Steuertransparenz ja, aber bitte ohne Extrawurst

Der Bundesrat versucht die Schweizer Banken zu Konzessionen zu zwingen, die kein anderes Land von seinen Finanzinstituten verlangt. Zudem entsprechen diese Konzessionen keinem internationalen Standard. Ein absolutes «No-Go» also, findet Jakob Schaad von der Bankiervereinigung.

Jakob Schaad 192Jakob Schaad ist Leiter Finanzmärkte International und stv. Vorsitzender der Geschäftsleitung der Schweizerischen Bankiervereinigung

Es ist doch alles bestens: Die Banken in der Schweiz erweisen sich als robust angesichts aller Krisen und den technologischen sowie regulatorischen Umbrüchen der vergangenen sieben Jahre. Es gab auch keinen dramatischen Stellenabbau, kein Bankensterben. Auch der Weg in die Steuertransparenz hat die Bankenoase Schweiz nicht trockengelegt – wie einige Konkurrenten vielleicht hofften – und die Kundendepots sind nicht flutartig aus den Schweizer Banken geflossen. So kann man es auch in unserem neusten Bankenbarometer nachlesen.

Allen Unkenrufen zum Trotz

Tatsächlich: Ein De-Banking hat es trotz verändertem globalem Umfeld in der Schweiz nicht gegeben. Da erweist sich der Schweizer Bankensektor genauso stark wie sich in der Vergangenheit die Industrie gegenüber den De-Industrialisierungs-Tendenzen erwies, die in anderen europäischen Ländern ein arges Ausdünnen anrichteten.

Die Schweiz kann also auch im Bankensektor auf den Einfallsreichtum und die Arbeitsethik seiner Unternehmer, Unternehmerinnen, Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen zählen.

Ein freies Feld

Wenn sie aber auch in Zukunft in der Lage bleiben sollen, ihren Einfallsreichtum umzusetzen und ihre Arbeit produktiv einzubringen, müssen die Rahmenbedingungen dazu stimmen. Wenn wir weiterhin so erfolgreich sein wollen, brauchen wir dazu aber keine Extra-Hürden, sondern ein freies Feld für Top-Bankdienstleistungen.

Ich greife zwei Beispiele heraus, wo sich die Politik unbedingt für gute Rahmenbedingungen einsetzen muss: Das eine kommt aus der neuen Welt der globalen Steuertransparenz, und das andere betrifft das Verhältnis der Schweiz zur EU. In beiden Dossiers wird es ganz entscheidend sein, dass die Banker und Bankerinnen auf ein Umfeld zählen können, das ihnen ermöglicht, der Konkurrenz zu zeigen, was sie drauf haben.

Beeindruckende IT-Maschinerie

Die Banken in der Schweiz tragen die Wende hin zu Steuertransparenz voll mit. Dazu gehört die Umsetzung des globalen Standards für den Automatischen Informationsaustausch. Mit den Informationen, welche die Staaten automatisch erhalten, können und sollen sie dann selbst dafür sorgen, dass ihre Steuerpflichtigen ihrer Steuerpflicht nachkommen.

Um diesen Austausch automatisch und korrekt sicherzustellen, bauen die Banken eine beeindruckende IT-Maschinerie auf – und das müssen die Banken überall auf der Welt. Da hält auch in diesem Bereich die Industrialisierung Einzug – und da sind wir in der Schweiz an der Spitze!

Zweimal ein «No-Go»

Aber in dieser Welt hat eine Verpflichtung für die Banken, die Steuerkonformität ihrer Kunden zu überprüfen, keinen Platz. Zuerst versuchte der Bundesrat diese Spezialbehandlung im FINIG unterzubringen und nun versucht er es unter dem umständlichen Titel «Erweiterte Sorgfaltspflichten zur Verhinderung der Annahme nicht-versteuerter Vermögenswerte» in der Schweizer Umsetzung des Automatischen Informationsaustauschs.

Beides ist ein No-Go. Kein anderes Land verlangt so etwas von seinen Banken, und es entspricht in keiner Weise einem internationalen Standard.

Bitte fit machen

Wir können uns keine solche Extrawurst leisten, wenn wir in der neuen Welt bestehen wollen. Sie ist auch nicht notwendig. Denn wer im Netz des globalen Informationsaustausches dabei ist, braucht keine zusätzliche Steuerkonformitätsprüfung der Banken. Und wer noch nicht dabei ist, soll Teil des Netzes werden. Es sind nicht alle dazu in der Lage? Dann sollen sie sich dazu fit machen.

Es ist geradezu unwirklich, wie vor den Wahlen dieser Frage ausgewichen wird. Dabei ist die Beziehung der Schweiz zur EU für unseren Wohlstand ganz zentral. Das ist für den Bankensektor nicht anders als für die anderen Sektoren der Wirtschaft.

Liebe Politiker und Politikerinnen guten Willens: Überlasst das Feld nicht denjenigen, die alle Brücken zur EU abbrechen wollen! Das Volk hat am 9. Februar 2014 kein solches Votum abgegeben. Wer sich für den Wohlstand der Schweiz einsetzt und für den Volkswillen, setzt sich für eine Lösung ein, welche unseren Zugang zum europäischen Markt sichert – zum Wohl der Real- und der Finanzwirtschaft. Dazu muss man unideologisch und praktisch ans Werk gehen – sowohl auf Schweizer- als auch auf EU-Seite.

Bahn frei statt zusätzlich Hindernisse

Dies sind nur zwei Beispiele, wo die Politik einen möglichst guten Rahmen schaffen muss, damit Banker und Bankerinnen zum Wohle uns aller zeigen können, was sie drauf haben.

Es gibt noch eine Reihe anderer Angelegenheiten, wo die Politik die notwendigen Bedingungen schaffen muss, damit die Banken im neuen Umfeld erfolgreich sein können. Man findet diese Themen hier.

 

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NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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