«Die beste Anlageklasse in diesem Jahr»

Hohe Renditen bei tiefem Risiko. Wandelanleihen sind in volatilen Märkten stark, betont Michael Bancroft, Convertibles-Spezialist bei AgaNola.

Michael_Bancroft_quadHerr Bancroft, seit rund einem Monat sind Sie als Head of Portfolio Management bei der Finanz-Boutique AgaNola in Pfäffikon SZ tätig. Vorher arbeiteten Sie in London. Wie war die Stimmung?

Das Jahr 2009 fing katastrophal an. Ich habe noch nie so schlechte Monate gesehen wie Januar, Februar und März. Auf Grund der schlechten Märkte fuhren die Investmentbanken viele Aktivitäten massiv herunter und bauten massiv Personal ab. Niemand schien mehr Geld zu haben. Immerhin hatten kleinere Investment-Boutiquen so die Möglichkeit, an Kunden heranzukommen, die sonst den grossen Banken vorbehalten sind.

Was folgte dann?

Ab April erholte sich die Börse und zwar in einem Tempo, wie wir es nicht für möglich gehalten hätte. Auf einen Schlag war am Kapitalmarkt wieder enorm viel los, was sich auch auf das Geschäft mit Wandelanleihen sehr positiv ausgewirkt hat. Von Februar bis jetzt waren Convertibles sogar die am besten rentierende Anlageklasse, wie eine neue Studie von Barclays ergeben hat.

Warum das?

Von der Performance her bewegen sich Wandelanleihen zwischen Aktien und Obligationen und generieren durchschnittlich eine Rendite von 7 bis 8 Prozent. Auf Grund des aktuell tiefen Zinsniveaus sind Convertibles jedoch günstiger und mit einem tieferen Risiko behaftet als Aktien. Im Prinzip kaufen Sie einen Bond, den sie nach Ende der Laufzeit in Aktien wandeln können. Dieses Konzept ist besonders in volatilen Märkten attraktiv, wie wir sie nach wie vor erleben – denken Sie nur an Dubai.

Wer ist die Zielkundschaft für Convertibles?

Primär institutionelle Anleger, wobei es von Land zu Land verschieden ist, wie stark Wandelanleihen verbreitet sind. In London beispielsweise halten Pensionskassen einen eher noch bescheidenen Anteil, während institutionelle Anleger in der Schweiz mit der Materie bereits sehr gut vertraut sind.


«Wir streben absolute Renditen an»

Wo liegt das Potenzial?

Obwohl man das grösste Wirtschaftswachstum nach der Krise in Asien erwartet, sind dort die Aktivitäten am Kapitalmarkt noch vergleichsweise gering, was sich auch auf das Geschäft mit Wandelanleihen auswirkt. Sollte sich Asien aber tatsächlich zur Wachstumslokomotive entwickeln, sehe ich in dieser Weltregion jedoch ernorme Chancen.

Welchen Einfluss haben konjunkturelle Fundamentaldaten auf das Geschäft mit Wandelanleihen?

Die Performance von Convertibles bewegt sich, wie eingangs erwähnt, zwischen Aktien und Obligationen, allerdings zu einem deutlich tieferen Risiko. Wandelanleihen korrelieren grundsätzlich mit dem Markt. Ausgewiesene Spezialisten sind jedoch in der Lage, eine Überrendite bei deutlich geringerem Risiko-Exposure zu erzielen.

Nach welchen Kriterien messen Sie den Erfolg einer Wandelanleihe oder eines entsprechenden Portfolios?

Die meisten Akteure haben Benchmarks. Wichtige Referenzindices bieten etwa die UBS, Exane oder Merrill Lynch. Ich bin jedoch kein grosser Freund solcher Wertmassstäbe. Damit neigt man dazu, sich bloss am Markt zu orientieren. Wenn er schwächelt, versucht man einfach etwas weniger schlecht abzuschneiden. Das kann keine Value Proposition sein. Darum strebe ich auch bei Wandelanleihen eine absolute Rendite an, um der Kundschaft einen Mehrwert zu bieten und diese Anlagekategorie populärer zu machen.


«In der Branche wird sich die Spreu vom Weizen trennen»

Wie erzielen Sie dieses Alpha?

Dazu benötigen sicherlich einmal erstklassige Software. Grosse Banken haben zumeist standardisierte Programme, die zwar laufend angepasst werden, aber doch nie ganz up-to-date sind. Kleine Finanzinstitute können ihre Software flexibler entwickeln und dadurch auf spezifische Bedürfnisse eingehen. Das ist bei AgaNola der Fall. Als relativ junges Unternehmen verfügt AgaNola über erstklassige Technologie, um im nächsten Jahr den Total-Return-Ansatz zu fahren. Absolute Renditen wollen wir mit einem kleinen Leverage, Short-Positionen und Investments in CDO-ähnliche, also verbriefte Finanzprodukte, erzielen.

Was sind Ihre Erwartungen an 2010?

An den Märkten gehe ich von einer weiteren Erholung aus. Nicht euphorisch, aber stetig. Dadurch werden die Aktivitäten der Banken weiter zunehmen und zu einer Welle an Personalverschiebungen in der Branche führen. Bis zum Jahresende warten die Banker ab, wieviel Boni sie kriegen – 2009 war ja schlussendlich ein sehr gutes Jahr –, danach werden Tausende, sei das in London oder in der Schweiz, ihre Jobs wechseln. Sie werden dorthin gehen, wo das Geschäft hervorragend läuft, während die schwächelnden Banken noch mehr Mühe haben werden. 2010 wird sich die Spreu vom Weizen trennen.


«Wir wollen einen Wandelanleihen-Fonds mit Total-Return-Ansatz lancieren»

Wohin steuert das Convertibles-Geschäft von AgaNola im nächsten Jahr?

Wir werden im Verlauf des 2. Halbjahres 2010 einen Wandelanleihen-Fonds mit dem Total-Return-Ansatz lancieren. Wir sind überzeugt, dass wir damit eine einzigartige Unique-Selling-Proposition für unsere Kunden haben werden. Ausserdem wollen wir das Research im Convertible-Bereich ausbauen, um weitere Kundenschichten ansprechen zu können.

Es liegt uns viel daran, das Wissen über diese  Anlageklasse zu vergrössern. Mittelfristig wollen wir unsere verwalteten Mandate von gut 300 Millionen Franken auf 1 bis 2 Milliarden Franken steigern. Von unserer neuen Zusammenarbeit mit ISM Capital versprechen wir uns zusätzliche Wachstumsimpulse im gesamten deutschsprachigen Raum sowie in Grossbritannien.


Michael Bancroft, geboren 1970, ist seit Anfang November 2009 Head of Portfolio Management bei AgaNola. Der Brite studierte Mathematik an der Durham University in England und startete seine Karriere in der Finanzbranche 1992 bei UBS Warburg in London.

Von 1997 bis Ende 2002 arbeitete Michael Bancroft für J.P. Morgan, bevor er zum Hedge-Fund Polygon wechselte, wo er unter anderem für asiatische Wandelanleihen-Portfolios verantwortlich war und das Büro in Hongkong leitete. Im Jahr 2008 wurde er Senior Partner bei der britischen Finanzgesellschaft ISM Capital, die unlängst ein Joint-Venture mit dem Schweizer Wandelanleihen-Spezialisten AgaNola eingegangen ist.

 

 

 

 

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden.

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Morgan-Stanley-CEO macht Kasse mit Bankaktien
  • Trumps Kabinett der Milliardäre
  • London: Der Investmentbanker Europas
  • Der Sanierer soll ein Insider-Händler sein
  • RBS: Versagen auf der ganzen Linie
  • Streitpunkt neue Kapitalregeln
mehr

SELECTION

Selection

Denke nach und werde reich

Haben Sie sich auch schon gefragt, welche Eigenschaft alle Millionäre teilen?

Selection

Selection

Der Todesstoss fürs Online-Banking

Der Bankkunde von heute nutzt das Internet und Apps. Aber wie lange noch?

Selection

NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

weitere News