Nitin Bajaj: «Benchmarks kümmern mich nicht»

Nitin Bajaj, Fondsmanager Fidelity

Nitin Bajaj, Fondsmanager Fidelity

Weil er unkonventionell arbeitet, ist Fidelity-Fondsmanager Nitin Bajaj umstritten. Doch der Inder beweist auch in volatilen Zeiten, dass er ein glückliches Händchen hat. Ganz unriskant ist das trotzdem nicht.

Innovationen, Benchmarks, Branchen? Nitin Bajaj winkt ab. All das interessiert ihn kein bisschen, wenn es ums Investieren geht. Genauso wenig kümmern ihn volkswirtschaftliche Kennzahlen oder generell Marktdaten.

Der Fondsmanager von Fidelity fokussiert auf kleine und mittelgrosse Firmen in Asien, die an der Börse unterbewertet sind.

Klassischer Stockpicker

Aus einem Universum von ungefähr 17'000 Firmen wählt er dabei «seine» Unternehmen nach drei Kriterien aus: Leistungsausweis respektive Geschäftszahlen der vergangenen zehn Jahre, Qualität und Beständigkeit des Managements sowie aktueller Aktienkurs. Stimmen diese drei Parameter mit seinen Erwartungen überein, schlägt er zu respektive kauft er diesen Titel.

Bajaj, der 2003 zu Fidelity stiess, betreut aktuell die beiden Fonds «Asian Smaller Companies» sowie «Asian Values», mit denen er umgerechnet gut 800 Millionen Franken verwaltet – davon etwas mehr als die Hälfte im «Asian Smaller Companies»-Fonds, von dem er auch klar sagt: «Kleinkapitalisierte Werte in Asien haben langfristig alle anderen Anlageklassen übertroffen.»

Vor allem in den vergangenen drei Jahren stellte dies Bajaj eindrücklich unter Beweis – als klassischer Stockpicker, der strikt nach Value-Prinzipien investiert.

Vier Vorbilder

Wie Warren Buffett, dem bekanntesten Value-Investor auf der Welt, spürt Bajaj wie ein «Trüffelhund» die kostbarsten Stücke im (asiatischen) Börsenboden auf. Dabei stützt sich der Inder aus Mumbai, der inzwischen von Singapur aus arbeitet, nicht auf die in Investmentkreisen üblichen Kennzahlen, sondern auf das Wissen und die Erfahrung von vier Anlageexperten, wie er im Gespräch mit finews.ch erklärt.

Es sind: Buffett und sein Charlie Munger sowie Joel Greenblatt, Fondsmanager und Professor an der Columbia University in New York, und der US-Hedgefonds-Manager Seth Klarman. Allesamt sind sie erklärte Value-Investoren.

Pech ist keine Entschuldigung

Für Bajaj dreht sich dabei alles um die Definition des Risikos, wie er weiter erklärt. Er sagt: «Mir geht es immer um die Wahrscheinlichkeit, dass ich einen Totalverlust auf dem eingesetzten Kapital erleide.» Entsprechend vorsichtig, aber nach genauer Abwägung umso entschlossener geht er seine Arbeit an. Agnostisch, wie es im angelsächsischen Jargon gerne heisst.

«Pech gehabt zu haben, kann nie eine Entschuldigung sein, wenn man mit einem Titel Geld verliert, lautet eine seiner Devisen. Und er sagt auch: «Ich kaufe keine Aktien, sondern eher Geschäftsmodelle, die mich überzeugen, und die noch Potenzial haben.»

Anomalien bieten Chancen

Bajaj investiert auch deswegen gerne in kleine Firmen, weil die Finanzanalysten solche Firmen weniger häufig abdecken und es so eher zu «Anomalien» kommt, die er nutzen kann. Damit fährt er gut, denn mittlerweile zählt der Fidelity-Fondsmanager zu den besten seines Fachs.

Im laufenden Jahr kam ihm zugute, dass er China untergewichtet hatte und stattdessen auf indische Unternehmen setzte. Stark überzeugt ist er auch von philippinischen Firmen sowie von Unternehmen in Myanmar. Ganz generell scheint das einstige Burma heute ganz oben in der Gunst vieler Investoren zu stehen, die etwas mehr Risikokapazität haben.

Schnell weg vom Fenster

Zu den grössten Beteiligungen in Bajajs «Asian Smaller Companies»-Fonds zählen das Elektritzitäts-Unternehmen Power Grid Corp of India, der thailändische Autokredit-Verleiher Tisco Financial sowie die Firma Housing Development Finance, ein indisches Unternehmen, das Hypothekarkredite vergibt, aber auch an Versicherungsunternehmen beteiligt ist.

Ein Muster in Bajajs Portefeuille erkennen zu wollen, macht wenig Sinn, denn der Manager «pickt» ganz einfach seine Favoriten heraus. Das mag spannend anmuten, ist aber auch mit enormen Risiken verbunden. Wenn ein solcher Manager nicht «performt», ist er schnell weg vom Fenster, wie es verschiedene Beispiele in der Branche immer wieder zeigen.

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