Fintech: Destination für ausrangierte Top-Banker?

Marcel Ospel, ehemaliger Präsident UBS

Marcel Ospel, ehemaliger Präsident UBS

Immer öfter geben teils tief gefallene Bank-Grössen bei Fintech-Firmen ein Comeback. Ein bedenkliches Signal für die aufstrebende Szene?

Marcel Ospel macht wieder Schlagzeilen in der Finanzpresse – das erste Mal, seit er als Präsident der Schweizer Grossbank UBS im Jahr 2008 ausscheiden musste.

Der Grund: Ospel gehört zum illustren Investorenkreis des Schweizer Fintech-Start-ups Centralway Numbrs. Laut der britischen «Financial Times» (Artikel bezahlpflichtig) hat die Jungfirma eine Applikation entwickelt, mit denen Nutzer alle ihre Bankbewegungen auf eine Plattform bringen können.

Illustrer Investorenkreis

Wie weiter berichtet wird, vernetzt die App in Deutschland bereits 1 Million Konten. Jetzt will Centralway nach Grossbritannien vorstossen.
Das Geld dazu hat die Jungfirma, hinter welcher der umtriebige österreichische Firmengründer Martin Saidler steht.

Potente Investoren haben das Start-up nämlich mit nicht weniger als 70 Millionen Franken gesponsert – auch wenn Centralway bisher kein eigenes Geld verdient.

Nicht nur Ospel bedachte die Jungfirma mit Wagniskapital. Sondern auch der britische Hedgefonds-Profi Alan Howard, die Genfer Bankiers-Familie Mirabaud und die Schweizer Privatbank Lombard Odier, wie es weiter hiess.

Sie alle können nun auf monetäre und mediale Rendite hoffen – falls Saidler tatsächlich der ganz grosse Wurf gelingt.

Indiz für gefährlichen Hype

Wie sich zeigt, ist Ospel nur die letzte einer ganzen Reihe ehemaliger Bank-Grössen, die es derzeit in die aufstrebende Fintech-Branche zieht. Und die Frage stellt sich, ob die prominenten Investoren die Boom-Branche tatsächlich adeln – oder ob ihr Einstieg nicht ein weiteres Indiz für einen gefährlichen Hype ist.

Dies nicht zuletzt, da nicht wenige jener einstigen Top-Banker in ihren früheren Chargen – gelinde gesagt – ein schwieriges Erbe hinterliessen.

So Anshu Jain (Bild unten), bis letzten Juni noch Co-Chef der Deutschen Bank. Während sich das Institut nach einem Verlust von fast 7 Milliarden Euro einem radikalen Umbau unterzieht, widmet Jain sich einer neuen, wohl angenehmeren Aufgabe.

Anshu Jain 500

Stelldichein im Silicon Valley

Wie auch finews.ch berichtete, stösst der 53-jährige Top-Banker zur kalifornischen Online-Lending-Plattform SoFi. Jain engagiert sich dort als Berater und könnte demnächst auch in den Verwaltungsrat gewählt werden. Die Jungfirma ist nach eigenen Angaben profitabel und konnte vergangenen September 1 Milliarde Dollar frisches Kapital lösen.

Jain ist im Silicon Valley dabei in bester Gesellschaft. Ebenfalls als Fintech-Investoren unterwegs sind dort die einstigen Grossbanken-Chefs John Mack (ehemals Morgan Stanley) und Vikram Pandit, der 2012 als CEO von Citigroup abrupt zurücktreten musste.

Auch in der Schweiz ist Ospel nicht der einzige bei der Bank ausgeschiedene Prominente, der sich nun in Fintech versucht.

Arbeit in der Fintech-Schmiede

Nachdem sein Institut im Dezember 2014 von der Zürcher Kantonalbank (ZKB) übernommen worden war, musste auch Gérard Fischer (Bild unten) den Chefsessel bei der Kantonalbanken-Fondstochter Swisscanto räumen. Fischer, ein Urgestein des Schweizer Asset Management, genoss in der Branche einen ausgezeichneten Ruf.

grard fischer 500

Dennoch kann ihm vorgeworfen werden, mit Swisscanto nicht schnell genug auf strukturelle Trends reagiert zu haben – was das Fondshaus letztlich zum Übernahmeziel werden liess.

Das hindert Fischer offensichtlich nicht daran, Fintech-Startups bei der Umsetzung ihrer Innovationen zur Seite zu stehen. Wie finews.ch berichtete, gehört Fischer seit letztem November zu den über 40 Mentoren der Genfer Fusion, dem ersten Fintech-Inkubator in der Schweiz.

Wo das Disruptive lockt

Fintech, eine Destination für ausrangierte Top-Banker? finews.ch findet, dieses Urteil wäre verfrüht. Denn dass Ospel & Co eifrig in die aufstrebende Szene investieren und sich dabei auch persönlich einsetzen, ist trotz ihrer oftmals kontroversen Vergangenheit am Ende positiv zu werten.

Denn einerseits zeigt dies, dass die Fintech-Branche reif genug ist, damit auch das Banken-Establishment sich dort engagiert. Und ganz pragmatisch lässt sich sagen: Die schwerreichen Bank-Grössen haben die Mittel, überall zu investieren, wo sie nur möchten. Das können herkömmliche Industrien sein, aber auch risikoreichere Investments wie etwa Biotechnologie oder erneuerbare Energien.

Dass sie sich trotzdem für Fintech entscheiden, ist ein Signal: dafür, dass die Top-Banker just in diesem Bereich mit disruptiven Neuerungen rechnen – und damit am ehesten mit gewaltigen Gewinnen.

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NEWS GANZ KURZ

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

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