«Instabilität in der Schweiz ist wie eine Tsunamiwelle»

Iouri Bassarguine bringt seit bald zwanzig Jahren Geschäftsleute und Politiker aus der Schweiz und Russland auf höchstem Niveau zusammen.

Bassarguine_1Iouri Bassargine (Bild) ist Managing Director der Firma FINAS und Executive Secretary des Organisationskomitees des Russian Economic and Financial Forums in der Schweiz

Herr Bassarguine, was sind die grossen Themen beim 9. Russian Economic and Financial Forum vom nächsten Wochenende in Zürich?

Im vergangenen Jahr dominierte die Frage, wie tief die globale Krise noch gehen kann. Inzwischen hat man den Eindruck gewonnen, dass die Talsohle durchschritten ist. Entsprechend hält man nun eher Ausschau nach Strategien für neues Wachstum und Vorkehrungen, um die begangenen Fehler nicht zu wiederholen.

Was denken russische Geschäftsleute heutzutage von der Schweiz?

Insgesamt viel Positives. Als ich 1992 erstmals ein Bankenseminar in der Schweiz organisierte, war die schweizerische Geschäftswelt für russische Finanzleute noch ein Buch mit sieben Siegeln. Es war schwierig, etwas über Private Banking zu erfahren, angefangen beim Umgang mit der Kundschaft, über die richtigen Safes und Tresore, bis hin zu mathematischen Methoden, um Risiken zu berechnen. Inzwischen hat sich das alles verändert. Die Schweiz ist diesbezüglich viel offener geworden, und Private Banking wird mittlerweile auch in Russland, sowohl von ausländischen Finanzhäusern als auch von einheimischen Banken, angeboten.

Was können Russen noch lernen von schweizerischen Geschäftsgepflogenheiten?

Viel Know-how und Erfahrung in Branchen, die für Russland enorm wichtig sind. Neben den Finanzen sind dies etwa die Maschinenindustrie und die Medizinaltechnik. Ich denke auch, dass die Effizienz insbesondere bei den Behörden immer noch um Meilen voraus im Vergleich zur Situation in Russland.


«Das Schweizer Steuersystem hat Vorbildcharakter»

Das massvolle Steuersystem hat ebenso Vorbildcharakter, ausserdem bieten zahlreiche Schweizer Kantone für ausländische Geschäftsleute und Investoren attraktive Rahmenbedingungen an. Vor diesem Hintergrund wird am diesjährigen Forum auch die Präsidentin des Zürcher Regierungsrats, Regine Aeppli, ihren Kanton präsentieren.

Hat das Image der Schweiz in den letzten zwölf Monaten nicht gelitten, angesichts diverser Probleme rund um die UBS, das Bankgeheimnis oder die Steuer-CDs?

Die russische Bevölkerung im Allgemeinen ist sich dieser Probleme kaum bewusst. Sie hat mit anderen Unwägbarkeiten zu kämpfen. Bei russischen Geschäftsleuten hingegen sind die Fakten bekannt und werden mit einer gewissen Besorgnis verfolgt. Gerade weil es sich etwa beim Bankgeheimnis oder beim Diebstahl von vertraulichen Daten um Angriffe auf die Freiheit handelt. Entsprechend verurteilt die russische Geschäftswelt diese Angriffe auf die schweizerische Souveränität scharf.


«Die Schweizer Finanzindustrie ist der Benchmark für russische Banker»
Instabilitäten auf einem der ältesten und besten Finanzplätze der Welt können Tsunami-Wellen auf andere Zentren der Welt aussenden und jenen Kreisen Auftrieb geben, die nur den kurzfristigen Profit anstreben und sich einen Deut um die Rechtmässigkeit ihres Tuns kümmern.

Welchen Stellenwert hat das Swiss Banking für Russland?

Die Schweizer Finanzindustrie ist der Benchmark für russische Banker. Deswegen war es auch möglich, seit nunmehr 18 Jahren alljährlich einen entsprechenden Anlass in der Schweiz zu organisieren und dabei eine grosse Zahl an russischen Bankkaderleuten begrüssen zu können. Bemerkenswert ist zudem: Trotz der Schwierigkeiten, welche der hiesige Finanzplatz seit einigen Jahren durchmacht, ist das Interesse am Swiss Banking bei den Russen eher noch gestiegen. Das lässt darauf schliessen, dass sich das System letztlich doch bewährt respektive seine Vorreiterrolle in der Geldindustrie nach wie vor inne hat.

Was sind die Highlights am diesjährigen Forum?

Aus Moskau kommen zahlreiche führende Politiker, Banker und Behördenvertreter. Um nur einige zu nennen: der stellvertretende russische Premierminister Alexander Zhukov, der stellvertretende russische Finanzminister Sergej Shatalov, die stellvertretende Ministerin für wirtschaftliche Entwicklung, Anna Popova sowie der Vize-Präsident der russischen Zentralbank Aleksey Ulyukaev. Darüber hinaus kommen zahlreiche Bankchefs und Vertreter der Duma.


«Wir rechnen 2010 mit bis zu 4 Prozent BIP-Wachstum»

Von schweizerischer Seite kommen neben Regierungsratspräsidentin Regine Aeppli auch Gerold Bührer, Präsident der Economiesuisse, Eugen Haltiner, Präsident der Finma, oder Michael Lauber, Vorsteher der liechtensteinischen Finanzmarktaufsicht.

Russland wurde von der Finanzkrise stark getroffen. Wie entwickelt sich die Wirtschaft im laufenden Jahr?

Die Situation hat sich dank verschiedener Massnahmen der Regierung markant stabilisiert. Neues wirtschaftliches Wachstum steht an. Experten rechnen für 2010 mit einem BIP-Wachstum von 3,5 bis 4 Prozent. Nach wie vor ist die Arbeitslosigkeit aber enorm hoch, zumal manche Firmen die Finanzkrise als Vorwand genutzt haben, um Stellen in grossem Stil abzubauen. Umgekehrt bietet die aktuelle Situation eine Möglichkeit, die staatliche Bürokratie einzudämmen und etwa auch bei der Entlöhnung neue Massstäbe zu setzen.

Selbst zwanzig Jahre nach dem Fall der Mauer und dem Ende des Kalten Krieges ist es für viele Aussenstehende unklar, welche Rolle die Politik in Russland spielt. Können Sie da etwas Aufklärung liefern?

Im Gegensatz zur Situation in europäischen Ländern hängt die Entwicklung in Russland nach wie vor stark von den Bemühungen der Regierung ab. Das ist auch normal, gerade weil die Erneuerung des Landes sämtliche Bereiche der Gesellschaft erfassen soll. Die Modernisierung soll wirtschaftlicher, kultureller wie auch sozialer Natur sein.


«Das alles soll in geordneten Bahnen verlaufen»
Vor diesem Hintergrund werden unter Präsident Dmitri Medwedew und Premierminister Wladimir Putin weitere staatliche Liberalisierungsschritte und die fortgesetzte Bekämpfung der nach wie vor hohen Korruption erfolgen. Angesichts des riesigen Nachholbedarfs in Russland besteht für wirtschaftliche Akteure ein weites Betätigungsfeld. Aufgabe der Regierung ist es dabei, dass dies alles in geordneten Bahnen verläuft. Auch darüber werden die Referenten am nächsten Wochenende in Zürich berichten.

Mehr Informationen zum Russian Economic and Financial Forum unter diesem Link.

 

 

 

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Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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