Christian Dreyer: «Drei Schritte zu einer besseren Investmentbranche»

Christian Dreyer, CEO der CFA Society Switzerland

Christian Dreyer, CEO der CFA Society Switzerland

Wie kann sich die Investmentbranche verbessern und ihre Glaubwürdigkeit zurückgewinnen? Christian Dreyer, CEO der CFA Society Switzerland, stellt auf finews.ch drei Massnahmen zur Diskussion.

Das CFA Institute, seit 50 Jahren führend in der Investment-Management-Weiterbildung und in der Etablierung von Branchenstandards, empfiehlt allen Branchenvertretern und Regulatoren sowie seinen 125‘000 CFA-Charterholdern – wovon bald 3'000 in der Schweiz –, die folgenden drei grundlegenden Massnahmen zu beachten und durchzusetzen.

1. Hohe berufliche Standards und Eintrittshürden schaffen

Ausbildner: Entwickeln Sie Programme, die den künftigen Investmentprofessionals Finanzkompetenz inklusive technischem und ethischem Wissen vermitteln und deren Bewusstsein für die Bedeutung der Investmentbranche in der Gesellschaft schärfen.

Unternehmen: Stellen Sie Finanzexperten ein, die sich den höchsten Standards verpflichtet fühlen. Investieren Sie in ihre Weiterbildung und Weiterentwicklung. Bekennen Sie sich öffentlich zu hochstehenden Verhaltensnormen als Basis für eine nachhaltige und profitable Industrie.

Regulatoren: Verlangen Sie von den Investmentexperten Standards in Bezug auf Kompetenz und Ethik. Fordern Sie professionelle Zertifizierungen, wie zum Beispiel den CFA-Charter.

Investment Professionals: Werden Sie Mitglied einer professionellen Vereinigung. Unterstützen Sie aktiv einen starken, selbstregulierten Berufsstand, der mit fundiertem Wissen Kompetenz- und Verhaltensstandards setzt und nachweislich Mitglieder ausschliesst, die ethischen Grundsätze nicht nachleben. Sorgen Sie dafür, dass Ihr Fachwissen auf dem neuesten Stand bleibt.

2. Geschäftsmodelle mit den Kunden im Fokus

Unternehmen: Verbannen Sie kurzatmige Geschäftsmodelle, welche den Kunden ungeeignete Produkte aufdrängen (product pushing). Sorgen Sie für eine Kultur, die ein kundenorientiertes Denken und «das Richtige tun» belohnt, auch wenn es nicht einfach ist. Seien Sie transparent bei den Gebühren. Verknüpfen Sie Ihre Anreize mit denen Ihrer Kunden. Entwickeln Sie Produkte, die Ihren Kunden mehr Nutzen bringen als Ihrer Firma und Ihren Mitarbeitern.

Investoren: Nehmen Sie sich genügend Zeit, um die Firma auszuwählen, welche Ihren Zielen entspricht. Recherchieren Sie, ob die Experten, die Ihr Geld verwalten, über die notwendige Ausbildung und Erfahrung verfügen sowie die ethischen Standards mitbringen und damit Ihr Vertrauen rechtfertigen. Unterschätzen Sie nicht, welchen Einfluss Sie darauf haben, die Investmentbranche zu prägen, und stellen Sie hohe Ansprüche.

Regulatoren: Setzen Sie striktere Regeln in Bezug auf Sorgfalt, Loyalität und Betreuung für alle Unternehmen, die Vermögensberatung anbieten. Zeigen Sie sich erkenntlich, wenn Unternehmen freiwillige Standards einführen, wie die «Asset Management Code of Professional Conduct and Global Investment Performance Standards».

3. Interessenkongruenz von Unternehmen und Kunden erhöhen

Regulatoren: Verbessern Sie die Mechanismen, um sich durchzusetzen und fördern Sie Fairness in der Regulation der verschiedenen Märkte. Arbeiten Sie mit der Branche zusammen, um in der Praxis den Anlegerschutz und die Marktintegrität zu verbessern. Halten Sie mit den neuesten Investmentprodukten und -dienstleistungen Schritt, um sicherzugehen, dass diese im Interesse der Investoren sind.

Unternehmen: Setzen Sie sich höhere Verhaltensnormen als das gesetzliche Minimum. Setzen Sie interne Verhaltensregeln und Verfahren durch, die mehr als reine Pflichtübungen sind. Lassen Sie sich nicht auf Lobbying ein, das Ihren Kunden schaden könnte.

Investoren: Ziehen Sie Ihre Finanzexperten und deren Firmen zur Verantwortung. Beschweren Sie sich bei Verletzungen des Wertpapierrechts oder Regulationen, inklusive Betrug oder unfaire Behandlung.


Der 50-jährige Christian Dreyer studierte Staatswissenschaften an der Hochschule St. Gallen (HSG) und hat an der University of Edinburgh einen Master of Laws erworben. Seine berufliche Laufbahn begann er 1994 als Assistent des CEO bei der sanierungsbedürftigen Solothurner Kantonalbank. Im Jahr 2000 erwarb er die Meriten eines Chartered Financial Analyst (CFA) und wurde Leiter des Investment Research bei der Basler Kantonalbank.

Zuletzt arbeitete der gebürtige Basler als Executive Director für J.P. Morgan (Schweiz), wo er für die Beziehungen zu institutionellen Anlegern in der Schweiz und in Liechtenstein verantwortlich war. Seit April 2013 ist er Geschäftsführer der CFA Society Switzerland.

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NEWS GANZ KURZ

Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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