«Kriminalität bleibt nie ohne Folgen»

Wie beurteilt ein deutsches Finanzhaus in der Schweiz den Datenstreit? Dazu Richard Manger, Vorsitzender der Geschäftsleitung der DZ Privatbank Schweiz.

Herr Manger, ist die Absicht der deutschen Regierung legitim, gestohlene Bankkundendaten zu kaufen?

Die deutsche Bundesregierung hat offenbar auf der Basis rechtlicher Prüfungen eine klare Position eingenommen. Ich bin kein Jurist, habe aber doch erhebliche Zweifel, ob Hehlerei zu den Grundsätzen einer rechtsstaatlichen Grundordnung gehört. Bedenklich sind auch die Signale, die so an allerlei zwielichtige Akteure ausgesandt werden. Sie beschädigen das Gesellschaftssystem in seinen Grundwerten ebenso wie dies Steuerbetrüger tun.

Welchen Schaden nimmt das Schweizer Private Banking durch einen solchen Akt?

Kriminalität bleibt nie ohne Folgen. Wenn Sie Überfälle auf offener Strasse zu befürchten haben, wird eine Stadt sicher nie ein Tourismusmagnet. Wenn der Datenschutz nicht sichergestellt ist, kommen Zweifel am Finanzplatz und dessen Qualitätsstandards auf. Eine klare Position der Schweiz ist daher umso wichtiger.

Was heisst das konkret?

Stellen Sie sich vor, demnächst würden Patientendossiers eines Arztes oder Krankenhauses von unheilbar kranken Menschen den Versicherungsgesellschaften angeboten, um zu verhindern, dass sich durch falsche Angaben zur Gesundheit ein persönlicher Vorteil (hier: Versicherungsschutz) «erschlichen» wird. Solche Beispiele gibt es viele. Die «Medaille» hat immer zwei Seiten.

Was ist zu tun?

Letztlich geht es um den Datenschutz im weitesten Sinn. Darunter fällt für mich auch das Anwalts-, das Patientengeheimnis, das Brief- und Postgeheimnis – und eben auch das Bankkundengeheimnis. Alle diese Sphären des Privaten sind weltweit innerhalb bestimmter Regeln zur Vermeidung von Missbrauch schützenswert. Die Regeln dafür sind sehr eng zu definieren. Sie dürfen nicht fallweise und aus populistischen Überlegungen oder zur Verbesserung der eigenen Wettbewerbsposition der staatlichen oder privaten Willkür ausgesetzt werden.

Wie stellen Sie sicher, dass es in Ihrer Bank zu keinem Datendiebstahl kommt?

Gegen kriminelle Energie gibt es nie einen 100-prozentigen Schutz. Doch man kann viele Vorkehrungen treffen, etwa im Bereich der Zugriffsberechtigungen, bei der Datensicherheit, aber auch und vor allem auf der Ebene der Unternehmenskultur. Um Straftaten wie Datendiebstahl die Grundlage oder gar die Attraktivität zu entziehen, stehen einmal mehr das Geschäftsmodell und die Geschäftskultur einer Bank im Zentrum. Zufriedene Mitarbeiter wollen ihrem Arbeitgeber nicht mutwillig schaden.


Richard.Manger.QuadratRichard Manger wurde 1963 in Schweinfurt in Bayern geboren. Er ist diplomierter Bankbetriebswirt. In den neunziger Jahren war er massgeblich am Aufbau genossenschaftlicher Bankorganisationen im Osten Deutschlands beteiligt und stieg 1995 ins Direktorium der damaligen DG Bank Berlin, dem Vorläuferinstitut der heutigen DZ BANK auf.

Seit 1998 ist er in seiner heutigen Funktion als Vorsitzender der Generaldirektion der DZ Privatbank Schweiz tätig.


Lesen Sie heute dazu auch: «Die Grossbanken halten sich zurück»

 

 

 

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NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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