Marc Zahn: «Wie privat ist unsere Privatsphäre eigentlich noch?»

Marc Zahn

Marc Zahn


Dieser Beitrag ist Teil der Serie «Eine Zukunftsvision für die Vermögensbetreuung». Der nächste Beitrag erscheint am 5. Februar.


Im Jahr 1948 verabschiedeten die Vereinten Nationen (UNO) die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte und regelten in Artikel 12 den Schutz der Privatsphäre des Einzelnen wie folgt: «Niemand darf willkürlichen Eingriffen in sein Privatleben, seine Familie, seine Wohnung und seinen Schriftverkehr noch Beeinträchtigungen seiner Ehre und seines Rufes ausgesetzt werden. Jeder Mensch hat Anspruch auf rechtlichen Schutz gegen solche Eingriffe oder Beeinträchtigungen.»

Nur ein Jahr nach der Ratifizierung der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte veröffentlichte George Orwell sein bekanntestes Werk 1984. Mit diesem satirischen Roman zeichnete Orwell die düstere Zukunftsvision eines totalitären Überwachungsstaates. Die uns heute umgebene Realität hat sowohl die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte als auch Orwells Beschreibungen längst eingeholt, wenn nicht gar schon überholt.

Ein kostbares menschliches Grundrecht

Tagtäglich wollen uns Staaten und (deren) Institutionen weismachen, dass das öffentliche Interesse höher zu gewichten ist als die Privatsphäre, damit Terrorismus bekämpft oder eine vermeintliche Steuergerechtigkeit erreicht werden könne; und damit das immer stärkere Einfordern von persönlichen Informationen legitimieren.

Dem entgegen schreibt Andreas Lusser in seinem 2014 erschienenen Buch Einspruch: «Die Freiheit zu entscheiden, wer was über mich weiss, gehört zum elementarsten Gut eines jeden Menschen.» Er verweist darauf, dass die Privatsphäre ein kostbares menschliches Grundrecht ist, das lange erkämpft werden musste.

Weltweite Sammelwut

Man kann davon ausgehen, dass ein unbescholtener Bürger wohl kein Problem damit hat, dass in einem kriminellen Verdachtsfall die Privatsphäre aufgeweicht wird. Unverhältnismässig jedoch sind die präventive und oftmals flächendeckende Vorrats-Datensammlung oder der latente Generalverdacht gegenüber Steuerzahlern im Generellen.

«Wer die Freiheit aufgibt, um Sicherheit zu gewinnen, der wird am Ende beides verlieren», soll Benjamin Franklin, einer der Gründerväter der Vereinigten Staaten von Amerika, vor mehr als 200 Jahren gesagt haben. Diese Aussage trifft heute wohl eher den Kern der Wahrheit als die Begründung vieler Staaten, die weltweite Daten- und Informations-Sammelwut diene der Freiheit und Sicherheit des Bürgers.

Mehr oder minder kostenfrei

Nun ist es aber so, dass nicht nur Staaten sich für die Privatsphäre interessieren. Vielmehr wird unser aller Privatsphäre auch über den Einsatz der heutigen technischen Möglichkeiten von vielen Seiten aufgeweicht. Das Internet beispielsweise ermöglicht dem Einzelnen eine fast uneingeschränkte Informationsbeschaffung, welche mehr oder minder kostenfrei ist.

Ob all der Freude darüber soll aber niemand vergessen, dass in Wirklichkeit jeder Nutzer für die scheinbar frei verfügbaren Informationen einen hohen Preis zahlt: konkret den schrittweisen Verlust der eigenen Privatsphäre.

Hart erkämpfte Privatsphäre

Problematisch dabei ist insbesondere, dass der Einzelne keine Kontrolle mehr darüber hat, was mit den im virtuell-öffentlichen Raum verbreiteten Daten geschieht. Es ist ein offenes Geheimnis, dass die Daten eines Online Shopping Verhaltens, die Spur von Cookies und Browserprofilen oder die Ortung von WLAN und IP-Adressen genutzt werden. Alles im Netz – ob surfen, schreiben oder lesen – wird aufgenommen, weitergegeben, ausgewertet und schliesslich verwertet.

Deshalb sollte es zu einem allgemeinen Anliegen werden, die hart erkämpfte Privatsphäre auch weiterhin als kostbares Gut zu achten und zu schützen. Doch meistens belehrt erst der Verlust uns über den Wert der Dinge, um es mit den Worten von Arthur Schopenauer auszudrücken.

Erfinder des Blitzableiters

In der Wealth Preservation wird der Privatsphäre ein zentraler Stellenwert zugesprochen. Denn gerade die Wahrung der Privatsphäre bietet den besten Schutz für Mensch und Vermögen vor allfälligen Übergriffen. Und der bewusste und bedachte Umgang mit persönlichen Daten ist das effektivste Mittel zum Zweck.

Phil Zimmermann, der Erfinder der E-Mail Verschlüsselungssoftware «Pretty Good Privacy», führt aus, dass die Privatsphäre ein Recht wie jedes andere sei und man es in Anspruch nehmen müsse, da man ansonsten riskiere, es zu verlieren. In Anbetracht dessen ist der bereits zitierte Benjamin Franklin nochmals heranzuziehen, da er auch als Erfinder des Blitzableiters galt. Denn mitunter liesse sich ja auch für die Privatsphäre ein ähnlich einfacher aber gut funktionierender Schutzmechanismus, wie der des Blitzableiters, entwickeln.


Marc Zahn ist Direktor und Mitglied der Geschäftsleitung von Industrie- und Finanzkontor Ets. und per 1. Januar 2016 zum Chief Executive Officer ernannt worden.

Der Industrie- und Finanzkontor, gegründet 1948, ist ein unabhängiges, liechtensteinisches Treuhandunternehmen mit internationaler Ausrichtung und beschäftigt rund 50 Mitarbeitende. Das Unternehmen ist spezialisiert auf den langfristigen und generationenübergreifenden Vermögenserhalt (Wealth Preservation), insbesondere von Familien und Unternehmern. Die Wurzeln liegen im Hause Liechtenstein.

 

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NEWS GANZ KURZ

State Street

Der US-Asset-Manager State Street ist in Genf zum offiziellen Research Partner des International Forum of Sovereign Wealth Funds gewählt worden. Eines der ersten Forschungsprojekte sind langfristige Anlagestrategien.

Unicredit

Unicredit steigt in den Schweizer ETF-Markt ein. Die italienische Bank emittiert zwei ETFs an SIX Swiss Exchange und übernimmt für diese auch das Market Making. Damit wächst die Zahl der ETF-Anbieter an SIX Swiss Exchange erstmals auf 22 und die Produktauswahl steigt auf einen neuen Höchststand von 1‘240 Produkten.

Swisscard

Die Kreditkarten-Tochter der Grossbank Credit Suisse emittiert weitere so genannte Asset Backed Securities (ABS) zur eigenen Refinanzierung. Die neue Transaktion im Umfang von 200 Millionen Franken besteht aus drei Tranchen mit einer Laufzeit von drei Jahren, die an der SIX kotiert werden.

Credit Suisse

Die mächtige Rating-Agentur Fitch zieht der Schweizer Grossbank Punkte ab. Das Langzeit-Bonitäts-Rating senkt die Agentur dazu um eine Stufe auf A- von bislang A gesenkt. Der Ausblick wird auf «stabil» von «positiv» revidiert. Die Rating-Abstufungen begründet Fitch mit der Anfälligkeit des Geschäftsmodells der Bank gegenüber den gestiegenen Herausforderungen an den Kapitalmärkten.

Pensionskassen

Gemäss der Pensionskassen-Studie der ZKB-Tochter Swisscanto haben die Schweizer Vorsorge-Werke im Jahr 2015 trotz höherem Risiko weniger verdient. Demnach erzielten die Pensionskassen eine Performance von durchschnittlich 1,13 Prozent (Vorjahr: 7,31 Prozent). Somit verfehlten sie nicht nur die durchschnittlich angestrebte Zielrendite von 3,9 Prozent, sondern auch die Mindestzins-Vorgabe von 1,75 Prozent deutlich. Dies trotz einer Zunahme der risikobehafteten Anlagen.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank lanciert das Login per Fingerabdruck in die GLKB Mobile Banking App. Die Sicherheit mit dem neuen Login-Verfahren bleibt laut Mitteilung unverändert hoch.

Postfinance

Die Postbank beteiligt sich mit 9 Prozent am Aktienkapital der Swiss Bankers Prepaid Services (SBPS). Postfinance arbeitet bereits seit Jahren mit der Dienstleisterin im Bereich Reisezahlungsmittel zusammen. Im Zuge des Engagements wurde Nicole Walker, Leiterin Produktmanagement Zahlungslösungen bei der Post-Tochter, in den Verwaltungsrat der SBPS gewählt.

Swiss Life

Der Schweizer Lebensversicherer weist im BVG-Geschäft eine Auschüttungs-Quote von 92,9 Prozent aus. Die Prämien in der Kollektivversicherung stiegen 2015 im Vergleich zum Vorjahr 6 Prozent auf 8,69 Milliarden Franken. Um die Leistungsversprechen langfristig zu sichern, wurden zusätzliche technische Rückstellungen von 939 Millionen Franken gebildet.

Helvetia

Die Helvetia ist in der Schweiz in der beruflichen Vorsorge 2015 mit den periodischen Prämien gewachsen, hat aber bei den Einmaleinlagen zurückhaltend neues Geschäft gezeichnet. Total ging das Prämienvolumen um 4,1 Prozent auf 2,55 Milliarden Franken zurück.

Axa Winterthur

Die Axa Winterthur hat 2015 in der Beruflichen Vorsorge (BVG) den Gewinn leicht gesteigert. Das Betriebsergebnis aus dem der Mindestquote unterstellten Geschäft nahm um 10 Millionen Franken auf 221 Millionen Franken zu. Dagegen gingen die gesamten Prämieneinnahmen aufgrund weniger Neuabschlüsse in der Vollversicherung zurück.

Luzerner KB

An der Generalversammlung der Luzerner Kantonalbank haben die Aktionäre der beantragten Ausschüttung von 11 Franken via Nennwertrückzahlung zugestimmt. Sie wählten Andreas Emmenegger neu in den Verwaltungsrat. Aufgrund der Amtszeitbeschränkung von 15 Jahren wurde Christoph Lengwiler aus dem Gremium verabschiedet.

Valiant

Die Aktionäre der Valiant Bank haben der Erhöhung der Dividende auf 3,60 Franken zugestimmt und den Zuger Othmar Stöckli in den Verwaltungsrat gewählt. Er ersetzt Franz Zeder, der nach 14 Jahren aus dem Gremium ausgeschieden ist.

Postfinance

Die Post-Tochter hat ihr Online-Trading-Angebot überarbeitet. Via die neue Benutzeroberfläche können Kunden in Echtzeit an den wichtigsten Börsenplätzen der Schweiz, Europas und Nordamerikas selbstständig Aktien, Obligationen, Fonds, ETFs und Derivate handeln, wie es hiess. Entwickelt wurde die neue Plattform von der Postfinance-Partnerin Swissquote.

Zurich

Der Versicherer Zurich Insurance hat eine nachrangige Anleihe in Höhe von 750 Millionen Euro platziert. Die Anleihe hat eine Laufzeit bis Oktober 2046 und ist erstmals im Oktober 2026 kündbar. Die Transaktion richtet sich gemäss der Mitteilung an Investoren in Europa.

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