Brexit: Das grosse Rätselraten

Sindy Schmiegel 192 2Sindy Schmiegel ist Leiterin Public Relations bei der Schweizerischen Bankiervereinigung

Die einen Politiker warnen davor, dass aus Great Britain Little England wird, die anderen beschwören ihre Wähler, endlich das Joch teurer EU-Regeln abzuschütteln. Die Bank of England sagt höchstens zwischen den Zeilen, dass ein Brexit wirtschaftliche Schwierigkeiten mit sich bringt, wenn sie aufzählt, wo Grossbritannien von der EU profitiert hat. Dagegen treten Interessensgruppen wie die City of London Corporation und TheCityUK öffentlichkeitswirksam für einen Verbleib in der EU ein. Die einen Banken spenden für eine Pro-EU-Kampagne, die anderen sehen höchstens kurzfristig negative Folgen, würden die Briten am 23. Juni entscheiden, die EU zu verlassen und damit den «Brexit» herbeizuführen.

Welche Folgen für die Banken?

Die Anschlussfrage, die sich aus Bankenperspektive aufdrängt, nämlich, welche konkreten, spürbaren, materiellen Folgen ein Austritt aus der EU für einen der weltweit wichtigsten Finanzplätze hätte, beantwortet jedoch niemand schlüssig. Geliefert werden bestenfalls Ausschnitte, Ansätze und Szenarien.

Immer wieder geht in Gesprächen, Interviews und Reports der Blick in die Schweiz, in der Hoffnung, hier ein Beispiel zu finden, wie es trotz Nicht-EU-Mitgliedschaft gelingt, erfolgreich zu sein (so die Europa-Skeptiker), beziehungsweise, was dem Vereinigten Königreich in einem solchen Fall an Schwierigkeiten blüht (so die Europa-Befürworter).

Doch die Schweiz ist nicht für Analogieschlüsse geeignet; zu unterschiedlich ist schon die Ausgangssituation zwischen Nicht-Mitglied und eventuell Ausstiegswilligem.

Kristallkugel bitte!

Was bleibt, und was bei allen Gesprächen, die die SBVg mit ihren britischen Partnern führt, überdeutlich spürbar ist, ist grosse Verunsicherung. Selbst wenn am 23. Juni entschieden wird, dass Grossbritannien in der EU verbleibt, wird das Thema kaum plötzlich erledigt sein. Bei einem Ja besteht also die Gefahr eines endlosen In-Frage-Stellens des Status Quo, bei einem Nein sind die Folgen völlig offen.

Freuen sich Frankfurt und Paris über ein grösseres Stück vom Kuchen, wenn London sich selbst aus dem «Single Market» entfernt? Wird London nach einem «Brexit» erst richtig stark? Zieht HSBC nach Dublin? Schweizer Banken nach Luxemburg? Das Investmentbanking komplett nach New York? Niemand weiss es.

Sand im Getriebe

Doch Unsicherheit ist Sand im Getriebe jeder strategischen Planung. In wohl kaum einem anderen Land als der Schweiz haben Unternehmer breitere Erfahrung mit Referenden, die weitreichende Folgen für wirtschaftliche Aktivitäten haben. Beispiele sind eine dekretierte Beschränkung von Managerlöhnen und Aktionärsstimmrechten, die unklare Umsetzung der Masseneinwanderungsinitiative oder anstehende Abstimmungen wie Vollgeld oder bedingungsloses Grundeinkommen.

Insofern könnte die Schweiz tatsächlich als Beispiel dienen. Grossbritannien entscheidet sich vielleicht dafür, einen Status aufzugeben, der nicht alle Erwartungen erfüllt hat, aber sicher auch nicht zum Schaden des Königreichs war. Wähler in Grossbritannien stehen vor einer schwierigen Entscheidung, denn egal wie sie abstimmen, es lässt sich kaum abschätzen, wie es für die Wirtschaft weiter geht.

Blicken wir aus der Schweiz in Richtung Grossbritannien, können wir für einmal von aussen beobachten, wie schwierig erfolgreiches Unternehmertum angesichts offener Volksvoten ist.

 

 

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NEWS GANZ KURZ

Postfinance

Mit dem Fintech-Jointventure Finform wollen die Postbank und das ETH-Spinoff Axon Ivy die Industrialisierung von Bankenprozessen neu gestalten. Insbesondere soll Banken geholfen werden, die stetig wachsende Formularflut zu bewältigen.

Credit Suisse

Laut Medienberichten will die Schweizer Grossbank ihren Anteil an einem chinesischen Brokerage-Gemeinschaftsunternehmen ausweiten. Demnach würde die Credit Suisse ihre Beteiligung an der lokalen Firma Credit Suisse Founder Securities von 33 auf 49 Prozent steigern; weder das Institut noch die chinesische Partnerin Founder Securities bestätigten die Spekulationen.

Investis

Die Westschweizer Immobiliengruppe Investis hat für den Börsengang am Donnerstag an der Schweizer Börse SIX Swiss Exchange den Angebotspreis bei 53 Franken pro Aktie festgelegt. Die Gruppe erwartet somit ein Erlös von 148 Millionen Franken.

Saxo Bank

Antonio Ferrante, der Chef der Saxo Bank Schweiz, ist zurückgetreten. Interimistisch übernimmt Patrick Hunger seinen Posten. Ferrante war nur wenig länger als zwei Jahre Chef des Online-Trading-Hauses. Er kam Anfang 2014 von der Credit Suisse für Søren Mose, der Saxo zusammen mit COO Ian Keates und Finanzchef Martin Beinhoff abrupt verlassen hatte.

Aargauische Kantonalbank

Das Staatsinstitut muss dem Kanton Aargau aus dem Rekordgewinn von 2015 mehr Geld abliefern. In die Staatskasse fliessen gemäss Beschluss des Eigners 91 Millionen Franken. Das sind 16 Millionen Franken mehr, als die Bank vorgeschlagen hat.

Fonds-Daten

Nach zweijähriger Zusammenarbeit haben sich zwei Dutzend Finanzinstitute angeführt von UBS, Credit Suisse und Julius Bär in Kooperation mit der Firma Fundinfo auf die Veröffentlichung des «openfunds-Standards». Die Initiative definiert häufig verwendete Fonds-Datenfelder. Jedes der 200 einzelnen Felder wird für die Datenübertragung spezifiziert und mit einem Identifier versehen.

SIX

Die Netzwerkprobleme der SIX sind nun vollständig behoben. Die Ursachen seien identifiziert. Die Systeme würden seit Mittwoch wieder stabil und ohne weitere Unterbrüche laufen. Die SIX hatte während über zwei Tagen mit grossen Netzwerkstörungen gekämpft, insbesondere der Zahlungsverkehr war betroffen gewesen.

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