichten nach Hause.

Wie finews.ch berichtete, weilten die Schweizer Abgesandten am 1. und 2. September in der chinesischen Hauptstadt. Mit von der Partie waren Vertreten des SIF, der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (Finma) und der Schweizerischen Nationalbank (SNB), sowie auch Patrick Odier, Präsident der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg) und Hauptinitiant eines Schweizer Hubs für den Handel mit Chinas Währung Renminbi.

Reges Interesse an einer Niederlassung

Kennern der Gespräche zufolge waren es vor allem die Schweizer Bankenvertreter um Odier, die bei ihren chinesischen Kollegen punkteten. Demnach sollen diverse chinesische Banken nach den Vorzügen einer Niederlassung in der Schweiz gefragt haben. Das bestätigt Thomas Sutter, stellvertretender Geschäftsleiter der SBVg, auf Anfrage von finews.ch. «Während der Gespräche kam klar zum Ausdruck, dass mehrere chinesischen Grossbanken ein reges Interesse an der Schweiz zeigen.»

Bekanntlich hat die China Construction Bank (CCB) als erstes chinesisches Institut seit Jahren letzten Frühling eine Lizenz bei der Finma beantragt. Drei weitere chinesische Bankgiganten sollten folgen, hiess es in der damaligen Euphorie: Die Bank of China (BoC), die Agricultural Bank of China (ABC) sowie die Commercial Bank of China (ICBC). Und: Mehreren Kandidaten wurde Interesse nachgesagt, hierzulande Private-Banking-Dienste anzubieten.

Ohne Lizenz kein Hub

Um das Gesuch der CCB ist es seither still geworden. Nun zeigten die Verhandlungen in Peking aber, dass alles von diesem abhängt. «Wichtig ist jetzt, dass die Bewilligung der Finma kommt», sagt ein Kenner der Gespräche. Denn die anderen chinesischen Grossbanken würden jetzt erstmals den Testfall CCB abwarten, bevor sie sich selber Richtung Schweiz bewegten.

Und nicht nur das. Ohne Banklizenz für die CCB gibt es auch keinen hiesigen Renminbi-Hub in der Schweiz, da die Bank zwingend als Clearing-Stelle für den Handel mit der China-Devise agieren muss.

Beim Renminbi-Hub handelt es sich um eine Transaktions-Plattform, über die Handelsgeschäfte mit der chinesischen Währung abgewickelt werden könnten, die bis heute nicht frei konvertierbar ist. Das würde zahlreiche Geschäfte für die Wirtschaft erleichtern. Gleichzeitig könnten so auch neue Finanzprodukte entwickelt werden und wären besser handelbar.

Anstehen für den G-20-Gipfel

Gleichzeitig braucht nicht nur das Swiss Banking, sondern die Schweiz selber den Goodwill der chinesischen Behörden in einem noch viel wichtigerem Belang: Die Schweizer Delegation sondierte in Peking nämlich, ob China die Schweiz nächstes Jahr zum G-20-Gipfel lädt. 2016 präsidiert die Volksrepublik die Zusammenkunft der mächtigsten Wirtschaftsnationen und bestimmt damit auch die Gästeliste. Wie es heisst, wäre die Schweiz zumindest im Finanzbereich gerne zu Wort gekommen.

Damit blickt nun alles auf die Finma, bei der das Gesuch der CCB jetzt liegt. Der politische Druck, diesem stattzugeben, sein enorm, sagt ein Insider. Gleichzeitig muss die Finma um den Eindruck bemüht sein, sie prüfe das Gesuch sehr genau geprüft und winke es nicht etwa im Eilverfahren durch.

Bescheid erst im November?

Ein Sprecher der Aufsichtsbehörde hält sich dazu bedeckt. «Die Finma spekuliert nicht über die Dauer einzelner Verfahren», sagte er auf Anfrage von finews.ch. Indes bestätigt die Behörde, dass seit Mitte Mai ein vollständiges Bewilligungsgesuch der chinesischen Bank vorliege. Das werde gegenwärtig geprüft. Laut Kennern der Materie dauert es rund sechs Monate, bis ein Gesuch für eine Banklizenz bei der Finma bearbeitet ist. Damit wäre frühestens im November mit einem Bescheid für die CCB zu rechnen – und nicht schon im September, wie am Bankenplatz viele hofften.

Entsprechend dürfte die Anspannung in den nächsten Wochen noch steigen.

Seil©Shutterstock

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Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

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Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

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Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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