Fidelity: «Wenn schlafende Giganten erwachen»

Die Entwicklung in den Emerging Markets und die damit verbundenen Veränderungen sind ein Mega-Thema für Anleger, sagt Alfred Strebel.

Von Alfred Strebel, Managing Director Fidelity International Schweiz und Österreich

Alfred_Strebel_2_qDie Weltwirtschaft, wie wir sie heute kennen, wird im Jahr 2050 kaum mehr zu erkennen sein. Der Aufstieg der Schwellenländer, der Einfluss der Globalisierung und eine historische Verlagerung des Wohlstandes werden die uns vertraute Wirtschafts-, Politik- und Investmentlandschaft stark verändern.

Über weite Strecken des 20. Jahrhunderts spielten die USA die wirtschaftliche Führungsrolle. Diese Vormachtstellung wandelt sich jedoch, denn in Zukunft werden mehrere Pole der Macht bestehen.

Das Wachstum der Schwellenmärkte, insbesondere das der BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China), stellt das unipolare Modell in Frage. Im Jahr 2050 werden die Top Ten der Weltkonjunktur völlig anders aussehen.

Fidelity_Grafik_1_-_Verlagerung

China wird mit hoher Wahrscheinlichkeit zur grössten Volkswirtschaft der Welt aufsteigen. Schätzungen von Goldman Sachs zufolge könnte China die USA bereits 2027 von der Spitze verdrängen. Indien dürfte sich knapp dahinter platzieren, während Brasilien und Russland die wichtigen europäischen Mächte überholen werden (vgl. Goldman Sachs, Global Economics Paper 192, «The long-term outlook for the BRICs and N-11 post crisis», Dezember 2009).

Was Anlegerherzen höher schlagen lässt

Die langfristigen Wachstumsprognosen für China und Indien lassen Anlegerherzen höher schlagen – und sie sind historisch untermauert. Zwischen 1500 und 1700 waren China und Indien sehr stark in die Weltwirtschaft und den internationalen Handel eingebunden.

Ab 1800 durchlebten sie eine Phase der internationalen Isolation und der Selbstgenügsamkeit. Dies änderte sich wieder in den ersten beiden Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg.

Fidelity_Grafik_2_-_Geschichte

Ihre jetzige Renaissance ist überfällig. Es handelt sich schliesslich um die beiden bevölkerungsstärksten Nationen der Erde. Der Unterschied zu früher besteht darin, dass die Regierungen und Unternehmen heute den wirtschaftlichen Fortschritt widerspiegeln.

Geldgeber haben die Macht

Die Geschichte zeigt, dass die wirtschaftliche und geopolitische Macht in der Regel in den Händen der grössten Geldgeber-Nationen liegt.

  • Spaniens Vormachtstellung im 16. Jahrhundert basierte auf dem südamerikanischen Gold
  • Die Holländer dehnten im 17. Jahrhundert ihren Einfluss mit Hilfe des Seehandels aus, bevor Frankreich im 18. Jahrhundert das Ruder übernahm
  • Im 19. Jahrhundert bahnte sich Grossbritannien mit Hilfe von Industrialisierung und Imperialismus den Weg zur wirtschaftlichen Dominanz
  • Die USA übernahmen im 20. Jahrhundert die Weltmachtstellung als grösster Geldgeber und geopolitischer Leader
  • Asien allgemein und China im Besonderen sind die Namen für das 21. Jahrhundert

Noch in den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts galten die USA als grösster Geldgeber der Welt. Seitdem wächst das US-Handelsbilanzdefizit weiter an. Heute ist China der grösste Gläubiger der USA.

Inländischer Konsum hat noch grosses Potenzial

Obwohl China heute Exportnation Nummer Eins ist, trägt der Konsum noch immer weit weniger zum Bruttoinlandsprodukt bei als in den westlichen Ländern. Auch wenn inzwischen deutlich mehr ausgegeben wird, dann geschieht das doch von einem vergleichsweise niedrigen Startniveau aus und wird vom Sparverhalten der Chinesen zusätzlich gebremst.

Die hohe Sparrate in China, Indien und den asiatischen Schwellenmärkten erklärt sich zum Teil dadurch, dass kein soziales Sicherheitsnetz vorhanden ist. Wenn sich die Staaten dieses Problems annehmen, dürfte der Binnenverbrauch zu einem wichtigen Wachstumstreiber werden.

Langfristiger Lohn

Schlussendlich werden den BRIC-Ländern und anderen Schwellenmärkten Wachstumszahlen prognostiziert, mit denen die von der Kreditkrise gebeutelten westlichen Volkswirtschaften nicht mithalten können. Ein Jahrzehnt rapiden Wachstums garantiert zwar noch keine Verschiebung der wirtschaftlichen Vormachtstellung.

Wenn sich aber die erwartete Entwicklung der Weltwirtschaft bis ins Jahr 2050 bewahrheitet, wird diese Verschiebung der Machtverhältnisse auch zu einem gewaltigen Anlagethema. Folglich wird es im MSCIWorld-Index zu Anpassungen kommen, damit der Anteil der Emerging Markets auch deren wirtschaftliche Stellung in der Welt widerspiegelt.

Historische Verschiebung für Anleger

Anleger sollten deshalb sicherstellen, dass ihr Portfolio von dieser historischen Machtverschiebung profitieren kann. Die Nutzniesser zu identifizieren, bedeutet nicht nur, die richtigen Länder zu ermitteln. Mindestens ebenso wichtig sind fundamentale Analysen, um die Unternehmen aufzuspüren, die sich in einer zunehmend wettbewerbsorientierten Welt behaupten können.

 

 

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NEWS GANZ KURZ

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

Generali

Im Verlaufe des Jahres 2017 werden zentrale Funktionen von Generali Schweiz in Adliswil ZH zusammengeführt. Dazu werden rund 100 Stellen aus Nyon VD dorthin verschoben, wie auch finews.ch berichtete. Nun hat der Versicherer ein Konsultations-Verfahren eröffnet. Die gewählte Arbeitnehmer-Vertretung startet umgehend mit den Arbeiten.

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

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