Die dümmsten Prognosen in der Wirtschaft

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Jeder CEO und Wirtschaftslenker müsste es eigentlich besser wissen: Prognosen sind ein heikles Geschäft. Es besteht das Risiko einer grandiosen Fehleinschätzung.

Diese Fehleinschätzungen oder die dümmsten Prognosen in der Geschichte des Kapitalismus hat die US-Anlegerseite «The Street» zusammengestellt. Ein Anspruch auf Vollständigkeit wird nicht erhoben.


1. Dummer Firmengründer

«Es gibt keinen Grund, aus dem irgendjemand einen Computer zu Hause haben wollen sollte.»

Ken Olsen, Gründer der früheren US-Computerfirma DEC, als 1977 die PC-Industrie aufkeimte

Eine der grössten Fehleinschätzungen aus der Sparte IT und Computer: Als Olsen diese Feststellung traf, steckten Unternehmen wie Microsoft oder Apple noch im Garagen-Alter. Beide wurden wahre Riesen: Durch den Verkauf von Software und den Verkauf von Computern – auch an Privatleute. DEC wurde von Compaq gekauft, Compaq dann von Hewlett & Packard.

2. Dummer Musikmanager

«Um es deutlich zu sagen, Mr. Epstein, wir mögen den Sound Ihrer Jungs nicht. Gruppen sind out; insbesondere Bands mit vier Leuten und Gitarren haben es hinter sich.»

Dick Rowe, oberster Talentsucher der Plattenfirma Decca Records in London, 1962
Beatles

Diese Jungs waren die Beatles – eine Band mit vier Mitgliedern und Gitarren. Ihr Manager war der legendäre Brian Epstein, an den sich diese Worte richteten. 1963, ein Jahr nachdem Dick Rowe diesen Satz gesagt hatte, gelang den Beatles mit der Single «I Want to Hold Your Hand« der Durchbruch.

3. Dummer Notenbank-Chef

«Die Drei- und Fünf-Jahres-Gewinnprognosen von mehr als 1'000 Analysten sind zuletzt zwar etwas abgeflacht, waren aber in den vergangenen Monaten grundsätzlich beständig. Sollten sich die Erwartungen erfüllen, sieht es gut aus für eine weitere Verbesserung der Kapitalausstattung und dauerhaftes Wachstum.»
Alan Greenspan, Chef der US-Notenbank Fed, im Dezember 2000
Alan Greenspan
Lange hatte er als «unfehlbar» gegolten. Inzwischen hat auch Alan Greenspan eingesehen, dass er womöglich weit öfter falsch lag, als bei seiner Fehleinschätzung der Marktlage kurz vor dem Crash von 2001.

4. Dummer Marktanalyst

«Manch einer befürchtet das Platzen einer Internet-Blase. Aber unsere Analysen zeigen, dass Internet-Firmen lediglich 7 Prozent der gesamten Nasdaq-Marktkapitalisierung ausmachen, zugleich jedoch langfristige Wachstumsraten versprechen, die doppelt so hoch sind, wie bei anderen Tech-Unternehmen.»

Joseph Battipaglia, Marktanalyst, Dezember 1999

Es gab auch andere sogenannte Experten, welche mit ihrer Einschätzung zur «New Economy» grundlegende ökonomische Regeln vergessen hatten. Battipaglias favorisierte Unternehmen waren an der Börse bereits astronomisch hoch bewertet und verbrannten jede Menge Geld.
Etwa drei Monate nach Battipaglias Prognose platzte die Dot-Com-Blase – völlig überraschend.

5. Dummer US-Behördenleiter

«Es gibt praktisch keine Aussicht darauf, dass Kommunikations-Satelliten genutzt werden könnten, um bessere Telefon-, Telegrafen-, Fernseh- oder Radio-Verbindungen innerhalb der USA zu ermöglichen.»
T. A. M. Craven, Chef der US-Zulassungsbehörde für Kommunikationsgeräte FCC, 1961
Satellit
Vor seiner Zeit an der Spitze der Zulassungsbehörde war Craven bei der US-Navy für Funk und Kommunikation zuständig. Er verstand also etwas von der Materie. Tatsächlich würde die weltweite Kommunikation ohne Satelliten heute komplett zusammenbrechen.

6. Dummer Filmproduzent

«Fernsehen wird sich nicht durchsetzen, denn die Leute werden irgendwann keine Lust mehr haben, jeden Abend in einen Holzkasten zu starren.»

Darryl Zanuck, Filmproduzent 20th Century Fox, 1946

Nun gut, 20th Century Fox gibt es noch. Aber der Bereich «Home Entertainment» hat den Filmstudios in den letzten Jahrzehnten erheblich zugesetzt. Und im TV-Geschäft werden deutlich mehr Milliarden umgesetzt als in Hollywood. Allerdings werden auch keine Holzkisten mehr verkauft.

7.  Dummer Aktienanalyst

«Nach unserer Meinung sieht alles gut aus für eine verbesserte Gewinntransparenz und Leistungsbeurteilung. Das legt nahe, dass sich das Unternehmen auf einem guten Weg zurück in die Spur befindet.»
Ronald Barone, Analyst bei der UBS, im Oktober 2001 über einen Quartalsbericht des Energieriesen Enron

Kurz darauf platzte der Enron-Skandal und das Unternehmen ging unter. Manager des Energieriesen landeten wegen Bilanzfälschung im Gefängnis. Es war einer der grössten Wirtschaftsskandale der US-Geschichte. Aber das »Unternehmen befand sich auf einem guten Weg», wie der UBS-Analyst zu wissen meinte.

8. Dummer Computer-Spezialist

«500 Dollar für ein Telephon?»

Steve Ballmer, CEO Microsoft, 2007

Den Satz sagte Steve Ballmer, damals CEO des Software-Riesen Microsoft, als er nach den Marktchancen des iPhones von Apple gefragt wurde. Ballmer war klipp und klar: Es gebe keinen Markt für dieses Gerät. Im Nachhinein ist es interessant zu sehen, wie ein ausgewiesener Computer- und IT-Spezialist dermassen falsch liegen konnte. Auch Handy-Hersteller wie Nokia haben den Smartphone-Trend glorios verschlafen. Übrigens: Ballmer kaufte 2013 die Handy-Sparte von Nokia. Es war sein teuerster Fehler, der Microsoft-Aktionäre 10 Milliarden Dollar kostete.

9. Dummer Konzernchef

«Was kann dieses Unternehmen mit einem elektrischen Spielzeug anfangen?»

William Orton, Präsident der Western Union Telegraph Company, 1876

Richtig, Unternehmen sollten für nutzlose Spielereien kein Geld ausgeben. Leider kann es sich bei solchen «Spielereien» um Geräte oder Anwendungen handeln, die einen wahrhaft disruptiven Charakter haben. Wie das Telefon für den Telegrafen.

10. Dumme Management-Legende

«Nach meiner Meinung gibt es einen Weltmarkt für vielleicht fünf Computer.»
Thomas Watson, Chef von IBM, 1943
Tom Watson
Die Aussage ist in zweifacher Hinsicht bemerkenswert. Erstens hatte Watson schon im Jahr 1943 die Vision des Computers. Zweitens hat er das wahre Potenzial des Computers nicht erkannt. Nach Watson ist dennoch der erste kommerziell genutzte Computerprogramm mit künstlicher Intelligenz benannt worden.

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NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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