Die grosse Wut auf die grossen Banken

Wieder prallt heftige Kritik gegen die Banken und ihre Boni. Unsere These: Der Druck auf die Finanzbranche ist längst nicht vorbei, im Gegenteil: Jetzt geht es erst richtig los.

Offenbar ist jetzt auch Hans-Rudolf Merz der Geduldsfaden gerissen: An einer Kommissionssitzung in Bern soll der FDP-Finanzminister starke Ausdrücke gegen die UBS-Banker fallengelassen haben – mehrere anwesende Politiker berichten, Merz habe von «Betrügern» oder «Gaunern» gesprochen; dies erfuhr der «Tages-Anzeiger» aus diversen Quellen.

Ihm sei es denn auch egal, so Merz vor der Wirtschaftskommission des Nationalrates, ob nun die GPF oder eine PUK die UBS-Affäre untersuche.

Bereits an den Vortagen hatten selbst bürgerlichste Politiker signalisiert, dass sie kein Verständnis mehr für die bisherige Banken-Logik haben. Die Meldung, dass die UBS trotz eines Jahresverlusts rund 4 Milliarden an Boni auszahlen will, brachte sogar FDP-Präsident Fulvio Pelli auf die Palme, und die theoretisch wirtschaftsliberale SVP nahm den Fall zum Anlass, Eingriffe per Aktienrecht zu fordern.

«Den Kampf können sie haben»

Immer wahrscheinlicher wird, dass die Politik die Banken nun tatsächlich strenger an die Kandare nimmt. Denn das bislang von den Banken vorgebrachte Argument, dass der Finanzplatz durch straffere Regulierungen einen Wettbewerbsnachteil erhalte, löst sich in Luft auch.

Am selben Tag, an dem Merz im Bundeshaus gegen die UBS wetterte, wetterte ein anderer ebenso erbost gegen die Wallstreet-Banken – Barack Obama.

Nachdem er an den Vortagen mehrfach über die Boniexzesse beklagt hatte («beschämend»), stellte er gestern ein drastisches Massnahmenpaket vor: Der Eigenhandel der Banken soll verschärften Einschränkungen unterworfen werden, und unter anderem plant die US-Regierung auch Grössengrenzen.

Dass die Bankenlobby hier massiven Widerstand leisten wird, kalkuliert Obama ein: «Wenn diese Leute den Kampf wollen, können sie ihn haben», sagte er.

Wettbewerbsnachteil? Nicht wenn alle regulieren

Zufall oder nicht: Die politischen Ausfälle gegen die Banken haben sich in den letzten Tagen gehäuft. Da war die Idee einer Spezialsteuer für Banken in den USA (verbunden mit dem Applaus im EU-Raum); da war die Bonus-Steuer in Grossbritannien; oder da war der von der französischen Regierung vorangetriebene Plan, den Banken den Tarif durchzugeben, indem man eine neue Grossbank gründet – eine, welche die Interessen der Industrie besser vertritt.

Bislang wurde oft erwartet, dass die Regulierungspläne versanden, je länger die Finanzkrise vorbei ist.

Jetzt zeigt sich: Der Trend dreht sich ins Gegenteil. Dass sich die Banken erholen, wirkt in der Öffentlichkeit verdächtig. Dass sie wieder hohe Boni zahlen, wirkt unanständig.

Die Mentalität hat sich grundsätzlich gewandelt

Die Pläne, die Banken besser zu fesseln (in der Schweiz stark vertreten durch die Nationalbank) werden denn auch in fast allen Ländern ungebrochen vorangetrieben. Nach Barack Obamas Vorstoss von gestern wohl entschiedener denn je.

Es sieht so aus, als ob sich die Mentalität grundsätzlich gewandelt hat: Weder Bevölkerung noch Politiker sind noch bereit, die alten Lohn-Niveaus in den Banken und deren Macht noch länger zu akzeptieren.

Was meinen Sie?

Was sind die Folgen der von Barack Obama angekündigten Bremsen für die Wallstreet-Banken:

Nützt dieser Schritt den Schweizer Grossbanken, weil nun Geschäfte (zum Beispiel mit Hedge Fonds) von der Wall Street abwandern (links)?

Oder bremst er auch die Schweizer Banken, weil die hiesigen Regulierungspläne nun definitiv durchgesetzt werden (rechts)?

Klicken Sie auf den entsprechenden Stern:

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NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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