McKinsey-Chef Schweiz kritisiert Bankchefs

Christian Casal

Christian Casal

BMW-Manager fahren BMW. Die Chefs der grossen Uhrenmarken tragen die besten Stücke aus ihrem Haus. Die CEOs der Banken sind anders, was nicht für sie spricht.

Für einiges Aufsehen sorgte unlängst der Schweizer McKinsey-Chef Christian Casal. Am 5. Swiss Asset Management Day in Präffikon SZ sagte er, er sei noch nie einen CEO begegnet, der in ein Vermögensverwaltungsmandat der eigenen Bank investiert habe. Das spricht nicht gerade für die Glaubwürdigkeit der Leute auf den Teppich-Etagen der Banken.

Insofern war es nicht erstaunlich, dass diese Aussage auch viral sehr schnell die Runde machte.

Dass sich Casal so freimütig – und ehrlich – äusserte, ist sonst nicht gerade der Stil von McKinsey & Company. Die weltweit tätige Strategieberatungs-Firma gilt eher als diskret, zumal sie mehr oder weniger alle grösseren Banken zu ihrer Klientel zählen darf.

Selbstkritische Banker

Dass sich der Schweiz-Chef so kritisch gibt, könnte möglicherweise sogar die eine oder andere Kundenbeziehung gefährden, denn heutzutage setzen die meisten Banken sehr viel daran, ihrer vermögenden Klientel diskretionäre Mandate zu verkaufen. Damit lässt sich in den zunehmend margenschwächeren Zeiten immerhin noch etwas Geld verdienen.

Allerdings waren an dem Anlass auch einige selbstkritische Banker anwesend, die nach Casals Referat hinter vorgehaltener Hand durchaus einräumten, dass viele Vermögensverwaltungsmandate halt doch nicht das abwerfen würden, was deren Verkäufer jeweils in Aussicht stellten – selbst bei Banken, die sich bisweilen mit dem angeblich besten Portfolio-Management brüsten.

Hohe Abzüge

Ganz aus der Luft gegriffen hatte Casal seine Aussage auch nicht. Denn bei der Frage, ob die Asset-Management-Industrie wirklich Mehrwert kreiere, verwendete er ein Slide, der aufzeigte, wie die meisten Strategiefonds (vergleichbar mit einem diskretionären Mandat) einem gewöhnlichen Investment in je 50 Prozent Aktien und Obligationen über einen Zehn-Jahres-Zyklus eindeutig unterlegen sind.

Um dies zu veranschaulichen, nahm Casal in seinem Referat für ein diskretionäres Mandat eine durchschnittliche Rendite von 4,5 Prozent über zehn Jahre an. Dabei brachte er dann 1,1 Prozent-Punkte an Kosten für die taktische Asset-Allokation in Abzug, 0,3 Prozent-Punkte für die Produkte-Selektion sowie 1,3 Prozent-Punkte für die Management- und Custody-Gebühr.

Traumhafte Renditen

So verbleibt unter dem Strich noch eine Rendite von 1,9 Prozent, was erheblich weniger ist als rund 4 Prozent, die ein gewöhnliches Investment (in 50/50 Prozent Aktien/Obligationen) im Vergleich dazu über zehn Jahre erbrachte.

Dass gewisse (diskretionäre) Mandate oder individuelle Strategien aber durchaus erfolgreich sein können, illustrierte Casal an einem anderen Beispiel – an den Renditen, welche die Investment-Spezialisten der Anlagestiftungen grosser amerikanischer Universitäten zwischen 2005 und 2015 erzielten:

  • Princeton: 10,1 Prozent
  • Yale: 10,0 Prozent
  • Pennsylvania: 7,9 Prozent
  • Harvard: 7,6 Prozent
  • Cornell: 7,2 Prozent

Gewöhnliche Finanzinstitute erreichen solche Renditen aber offenbar kaum. Insofern haben die Bankchefs guten Grund, nicht in die diskretionären Mandate ihrer Arbeitgeber zu investieren. Doch warum sollten es dann die Kunden tun?

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NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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