Drei Wünsche an das Christkind für den Schweizer Bankenplatz

Das Jahr 2015 war für den Bankenplatz ereignisreich. Zahlreiche Fortschritte wurden erzielt. Dennoch: Drei Wünsche hat Jakob Schaad von der Bankiervereinigung an das Christkind.

Jakob Schaad 192Jakob Schaad ist Leiter Finanzmärkte International und stv. Vorsitzender der Geschäftsleitung der Schweizerischen Bankiervereinigung

Wir schauen auch in der Weihnachtszeit 2015 wieder auf ein für den Bankensektor bewegtes Jahr zurück. Wir sind in der Schweiz in der Agenda der Steuertransparenz gut und sicher unterwegs. Aus dem Regulierungssturm, der 2008 ausbrach, ist mit der Botschaft zu Fidleg und Finig ein neues regulatorisches Werk im Parlament angekommen.

Es ist nach aufwändigem aber erfolgreichem Kampf gegen eine Reihe von Übertreibungen alles in allem im Sinne eines modernen Anlegerschutzes akzeptabel. Sogar beim Marktzugang erreichten wir mit einem türeöffnenden Kooperationsabkommen zwischen der Finma und der deutschen BaFin grossen Fortschritt.

Aber die Lage bezüglich Marktzugang in die EU bleibt insgesamt unübersichtlich. Sie hängt bedeutend von der allgemeinen Entwicklung der EU-schweizerischen Beziehungen ab. Nun ist die Weihnachtszeit nicht nur eine Zeit der Rückbesinnung sondern auch eine Gelegenheit für Wünsche.

Dies ist meine verkürzte Liste an das Christkind:

1. Bitte mach, dass Early Adopters auch zu early Implementers werden!

Die OECD-Liste der Länder, die sich zu einer raschen Einführung des automatischen Informationsaustausches verpflichteten, ist lang. In der Schweiz schätzten wir eine so rasche Einführung – nämlich auf Anfang 2016 – als unrealistisch ein und versprachen lediglich 2017 als Anfangsdatum.

Nun stellen wir nur wenige Tage vor dem angeblichen Beginn dieser neuen Ära fest, dass nur in zwei oder drei Ländern die Wegleitung, wie dies erfolgen soll, fertiggestellt ist. Wie sollen also die Banken in diesen Ländern in wenigen Tagen Daten austauschen, wenn die Anweisungen, wie dies erfolgen soll, nicht vorliegen?

Bei uns ist das AIA-Gesetz unter Dach und Fach und die Wegweisung dazu fast fertig. Ein nur punktuell umgesetzter Informationsaustausch ist sinnlos. Deshalb wünsche ich mir im Sinne der Sache, dass die sogenannten Early Adopters auch zu Early Implementers werden – wie wir.

2. Bitte bring uns eine unabhängige Regulierungsprüfstelle!

Obwohl in der Schweiz fast alle hoch und heilig versprechen, dass die übermässige Regulierung zu vermeiden sei, wurde auch bei uns seit Ausbruch der Finanzkrise heftig reguliert. Das war sicherlich zum Teil notwendig. Wir haben aber immer wieder festgestellt, dass die vorschriftsmässige Regulierungsfolgeabschätzung nur sehr rudimentär gemacht wurde und Übertreibungen – wenn überhaupt – nur mit grosser Mühe noch verhindert werden konnten.

Beispiele finden sich in Fidleg (Beweislastumkehr) und in der Umsetzung der Steuerkonformitätsstrategie (der krampfhafte Versuch, den Banken trotz AIA eine Steuerkonformitätsprüfung ihrer Kunden aufzuerlegen). Deshalb wünsche ich mir eine unabhängige Prüfstelle, die ein klares Mandat und auch die Mittel dazu hat zu prüfen, ob eine Regulierung zweckmässig, verhältnismässig, kostengünstig und wirksam konzipiert wurde.

3. Bitte mach, dass wir unsere Kunden auch über die Grenzen bedienen können!

Was bringt es, wenn unsere Kunden steuerkonform sind, wenn wir sie nicht mehr bedienen können? Was so einfach klingt, ist heute schwierig geworden. Nicht erst seit dem 9. Februar 2014 ist die Offenheit der Welt für Bankkunden in Frage gestellt. Wie so oft nach Krisen schlich sich die Idee ein, dass alles Böse von aussen kommt und der arme Konsument/Anleger davor geschützt werden muss.

Wie wir wissen, gänzlich zum Nachteil des Kunden, welcher von einer breiteren Auswahl von Finanzdienstleistern profitiert. Deshalb, bitte, liebes Christkind, öffne das Herz und den Verstand unserer Partner für einen diskriminierungsfreien Zugang der Schweizer Banken zu ihren Kunden im Ausland!

Mir scheint, diese Anliegen sollten nicht im Bereich der «frommen» Wünsche sein. Ein Level-Playing-Field für alle anstatt ein Easy Playing Field nur für die Länder mit Flugzeugträgern sollte kein unrealistischer Wunsch sein.

Ein berechenbarer, institutionell abgesicherter Regulierungsprozess wäre wie auch offene Märkte für alle ein Gewinn, erfordert aber das Ablegen kurzsichtiger Egoismen. Diese Geschenke – liebes Christkind – würde ich gerne unter dem Weihnachtsbaum finden.

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NEWS GANZ KURZ

Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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