Swiss Banking schon bald im Land der Mullahs?

Bild Shutterstock: Iranisches Geld

Bild Shutterstock: Ölpumpe und iranische Landesfahne

Für Schweizer Banken ist der Iran eine absolute No-Go-Zone. Doch mit dem Nuklearabkommen könnte sich das in wenigen Monaten ändern, wie Recherchen von finews.ch zeigen. Ein Zürcher Top-Banker reiste bereits nach Teheran.

«Es reicht, Miranda zu heissen, um im Banking in Schwierigkeiten zu geraten.» So scherzte ein Nahost-Experte jüngst an einer Veranstaltung in der Zürcher City. Die Pointe: Die Compliance-Systeme schlagen sofort Alarm, weil der Name das Wort «Iran» enthält.

Der ganze Saal, gut gefüllt mit Anwälten, Risiko-Managern und Bankern, lachte herzhaft.

Als Financier des Terrors gebrandmarkt

Dabei ist das Thema Iran für die Finanzbranche nicht zum Lachen. Die französische Bank BNP Paribas zahlte wegen des Bruchs von US-Sanktionen gegen den Gottesstaat eine Rekordstrafe von 9 Milliarden Dollar. Die Schweizer Grossbank Credit Suisse (CS) wurde in den USA als Financier des Terrors dargestellt und auf Grund ihrer mutmasslichen Iran-Geschäfte mit 536 Millionen Dollar gebüsst.

Der Iran, müsste man meinen, sei daher auch für das Swiss Banking eine absolute No-Go-Zone.

Oder etwa doch nicht? Am Anlass in Zürich stand überraschend eine Frage im Zentrum: Wie es Schweizer Anbietern gelingen könnte, das Finanz-Niemandsland Iran zu erschliessen. Dass die Fragestellung unter den Nägeln brennt, zeigt auch die Analyse eines Zürcher Top-Finanzexperten, der kürzlich höchstpersönlich nach Teheran reiste, um sich ein Bild von den Chancen zu machen.

Wittmann in Teheran

Beat Wittmann 503

Dabei handelt es sich um niemand anderen als Beat Wittmann (Bild oben), der bei der UBS, CS und der Privatbank Julius Bär Karriere machte, als CEO die Finanzboutique TCMG Asset Management im Raffeisen-Verbund führte und nun mit seiner eigenen Beratungsfirma Porta Advisors unterwegs ist.

«Der Iran – aus der Kälte zurück», titelt Wittmann in seinem Reisebericht, der finews.ch vorliegt. Er habe in Teheran eine ausgewählte Gruppe an Technokraten und Wirtschaftsvertretern getroffen, berichtet Wittmann. Und schliesst aus seinen Erfahrungen, dass die Trends und Chancen im 78-Millionen-Einwohner-Staat «einzigartig» seien und über Jahre hinweg Bestand haben könnten.

Pulverfass mit Anziehungskraft

Noch mehr: Der Iran sei die grösste und attraktivste Investitions-Gelegenheit im gesamten Schwellenland-Universum.

Der Iran, von der Top-Platzierung auf der US-Liste der Schurkenstaaten zum «next big thing» in Sachen Schwellenland-Chancen? Da reibt sich einer die Augen. Insbesondere, seit sich die ganze Nahost-Region angesichts der Lage in Syrien mehr und mehr in ein Pulverfass verwandelt hat.

Das plötzliche Interesse der hiesigen Fianzbranche am Gottesstaat kommt indes nicht von ungefähr. Denn zwischen diesem und dem Westen, der den Iran in den vergangenen Jahren vielfach mit Sanktionen belegt hatte, bahnt sich ein Tauwetter an.

Tauwetter im Jahr 2016

Grund dafür ist das im letzten Juli in Gang gesetzte Nuklearabkommen «Joint Comprehensive Plan of Action» (JCPOA) zwischen dem Iran einerseits und den USA, der EU, Russland und China auf der anderen Seite. Demnach unterzieht Teheran sein Atomprogramm einer Kontrolle für die nächsten zehn Jahre. Sobald die Internationale Atomenergie-Organisation (IAEO) überprüft hat, dass die Regierung in Teheran sich auch an die Vorgaben hält, könnten erste Auslandssanktionen gelüftet werden.

Die meisten Beobachter erwarten, dass dies bereits Mitte 2016 der Fall sein könnte. Von da an, so die Hoffnung, könnte sich die No-Go-Zone zum wirtschaftlichen Sesam-öffne-dich verwandeln.

Über 5 Prozent Wachstum

Im Iran liegen 4 Prozent der weltweiten Mineral-Ressourcen, die zweitgrössten Gas- und die viertgrössten Ölreserven der Welt. Nächstes Jahr werden bis zu 5,5 Prozent Wirtschaftswachstum für das Land erwartet. Und aus Sicht der Schweizer Banken wichtig: Es gibt Reichtum im Land, auch wenn dieser mit Problemen behaftet ist.

Einer, der die hiesigen Banken dennoch dringlich zur Zurückhaltung mahnt, ist Jonathan Friedman (Bild unten). Er ist Iran-Experte bei der amerikanischen Ermittlungs- und Forensik-Spezialistin Stroz Friedberg, die auch in Zürich ein Büro unterhält.

«Selbst nach einer Umsetzung des JCPOA-Abkommens bleiben diverse iranische Organisationen von Wirtschaftssanktionen betroffen», so Friedman gegenüber finews.ch.

Jonathan Friedman 501

Furcht vor den Republikanischen Garden

Dazu gehören laut dem Experten insbesondere die Republikanischen Garden, eine paramilitärische Organisation, die bis zu einem Viertel der iranischen Volkswirtschaft kontrolliert. «Schweizer Banken müssten sehr umfangreiche Due-Diligence-Prüfungen durchführen, um einen Kontakt mit sanktionierten Parteien auszuschliessen», sagt der Ermittlungs-Experte. Das würde wiederum die operativen Kosten nach oben treiben.

Laut Friedman ist die Problematik der Sanktionen dabei «nur die Spitze des Eisbergs.» Der Bankensektor im Land der Mullahs ist staatlich dominiert, wenig transparent und hinkt internationalen Finanzstandards weit hinterher, so sein Befund. Als Korrespondenz-Partner dürften iranische Banken Schweizer Institute damit vor einige Herausforderungen stellen. Asset Manager hingen werden im Iran nur einen spärlich gedeckten Tisch vorfinden: Die iranische Regierung sieht jeglichen Kapitalabfluss ungern.

Amerikanische Argusaugen

Ebenso werden die Reputationsrisiken hoch bleiben, ist Friedman überzeugt. Insbesondere amerikanische Interessensvertreter beobachten das Vorgehen europäischer Firmen im Iran äusserst argwöhnisch.

Friedman weiss, wovon er spricht. Die Firma Stroz Friedberg haben Ex-FBI-Agenten gegründet, und diese Leute unterhalten beste Kontakte zur US-Politik. Friedman sieht dort keinen echten Willen, das Nuklearabkommen zur Normalisierung der Beziehungen zum Iran zu nutzen.

Mit Folgen für am Iran-Geschäft interessierte Banken. «Die Sanktionen der USA gegenüber dem Iran werden bis auf Weiteres bestehen bleiben», so Friedman. Das bedeutet, dass Schweizer Finanzdienstleister auch ihre Tochterfirmen, Geschäftspartner und Angestellten in den USA komplett von eventuellen Geschäften mit dem Iran abschirmen müssten.

Vom Dollar-Raum abschirmen

Zudem müssen die Geschäfte unabhängig vom US-Finanzsystem abgewickelt werden, so Friedberg. «Das ist angesichts der Verbreitung der Weltwährung Dollar kein einfaches Unterfangen», folgert er.

Auch Top-Banker Wittmann gibt zu, dass die politische Lage das grösste Risiko bei allfälligen Iran-Investitionen sei. Seine Erlebnisse in Teheran stimmen ihn trotzdem hoffnungsvoll. «Als Privatperson muss man überall bar bezahlen. Und Firmen haben umittelbare und strategische Fianzierungsbedürfnisse, was auf einen Bedarf an Investmentbanking und Asset-Management-Diensten schliessen lässt.»

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NEWS GANZ KURZ

Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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