Wer profitiert vom Zins, wer nicht? Gewinner und Verlierer im Niedrigzinsreigen

Niedrigzinsära

(Bild: Fotolia)

Die Niedrigzinsära ist mitnichten vorüber, mit einem Anstieg der Zinsen ist nach wie vor wohl nicht zu rechnen. Das sorgt vor allem bei den Anlegern für Verunsicherung, während sich an anderer Stelle durch die Zinssituation durchaus Chancen ergeben. Eine kurze Überblicksdarstellung der potenziellen Gewinner und Verlierer im anhaltenden Niedrigzinsreigen.

Die Sorgen der Niedrigzinsära

Rückblickend bleibt die Feststellung, dass aus dem erhofften temporären Problem Finanzkrise eine Art Dauerzustand geworden ist. In wenigen Tagen jährt sich aufs Neue der Beginn der globalen Kettenreaktion, die seinerzeit durch die Insolvenz der Investmentbank Lehman Brothers ausgelöst wurde. Regierungen, Zentralbanken und Finanzmärkte sind seither auf der Suche nach Lösungen und Auswegen. Eine Aufgabe, die bedingt durch das engmaschige Netz der weltweiten Finanzsysteme nur noch komplexer und grösser wird.

Gegen globale Inflation, für den wirtschaftlichen Aufschwung: Die Hilfsmittel der Zentralbanken

Die Folgen der Krise sind dabei ebenso weitreichend wie vielfältig. Ein Eingreifen der Zentralbanken war in dieser Situation in gewisser Weise unausweichlich, die Nachhaltigkeit ihrer Massnahmen und angewandten Hilfsmittel muss in Anbetracht der nach wie vor bestehenden Krise aber wenigstens auf den Prüfstand gestellt werden.

  • Das vielleicht meistdiskutierte Mittel der Europäischen Zentralbank, hauptsächlich weil es zugleich das vielleicht weitreichendste ist, bleibt der Leitzins der EZB. Das trifft sowohl für die damit bekämpften Symptome wie auch für die damit verbundenen Folgen zu. Das Bereitstellen frischen Geldes für die Konsolidierung der europäischen Staatshaushalte und die Stärkung der Wirtschaft insgesamt hat zur bekannten Niedrigzinspolitik geführt, die ebenfalls anhält und aller Voraussicht nach anhalten wird. Was wiederum eng mit den Inflationszielen der Zentralbank zusammenhängt, die mittelfristig stabil bei rund zwei Prozent liegen soll – wovon sie derzeit jedoch immer noch weit entfernt ist, trotz einer Senkung des Leitzinses auf null Prozent.

Übt durch ihre anhaltende Niedrigzinspolitik auch auf das Schweizer Banken- und Finanzsystem Druck aus: die Europäische Zentralbank. (Bild: Fotolia)

  • Unterstützend wird auch die Quantitative Lockerung fortgeführt. Nachdem bislang hauptsächlich Staatsanleihen aufgekauft wurden, könnte die EZB durchaus in einem nächsten Schritt weiter auf Unternehmensanleihen setzen oder Aktienkäufe tätigen. Die Wirkung dieser Form der Geldvermehrung scheint jedoch ebenso fraglich wie das Absenken des Leitzinses.
  • Eine vielleicht letzte Möglichkeit, der europäischen Wirtschaft zu einem Aufschwung zu verhelfen, stellt das bereits diskutierte «Helikoptergeld» dar. Inwieweit ein einmaliges Geldgeschenk der Zentralbank zu einem längerfristigen Konjunkturaufschwung beitragen kann, muss allerdings dahingestellt bleiben.

Wohin geht die Reise in der Zukunft?

Insgesamt muss wohl eine nachlassende Wirkung der bisherigen geldpolitischen Massnahmen der Zentralbanken konstatiert werden. Der Entscheid über den Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Union hat zudem die Unsicherheit in der Finanzwelt nur noch verstärkt. Während weder der Pfund Sterling noch der Euro von dieser Entwicklung profitieren konnten, gehen der japanische Yen und der Schweizer Franken, wenn auch mit unterschiedlich starken Ausschlägen, als Gewinner der Unruhen an den Devisenmärkten hervor.

Der Grund hierfür: Investoren suchen nach sicher scheinenden Alternativen, obschon es hinsichtlich des Yen bereits vor der Abstimmung einen entsprechenden Trend gegeben hat. Angesichts solcher Verschiebungen rät Marktanalyst Andreas Ruhlmann von der IG Bank daher den Anlegern, den Entwicklungen an den Devisenmärkten möglichst ohne Emotionen, dafür mit einem konkreten Plan zu begegnen.

Bewegte Zeiten für Privatanleger

Überhaupt sind die Zeiten für Privatanleger keineswegs einfach und über allem schwebt die Frage: Was soll ich mit meinem Geld machen? Sorgen bereiten vor allem die tiefen Zinsen und Unsicherheiten an den Finanzmärkten, Skepsis besteht auch gegenüber einem Lerneffekt, den die Akteure aus der Finanzkrise gezogen haben könnten – daran glaubt nämlich nur jeder zehnte Anleger.

Wenig hilfreich ist es in dieser Angelegenheit, dass sich rund ein Drittel der Bankkunden von ihren Finanzinstituten in der aktuellen Situation weitgehend alleingelassen fühlt. Der Private-Banking-Report 2016, den die LGT Bank erstellt hat, zeigt darüber hinaus gewisse Zweifel am Fachwissen der Kundenberater auf. Nur rund die Hälfte der privaten Anleger glaubt an einen deutlichen grösseren Wissensstand ihrer Berater.

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Quelle: LGT Private Banking Report 2016

Überhaupt ist die Zufriedenheit mit der Beratung, trotz guter Beurteilungen hinsichtlich Bedürfnisverständnis, Sympathie und Kompetenz, deutlich ausbaufähig. Das gilt vorab auch für das Renditebedürfnis der Kunden: Der Wunsch nach einer besseren Anlagerendite durch eine kompetente Beratung bleibt vielen unerfüllt, obschon gerade dieser Punkt am wichtigsten ist.

Als ein Ergebnis des Reports bleibt allerdings auch die Widersprüchlichkeit der Einschätzungen und des Handelns von Private-Banking-Kunden festzuhalten: Die Alternativlosigkeit von Aktien im Vergleich mit anderen Anlagemöglichkeiten wird beispielsweise erkannt, entsprechende Änderungen des Portfolios bleiben oft genug aber aus. Hier stehen die Banken in der Verantwortung, ihren Kunden ein kompetenter und vertrauenswürdiger Partner zu sein – vor allem wenn die wachsende Zufriedenheit (83 Prozent im Vergleich zu 81 Prozent im Jahr 2014) nicht nur Vorschusslorbeeren sein sollen.

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NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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