Viele Verwaltungsräte sind nicht unabhängig

Gregor Greber, CEO der Zuger Firma zCapital, erklärt, warum er eine gute Corporate Governance schätzt und wie sie besser werden könnte.

Herr Greber, betrachtet man Ihre Rangliste über die Qualität der Corporate Governance (CG) der Small und Mid Caps, so stechen die Banken nicht heraus. Warum stehen die Banken nicht besser da?

Gregor_Greber_qDies liegt zum einen an den hohen Vergütungen zu Gunsten des Verwaltungsrates und der Geschäftsleitung und andererseits an der Kapitalstruktur.

Bei vielen Kantonalbanken ist der Kanton Mehrheitsaktionär, die Rechte der Aktionäre sind entsprechend eingeschränkt und der Verwaltungsrat wird teils von politischen Mandatsträgern besetzt. Dies widerspricht unserer Forderung nach einem mehrheitlich unabhängigen Verwaltungsrat.


«Nur die Hälfte der Verwaltungsräte ist unabhängig
»


Wie bewerten Sie die Fortschritte in der CG der Small/Mid Caps?

Die CG hat sich in den letzten Jahren zwar verbessert, es ist aber weiterhin noch Verbesserungs-Potenzial vorhanden. Beispielsweise hat unsere Untersuchung gezeigt, dass nur knapp die Hälfte der Verwaltungsratsgremien unabhängig ist und dass noch ein Drittel der Unternehmen Stimmrechts- und Eintragungsbeschränkungen kennen.  Dennoch: Heute pflegen viele Unternehmen ein gutes Verhältnis zu den Publikumsaktionären.

Wie entwickelt sich die CG der Small/Mid Caps in Relation zu den Grosskapitalisierten?

Im Durchschnitt haben die SMI-Gesellschaften einen leicht höheres zRating bzw. eine bessere CG. Aufgrund des höheren Finanzierungsbedarfs ist die Finanzierung über den Kapitalmarkt sehr wichtig und eine gute Alternative zur Bankenfinanzierung. Die aktuelle Krise hat dies bewiesen. Ansonsten stellen wir nicht fest, dass die Grösse der Firmen für die Umsetzung der CG und der Wahrung der Aktionärsinteressen entscheidend ist. Vielmehr stehen hinter der CG Personen in den Verwaltungsräten und Geschäftsleitungen.

Wie entwickelt sich die CG als Bewertungs- oder Selektionskriterium?

Die operative Ertragskraft bleibt wichtigstes Kriterium bei einem Anlageentscheid. CG ist für uns ein zusätzliches Beurteilungselement im Anlageentscheid. Das zRating zeigt mögliche Risiken bei der CG auf. Als Investor muss man sich bewusst sein, welchen Stellenwert der Aktionär in einem Unternehmen hat. Ertrags- und bilanzstarke Firmen mit eher mässiger CG werden nicht ausgeschlossen, aber aufgrund der höheren Risiken erhalten sie ein kleineres Gewicht im Portfolio.


«Passives Anlegen schadet der Corporate Governance»


Wie soll die CG mehr Gewicht finden, wo doch die indexorientierte Anlage immer noch mehr Anhänger zu finden scheint?

Gerade der Trend zur Passivierung und zum ETF-Kauf unterstützt die Bemühungen für CG-Verbesserungen nicht. Passives Anlegen wird oft durch Securities Lending subventioniert und die Stimmrechte werden ausgeliehen oder können nicht wahrgenommen genommen. Bei der Entscheidung zu einem passiven Investment stehen zu oft die Kosten im Vordergrund. Die Auswirkungen auf die CG sind kaum ein Thema.

Stellen Sie fest, dass sich Unternehmen um ihre Klassierung scheren?

Die Firmen reagierten meist positiv. Wir durften bei vielen unsere Verbesserungsvorschläge einbringen und etliche wurden auch umgesetzt.

Wo haben die Gesellschaften am meisten Potenzial, ihre CG zu verbessern?

In erster Linie durch die Abschaffung von jeglichen Eintragungs- und Stimmrechtsbeschränkungen, durch das Einführen von fairen, transparenten und langfristig orientierten Vergütungssystemen, durch das Weglassen von Kontrollwechselklauseln sowie durch die Mandatierung von aktiven und unabhängigen Verwaltungsräten als Vertreter der Aktionäre.


«Aktien von Firmen mit guter CG performen besser»


Lohnt sich eine gute CG überhaupt?

Unsere Studie hat empirisch nachgewiesen, dass die Aktien von Firmen mit guter CG über die letzten drei Jahre deutlich besser performt haben, als die Aktien von Firmen mit schlechter CG. Zudem sind wir überzeugt, dass Firmen die ihre Kapitalgeber fair behandeln tiefere Kapitalkosten erzielen können. Langfristig wird der Investor sein Kapital dort investieren, wo er nicht nur in Krisenzeiten begrüsst wird.

Soll man den Markt sprechen lassen oder die CG mit Vorschriften verbessern?

Ich glaube, hier wäre eine Kombination aus strengeren Vorschriften und den Kräften des Marktes wichtig. Gesetzlich sollten die Rechte der Aktionäre gestärkt werden. Beispielsweise wünschen wir uns, dass an der Generalversammlung via Internet teilgenommen werden kann. Die Eintragungsrichtlinien sollten transparent und fairer gestaltet werden. Zudem sollte die mögliche Prämie für Grossaktionäre bei Übernahmen sowie die Kontrollwechselklauseln abgeschafft werden.

Sollte man nicht auch die institutionellen Anleger mit Vorschriften zu höheren oder wenigstens klaren Ansprüchen an die CG zwingen?

Da sprechen Sie mir aus dem Herzen. Gerade die institutionellen Anleger, welche fast zwei Drittel aller Schweizer Aktien halten, scheren sich oft kaum um diese Eigentümerrolle. Aufgrund der geringen Stimmbeteiligung an den Generalversammlungen von durchschnittlich 43% kann ein Investor bereits mit einem Aktienbesitz von knapp über 20% die Kontrolle übernehmen. Damit rechtfertigen viele Firmen ihre Beschränkung der Aktionärsrechte. Die Destinatäre des Kapitals sind sich dessen nicht bewusst. Das Problem muss vermehrt zum Thema gemacht werden und beim Anlageentscheid oder bei der Vergabe von Mandaten berücksichtigt werden.


Was ist das zRating?

zCapital beurteilt die Corporate Governance von Schweizer Unternehmen mit dem zRating. Das von zCapital entwickelte System untersucht die Unternehmen auf 55 festgelegte Corporate Governance-Kriterien und vergibt maximal 100 Punkte. Die Kriterien sind aus den vier Bereichen Aktionärszusammensetzung und Kapitalstruktur, Zusammensetzung des Verwaltungsrates und der Geschäftsleitung, Entschädigungs- und Beteiligungsmodelle der Geschäftsleitung und des Verwaltungsrats sowie Mitwirkungsrechte der Aktionäre. Die einzelnen Corporate Governance-Kriterien werden je nach Priorität bewertet. Die Auswertung gibt Aufschluss über die Qualität der Corporate Governance in einem Unternehmen. Sie zeigt insbesondere den Stellenwert der Aktionäre auf – für zCapital eine wichtige Information beim Beurteilen des potenziellen Investments.


Die zCapital AG mit Sitz in Zug, spezialisiert sich auf die Vermögensverwaltung von Schweizer Aktien mit dem Fokus auf Nebenwerte.

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Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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