Offshore oder die zurechtgebogene Geschichte eines Whistleblowers

Sind die Schweizer Banken tatsächlich so uneinsichtig, wie ein neuer Dokumentarfilm uns glauben lassen will, fragt sich Alexandra Arni von der Bankiervereinigung.

Alexandra Arni 200Alexandra Arni, Leiterin Web Services, Schweizerische Bankiervereinigung

Das Schweizer Bankgeheimnis ist noch lange nicht tot – auch in künstlerischer Hinsicht nicht, wie sich unlängst an den Solothurner Filmtagen zeigte. Dort gelangte «Offshore» des Schweizer Regisseurs Werner Schweizer zur Aufführung.

Protagonist im Film ist Rudolf Elmer, bekannt als selbst ernannter Whistleblower und Vorreiter in der Aufdeckung von unversteuertem Geld bei der Bank Julius Bär. Elmers Berufskarriere auf den Cayman Islands endet jäh, als die Tochtergesellschaft der Bank, in der er arbeitet, der Niederlassung in New York unterstellt wird.

Urkunden gefälscht?

Der Manager erhält die Kündigung und ist damit nicht einverstanden. Also schlägt er zurück. Er versucht, Namen von Kunden mit undeklarierten Konten und Informationen über deren Verschleierung (etwa mit Trusts und anderen Offshore-Vehikeln) in die Öffentlichkeit zu tragen. Sogar Urkundenfälschung wird ihm vorgeworfen.

Seine Strategie, die Bankbranche an den Pranger zu stellen, scheint vorerst aufzugehen: Elmer wird von der Zürcher Justiz für seine Taten zur Rechenschaft gezogen; das Strafverfahren ist bis heute nicht abgeschlossen.

Mit Neonazis kooperiert

Plakativ reisst der Film viele Wunden in der Vergangenheit der Schweizer Banken nochmals auf: den Chiasso-Skandal der damaligen SKA, die Holocaust-Verwicklungen, die Finanzkrise 2008, die publikumswirksam inszenierte CD-Übergabe Elmers an Wikileaks-Gründer Julian Assange sowie die Occupy-Bewegung in der Schweiz.

Alle diese Bilder sollen die Banken in ein schiefes Licht rücken. Helden im Film sind Elmer und Jean Ziegler, die offensichtlich nicht müde werden, die Machenschaften der Banken aufzudecken. Dass Elmer dabei nicht einmal zurückschreckte, mit deutschen Neonazis zusammen zu arbeiten, da kein Zeitungsverlag Interesse am Inhalt seiner gestohlenen Kundendaten hatte, verharmlost der Film. Trotzdem applaudierten mehr als 500 Zuschauer am Schluss der Premiere im Solothurner Landhaus frenetisch.

Sehr einfach

Nur zu gerne hätte ich Regisseur Werner Schweizer gefragt, was seine Motivation war, einen Film über Elmer und seine doch eher umstrittene Geschichte zu drehen. Den letzten Szenen-Cut zog Schweizer nämlich genau dort, als die Banken begannen, ihre Vergangenheit aufzuarbeiten.

Selbst wenn nicht jede Kritik am Verhalten der Banken über die letzten Jahrzehnte unbegründet ist, macht es sich Werner Schweizer doch sehr einfach: keine Rede von den aufwändigen Steuerverhandlungen der Schweiz mit dem Ausland, der Umsetzung der sich laufend verschärfenden OECD-Vorgaben oder der Einführung des Automatischen Informationsaustauschs (AIA).

Nur Jean Ziegler gelesen?

Hat Werner Schweizer nur die Bücher Jean Zieglers gelesen und die hiesigen Bemühungen um Lösungen mit dem Ausland willentlich ignoriert? Vielleicht erhalte ich noch eine Antwort...

Der Film ist demnächst in den Schweizer Kinos zu sehen. Der Reputation der Banken wird er nicht viel anhaben können. Denn wer die Augen nicht verschlossen hat und mit der Zeit gegangen ist weiss, dass die Schweizer Banken ihre Hausaufgaben erledigt und ihre Vergangenheit aufgearbeitet haben.

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