Stephanie Flanders: «Wir sollten von allem etwas weniger erwarten»

An den Finanzmärkten finde ein Paradigmenwechsel statt, sagt Stephanie Flanders, Star-Strategin von J.P. Morgan Asset Management. Vieles, was bislang richtig war, verliere nun seine Gültigkeit.

Es waren unmissverständliche und gleichsam mahnende Worte, die Stephanie Flanders (Bild) vergangene Woche an der Investorenkonferenz von J.P. Morgan Asset Management in London den Zuhörern mit auf den Weg gab.

«Erwarten Sie künftig von allem etwas weniger, ausser von der Volatilität», sagte die renommierte britische Ökonomin, die lange als Journalistin («BBC», «New York Times», «Financial Times») wie auch als Redenschreiberin für die amerikanischen Finanzminister Robert Rubin und Lawrence Summers arbeitete. Seit November 2013 steht sie im Sold der US-Grossbank.

Eingetrübte Aussichten

Für Flanders hat in diesem Spätsommer ein Paradigmenwechsel an den Finanzmärkten stattgefunden, als die chinesischen Börsen einbrachen. Dieser Crash sei indessen nur das auffälligste Signal eines Umschwungs, der den Anlegern künftig durchs Band weniger Rendite bescheren werde.

Denn angesichts der nunmehr eingetrübten Wirtschaftsaussichten in verschiedenen Regionen der Welt, namentlich in den einstmals boomenden Schwellenländern, werde man sich generell auf ein deutlich geringeres Wachstum einstellen müssen, so Flanders weiter.

Konfuse Geldpolitik

«Damit nimmt auch die Produktivität ab», sagte die Expertin, und stellte diese Erkenntnis in Zusammenhang mit dem Thema Demographie, wonach in den westlichen Industrienationen immer mehr ältere Menschen von immer weniger jüngeren Menschen «finanziert» werden müssten. «Diese Rechnung kann nicht aufgehen», sagte Flanders, ausser – eben –, man gebe sich als Investor wie auch als Bezüger von Vorsorgeleistungen mit weniger Ertrag zufrieden.

Vor dem Hintergrund des schwächeren Wirtschaftswachstums rechnet Flanders auch mit einem anhaltenden Tiefzins-Umfeld, was sich unter anderem in der «konfusen» Geldpolitik der amerikanischen Notenbank manifestiere. Der schon lange in Aussicht gestellte Zinsschritt wird laufend vertagt.

In den vergangenen Jahren sei es, so Flanders, noch keiner Zentralbank auf der Welt gelungen, die Zinsen nachhaltig zu erhöhen. Und daran werde sich bis auf weiteres nichts ändern, ergo bleibe die Inflation sehr tief, sagt die Expertin.

Sechs sind die neuen acht Prozent

Stephanie Flanders 505

Bloss die seit dem Sommer wieder deutlich spürbare Volatilität an den Märkten werde weiter ansteigen, sagte Flanders. Denn für die Anleger werde es immer schwieriger, gute Renditen zu erzielen. Das führe zu Nervosität und Bewegung an der Börse. Galt früher die Faustregel, dass man mit Aktien langfristig eine durchschnittliche Jahresrendite von 8 Prozent erzielt, so werden es künftig, so Flanders, bestenfalls noch sechs sein. «Sechs (Prozent) sind die neuen acht Prozent», brachte es die Strategin von J.P. Morgan Asset Management prägnant auf den Punkt.

Dadurch erhalte die Vermögensverwaltung – das Asset Management – eine grundlegend neue Bedeutung. Anstelle von «Produkteverkäufern» seien nun vermehrt Anbieter gefragt, die Lösungen mit verschiedenen Anlageklassen offerieren würden. «Die Asset Allocation wird wichtiger, weil man in vielen Anlagekategorien schon jetzt nur noch wenig bis gar nichts mehr verdient», sagte Flanders. Benchmarks, also Referenzmassstäbe für einzelne Anlagen, rückten so in den Hintergrund. Was am Ende des Tages zunehmend zähle, sei eine, wenn auch geringe, aber absolute Rendite, so Flanders.

Versöhnliche Botschaft zum Schluss

In dem doch etwas bekümmernden Szenario hatte die Expertin zuletzt dann doch noch eine positive Botschaft auf Lager: Vorläufig deute nichts auf einen strukturellen Bärenmarkt an den Börsen hin. Es gebe, so die Strategin, vorläufig keine Anzeichen einer flächendeckenden Rezession in der Welt oder einer aggressiven Geldpolitik der Notenbanken, und die Bewertungen an der Börse seien nach wie vor im Grossen und Ganzen angemessen.

Von einer drohenden Krise könne also nicht die Rede sein, erklärte Flanders, dafür aber von geringeren Erwartungen und einer grösseren Bescheidenheit.

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