Christian Koch: «Einige Analysten haben manche Small & Mid Caps stark gehypt»

Der Biotechnologie-Sektor stand im dritten Quartal 2015 massiv unter Druck. Dadurch erlitt BB Biotech einen hohen Verlust. Wie geht es weiter? Antworten liefert Christian Koch, Portfolio-Manager bei der Firma.


Herr Koch, der Biotechnologie-Sektor hat im dritten Quartal 2015 zum Teil massive Einbrüche verzeichnen müssen. Was waren die Hauptgründe dafür?

Die Biotech-Märkte überstanden die Turbulenzen an den Finanzmärkten im dritten Quartal zunächst sehr gut dank der anhaltend starken Geschäftsentwicklung, der M&A-Aktivitäten und einem positiven Sentiment für wachstumsorientierte Aktien. Aus fundamentaler Sicht gab es wenig bis nichts zu bemängeln.

Mitte September kam in den USA aber im Rahmen des Vorwahlkampfs um die US-Präsidentschaft eine erneute Debatte um die Regulierung der Arzneimittelpreise auf. In der Folge sahen wir eine heftige Korrektur von 20 Prozent.

Dies wirkte sich auch auf die Beteiligungsgesellschaft BB Biotech aus, die per Ende September 2015 einen deutlichen Verlust von 575 Millionen Franken hinnehmen musste. Ist das ein Grund zur Besorgnis?

Der Biotech-Sektor hat nach einigen sehr starken Jahren nun unter den Marktturbulenzen im dritten Quartal gelitten, und auch BB Biotech musste einen Teil des Gewinns des laufenden Jahres wieder abgeben. Über die ersten neun Monate gesehen, weisen wir aber noch immer einen Gewinn von 141 Millionen Franken aus.

«Dies führte zu punktuellen Übertreibungen»

Über diesen Zeitraum konnten wir auch einen Mehrwehrt für unsere Aktionäre erzielen: Während die Performance des Referenzindex Nasdaq Biotech Index praktisch bei Null liegt, beläuft sich unsere Aktienrendite auf 16 Prozent in Dollar.

Im Sog erfolgreicher Large Caps haben einige Analysten manche Small & Mid Caps stark «gehypt». Dies führte zu punktuellen Übertreibungen. Dass nun alle Firmen in dieser Abwärtsbewegung über einen Kamm geschert wurden, erachten wir als ungerechtfertigt. Natürlich werden wir die Entwicklung genau verfolgen.

Sie haben im dritten Quartal 2015 ihre gesamten Cash-Positionen sowie zusätzliches Fremdkapital in ausgewählte Titel investiert. Gehen Sie, anders gefragt, von einem neuerlichen Anstieg der Kurse im Biotechnologie-Sektor aus?

Wir halten das Ausmass der Korrektur für übertrieben. Die Zahlen der Unternehmen belegen dies durch die guten Geschäftsergebnisse für das erste Halbjahr 2015. Die meisten Zweit-Quartalszahlen grosskapitalisierter Biotech-Unternehmen unterstrichen die fundamentale Stärke des Sektors.

«Eine Neuorientierung der Investoren ist gesund»

Gilead, Celgene und Amgen legten für die ersten sechs Monate 2015 ein solides Zahlenset vor und bestätigten ihre Umsatz- und Gewinnprognosen für das laufende Jahr oder hoben sie sogar an.

Wir denken, dass eine Neuorientierung der Investoren zu den nach wie vor starken Fundamentaltreibern des Sektors durchaus gesund ist. Die meisten Firmen haben zudem in weiser Voraussicht die gute Performance für Finanzierungsrunden benutzt und sind nun ausreichend kapitalisiert, um ihre Produktkandidaten unabhängig von den Finanzmärkten voranzutreiben.

Allerdings sind viele Biotech-Unternehmen derzeit von einem Mittelabfluss aus dem Sektor und zunehmenden Leerverkäufen betroffen. Mit anderen Worten, viele Investoren spekulieren auf weiter sinkende Kurse. Sie nicht?

Wir sehen keine fundamentalen Gründe, die dies rechtfertigen würden. Zudem sind wir Investoren, die einen langfristigen Anlagehorizont verfolgen. Korrekturen an den Märkten sind Teil des Geschäfts. Wir haben die jüngste Korrektur beispielsweise genutzt, um gezielte Zukäufe im Wert von 290 Millionen Franken zu tätigen.

Sie haben zwischen Juli und Ende September auch einige Beteiligungen verkauft. Was sind jeweils Ihre Kriterien, um sich von einem Titel gänzlich zu trennen?

Zum einen verkaufen wir die Positionen im Rahmen von Akquisitionen wie dies letzthin bei Receptos der Fall war.

«Wir wollen den Anteil an Mid Caps in unserem Portfolio ausbauen»

Zum anderen trennen wir uns von einer Position, wenn sich unsere Investmenterwartungen nicht erfüllen, sei es auf der klinischen Seite durch fehlgelaufene Studien oder Zulassungsanträge respektive auf der kommerziellen Seite durch den Eintritt von überlegenen Therapien in den Wettbewerb.

Parallel zu ihren Devestitionen haben Sie in zwei neue Firmen investiert. Was war der Auslöser dafür?

Ja, wir haben zwei neue Beteiligungen aufgebaut, die sich gut in unsere Strategie einfügen, da wir den Anteil an Mid Caps in unserem Portfolio ausbauen wollen.

Esperion entwickelt einen Wirkstoff für die Reduktion von LDL-Cholesterol bei Patienten, die mit Statinen keinen genügenden Therapieeffekt haben, oder die Statine gar nicht vertragen. Als das Unternehmen zudem bekanntgab, dass sie eventuell eine kardiovaskuläre Langzeitstudie vor der Zulassung abschliessen müsse, gab es Druck auf den Kurs. Wir haben die Position bei Schwächephasen ausgebaut und sind vom Langzeit-Potenzial der Firma nach wie vor überzeugt.

«Im Dezember erhalten wir weitere Updates»

Ausserdem haben wir Titel der Firma Prothena gekauft, die einen Antikörper für die Behandlung von AL-Amyloidose entwickelt. Die Erkrankung ist geprägt von toxischen Proteinablagerungen in verschiedenen Organen und die Lebenserwartung nach Diagnose ist je nach betroffenen Organen zwischen 1 und 3 Jahren. Der Antikörper soll diese Proteinablagerungen abbauen.

Erste Biomarker-Daten waren vielversprechend, und das Produkt befindet sich zurzeit in einer Phase-III-Studie, welche noch einige Zeit dauern wird. Im Dezember werden wir weitere Updates erhalten.

Welche Firmenaktivitäten werden bis Ende Jahr die weitere Entwicklung prägen und für BB Biotech von zentraler Bedeutung sein?

Wir erwarten zahlreiche klinische Versuchsergebnisse und interessante Neuigkeiten von wichtigen medizinischen Kongressen. In diesem Jahr dürften noch einige Medikamente eine Marktzulassung erhalten, so zum Beispiel Uptravi von Actelion, Kanuma und Strensiq von Alexion sowie TAF, ein Wirkstoff der nächsten Generation von Gilead zur HIV-Behandlung.

In den vergangenen Jahren existierte eine Bewertungslücke zwischen grosskapitalisierten Biotech-Firmen und dem S&P 500. Diese hat sich nun geschlossen. Was bedeutet das für Sie?

Wir haben diese Phase genutzt, um Zukäufe zu tätigen und sind nun zuversichtlich, dass die Bewertungen über den Zeitverlauf nicht nur die starken Fundamentaldaten des Sektors, sondern vor allem diejenigen unserer Portfoliounternehmen angemessen widerspiegeln werden.

«Produkte mit einem beachtlichen Wirkungsprofil werden auch in Zukunft gefragt sein»

Im Kontext der momentan ähnlichen Bewertung zum S&P 500, sollte man jedoch beachten, dass ein recht grosser Unterschied zwischen den zweistelligen Wachstumsprognosen der grosskapitalisierten Biotech-Firmen und dem niedrigeren Wachstumsprofil anderer Industriezweige besteht.

Was sind Ihre nächsten Schritte bis Ende 2015?

Wir werden unsere Anlagestrategie weiter umsetzen. Sie zielt erstens darauf ab, Bereiche mit einem hohen ungedeckten medizinischen Bedarf zu erkennen und zweitens, gut geführte Unternehmen zu identifizieren, die attraktive Renditen abwerfen. Besagte Produkte werden wegen ihres beachtlichen Wirkungs- und Sicherheitsprofils auch in Zukunft gefragt sein.


Christian Koch arbeitet seit 2014 als Analyst und Portfolio-Manager bei BB Biotech. Davor war er als Aktienanalyst im Bereich Pharma & Biotech bei der Bank am Bellevue auf der Sell-Side tätig. Er studierte Bioinformatik an der Goethe-Universität Frankfurt und der ULP Strasbourg und doktorierte am Pharmazeutischen Institut der ETH Zürich.

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Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

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Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

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Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

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