Comical Ali und die Asset-Management-Initiative

Schweiz Asset Management Initiative

Bild: Shutterstock

Die Vertreter der Schweizer Asset-Management-Initiative erinnern an den früheren irakischen Propaganda-Chef Muhammad as-Sahhaf, besser bekannt unter dem Spitznamen «Comical Ali».

Er war es, der 2003 vor laufenden Fernsehkameras den Endsieg seiner Truppen proklamierte, während im Hintergrund Gefechtslärm zu hören war und die Panzer der amerikanischen Armee bereits die Aussenbezirke Bagdads erreicht hatten.

Ähnlich verhält es sich mit der Ende 2012 von der Schweizerischen Bankiervereinigung (SBVg) und der Swiss Funds & Asset Management Association (SFAMA) lancierten Asset-Management-Initiative. Mit diesem Projekt möchte man den hiesigen Finanzplatz zu einem internationalen Zentrum für Asset Management positionieren, also zu einem Standort, wo Anlage-Know-how und Ressourcen für grosse, sprich institutionelle Investoren zusammenkommen.

Mit grossem Tamtam

Dabei versichern die Initianten der Öffentlichkeit seit langem, dass in dieser Angelegenheit Grosses im Tun sei und der Durchbruch unmittelbar bevorstehe. In Tat und Wahrheit ist das Gegenteil der Fall – und im Prinzip ist das auch bekannt in der Branche. Bis heute hat das mit grossem Tamtam angekündigte Vorhaben wenig bis gar nichts bewegt, selbst wenn dies die Schweizerische Bankiervereinigung gegenüber finews.ch vehement in Abrede stellt.

Doch die Probleme sind bekannt und mannigfaltig: Ziellosigkeit, unklare Prioritätensetzung, mangelnde Weitsicht, offene Finanzierungsfragen sowie die Angst vor möglichen Fehlern oder Begünstigungen sind die Ingredienzen dafür, dass dieses an sich löbliche Vorhaben nicht vom Fleck kommt.

Sehr isoliert

Klartext reden wollen zwar nur die wenigsten, doch hinter vorgehaltener Hand ist umso mehr zu hören. Beispielsweise, dass die SFAMA gerne die Federführung in dieser Initiative übernehmen möchte, zumal sie auch die Thematik seinerzeit lanciert hat. Doch die SBVg sperrt sich offenbar dagegen, da sie in diesem Vorhaben eine Profilierungsmöglichkeit sieht, die sie sich auf keinen Fall entgehen lassen möchte. Allerdings, so heisst es in SFAMA-Kreisen wiederum, sei das Thema bei der SBVg viel zu tief angesiedelt, und der dafür zuständige Manager, Peter Grünblatt, sei allzu sehr isoliert, um etwas bewegen zu können.

Auch das stellt die SBVg in Abrede und erklärt: «Das Thema Asset Management hat innerhalb unserer Organisation eine ungebrochene Priorität.» Immerhin räumt der Dachverband der Schweizer Banken ein, dass es «logischerweise Diskussionen zum zeitlichen Ablauf» gebe, primär auf Grund der offenen Fragen bezüglich Exportfähigkeit und Import von Talenten/Ansiedlung (Stichwort Masseneinwanderungs-Initiative). Und daraus folgert die SBVg: «Unklar sind somit nicht die einzelnen Massnahmen, sondern die Prioritäten der einzelnen Massnahmen auf der Zeitachse.»

Grosse Mängel

Die beiden grössten Mängel an der Initiative sind vermutlich, dass man ein solches Ansinnen nicht einfach per Dekret verordnen kann, und dass die beiden Schweizer Grossbanken in diesem Vorhaben nicht wirklich federführend sind, selbst wenn sie offiziell mit von der Partie sind. Hinzu kommt, dass mit dem im vergangenen Sommer angekündigten Abgang von Andreas Schlatter als Distributionschef im UBS Asset Management ein wichtiger Mann abhanden kam, der zuvor sehr gute Ideen eingebracht hatte, wie es in der Branche heisst. Und bei der CS hat man derzeit ohnehin andere Prioritäten, als sich um eine Asset-Management-Initiative zu kümmern.

Eine Person aus der Schweizer Asset-Management-Branche, die nicht namentlich erwähnt sein möchte, sagt: «Das Problem ist das Geld. Niemand will ein Budget sprechen. Zum Beispiel für einen Asset-Management-Park. Die Finanzierung würde einige Millionen Franken kosten. Es sieht nicht danach aus, als ob das Geld in den nächsten Jahren fliessen würde. Es braucht die Unterstützung der Grossbanken, und die ist nicht da, was das Geld angeht.»

Keine Wertschöpfung

Viele Schweizer Banken oder Asset Manager agieren in der Sache auch deswegen zurückhaltend, da sie nicht unbedingt den vielen ausländischen Asset-Management-Gesellschaften den Weg ebnen wollen, die in die Schweiz expandieren. Diese Firmen nutzen den Schweizer Finanzplatz in erster Linie auch als Vertriebsstandort (dank der vielen Privatbanken und Vorsorge-Insititutionen) und nicht als Kompetenzzentrum, wo sie eine Wertschöpfung leisten.

Tatschlich hat es den in den vergangenen Jahren kaum viele neue Asset-Management-Boutiquen in der Schweiz gegeben. «Meiner Meinung nach ist diese Initiative zum Scheitern verurteilt», sagte kürzlich auch Axel Schwarzer gegenüber finews.ch. Man könne nicht, so der Chef von Vontobel Asset Management, über eine Initiative eine Asset-Management-Kultur schaffen.»

Umdenken gefragt

Vielleicht ist der Anspruch auch historisch gesehen viel zu hoch gegriffen. Denn Asset Management hat im Windschatten der Vermögensverwaltung für Privatpersonen stets eine untergeordnete Rolle hierzulande gespielt. Zu sehr haben sich die Geldhäuser in der Vergangenheit auf das Bankgeheimnis respektive auf das Private Banking kapriziert. Nun, da so vieles, was das Swiss Banking früher auszeichnete, weggefallen ist, scheint es umso schwieriger, neue Alleinstellungsmerkmale zu definieren.

Sich dabei bloss auf neue Gesetzesvorhaben wie Fidleg oder Finig zu konzentrieren, könne nicht der zentrale Inhalt einer Asset-Management-Initiative sein, betonte unlängst auch Werner E. Rutsch, Mitglied der Geschäftsleitung von Axa Investment Managers. Gefragt wäre vielmehr ein Umdenken in Richtung Innovationen und Performance-Kultur – Dinge, die in der Vergangenheit kaum gefragt waren, solange das klassische Private-Banking-Geschäft ein Selbstläufer war. Doch diese Zeiten sind vorbei.

Keine besonders grosse Dringlichkeit

Scheinbar erkennen die Asset-Management-Initianten auf dem Schweizer Finanzplatz auch nicht, dass es sich lohnen könnte, aufstrebende Geschäftsfelder zu forcieren. Gemeint ist in diesem Fall nicht Fintech, ein Thema, um das mittlerweile eine fast schon übertriebene Euphorie herrscht, sondern Disziplinen wie Sustainable Finance, Impact Investing, Mikrokredite, Rückversicherungen, Insurance-Linked-Securities. In all diesen Sparten hätte die Schweiz beste Voraussetzungen, um weltweit einen Führungsanspruch zu erheben. Doch diese Themen scheinen, im Gegensatz zu Fintech, weder bei der SBVg noch bei der SFAMA eine besonders grosse Dringlichkeit zu haben.

Die Konsequenzen dieser Lethargie sind denn auch schon gut sichtbar: Immer mehr Schweizer Finanzhäuser, namentlich Asset Manager, verlagern ihre Kapazitäten nach London, wo dieses «Cluster» an Ressourcen und Kompetenzen existiert und weiter wächst, während margenschwächere Aktivitäten wie Fondsleitung und -administration in Richtung Schottland, Luxemburg und Irland abgewandert sind.

Sehr bedauerlich

Beispiele dafür gibt es genug: Der Asset-Management-Arm der Genfer Privatbank Lombard Odier unterhält bereits grosse Personalkapazitäten in London und in Luxemburg; aber beispielsweise auch Pictet Asset Management, Bellevue Asset Management, Twelve Capital oder Reyl, sind daran, sich an der Themse auszubreiten. Die Bank Syz wiederum hat sich ausser in London nun vor allem in Edinburgh etabliert. Dieser Trend wird sich noch Fortsetzen, selbst wenn der Genfer Privatbankier Yves Mirabaud unlängst gegenüber finews.ch zu Protokoll gab: «Es ist sehr bedauerlich, dass wir Arbeitsplätze ausserhalb der Schweiz schaffen müssen.»

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