Vernetzte Vermögensverwalter

Im März 2009 lancierte Lombard Odier die Online-Plattform E-Merging: ein Kommunikationsforum für unabhängige Vermögensverwalter. Was taugt es?

Die über 3‘000 unabhängigen Vermögensverwalter auf dem Finanzplatz Schweiz sind eine heterogene Gruppe. Oftmals Einzelkämpfer, sind sie umso mehr auf ein gutes Beziehungsnetz angewiesen.

Auf Grund ihrer hohen Arbeitsbelastung können sie aber manche Aufgaben nur ungenügend wahrnehmen, etwa eine Expansion, die Anstellung zusätzlicher Mitarbeiter oder eine gute Nachfolgeregelung.

Solche Beobachtungen waren es, welche die Genfer Privatbank Lombard Odier dazu bewogen, eine Online-Plattform zu lancieren, die ebendiesen Vermögensverwaltern ermöglicht, untereinander zu kommunizieren und darüber hinaus mit diversen Fachleuten in Kontakt zu treten.


E-merging_d_200

Ziel nicht erreicht?

Wie bei den Genfer Privatbankiers üblich, wurde die Plattform E-Merging ohne grosses Tamtam lanciert. Nun, nach mehr als einem Jahr ihres Bestehens, unterhielt sich finews.ch mit dem zuständigen Leiter Olivier Collombin; er ist Head Independent Asset Managers (IAM) bei Lombard Odier.

Olivier_CollombinWas sogleich auffällt: Olivier Collombin (Bild links) ist überaus realistisch, was die Plattform E-Merging anbelangt. Er sagt: «Allein gemessen an den Zahlen der Vermögensverwalter, die mitmachen, haben wir unser Ziel nicht erreicht. Wir wollten bis Ende 2009 rund 200 Mitglieder haben. Nun sind wir bei 142 Teilnehmern aus insgesamt acht Ländern angelangt, die knapp 60 Milliarden Franken verwalten.»

Neue Kontakte und Geschäftsmöglichkeiten

Mit Blick auf die Erfahrungen jedoch, welche Lombard Odier mit der Plattform gewinnen konnte, muss dagegen von einem wahren Erfolg die Rede sein. Gemäss Collombin hat E-Merging zahlreiche Türen geöffnet.

Rund 50 Prozent der heutigen Mitglieder seien der Bank vor einem Jahr noch überhaupt nicht bekannt gewesen. So besehen hat das Tool der Bank sehr viele neue Kontakte und Geschäftsmöglichkeiten erschlossen.

Was sind die Vorteile?

Wie muss man sich jedoch die Funktion dieser Plattform vorstellen? Was sind die Vorteile für jene Firmen, die mitmachen?

Auf E-Merging können sich die Vermögensverwalter zunächst mit einigen Angaben zu ihrem Geschäft kostenlos anmelden und werden dann persönlich von den Vertretern Lombard Odiers aufgesucht und im Idealfall bei E-Merging aufgenommen. Derzeit sind zehn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des IAM-Desks teilzeitlich mit E-Merging involviert.

76 Prozent wollen fusionieren

Die Teilnehmer haben dann die Möglichkeit, mit anderen Vermögensverwaltern je nach ihren Bedürfnissen und Wünschen in Kontakt zu treten. Obwohl sich da Konkurrenten treffen, sind die Kontakte, die sich ergeben, überaus wertvoll, wie Erhebungen gezeigt haben.

Rund 95 Prozent der Mitglieder auf E-Merging suchen zusätzliche Mitarbeiter mit Kundendepots. Oder: 60 Prozent der E-Merging-Teilnehmer würden gerne ein Büro im Ausland eröffnen und suchen dafür geeignete Partner. Gar 76 Prozent der Teilnehmer streben eine Fusion an, und 32 Prozent der Firmen, die mitmachen, suchen grössere Geschäftsräumlichkeiten, und 14 Prozent sind an einer Nachfolgeregelung interessiert.

Für Leute, die sich selbständig machen wollen

Angesichts dieser vielfältigen Bedürfnisse schaffe E-Merging beste Voraussetzungen, damit sich die richtigen Gesprächspartner fänden, erklärt Olivier Collombin. Interessant ist die Plattform auch für Bankleute, die sich selbständig machen wollen. Denn hier finden sie eine Vielzahl von Tools und Spezialisten, um ihre Berufspläne umzusetzen.

Allein in den ersten zwölf Monaten sei es unter diesen Bedingungen zu nicht weniger als 300 Kontaktanfragen gekommen. Beim ersten «physischen» Treffen der jeweiligen Partner ist noch jemand von Lombard Odier dabei, um allfällige Finanzbedürfnisse abzuklären. In der Folge ist es den Akteuren überlassen, ein gemeinsames Ziel zu realisieren.

Zusätzliche Spezialisten

Um die Attraktivität weiter zu steigern, hat Lombard Odier eine Reihe von Spezialisten auf die Plattform integriert, die verschiedene Dienstleistungen anbieten, welche für unabhängige Vermögensverwalter nützlich sein können.

Das Angebot reicht von Kommunikations-Diensten, Immobilienberatung, IT-Services, Webdesign, Rechtsberatung über Werbung, Branding bis hin zu Versicherungen, Outsourging, Head-Hunting und Beratungen aller Art. Diese Firmen zahlen eine jährliche Gebühr von 2‘500 Franken, um auf E-Merging zu figurieren.

Harter Wettbewerb

Die auf der Plattform vertretenen Vermögensverwalter sind bunt gemischt. Je 45 Prozent stammen aus der Romandie und der Deutschschweiz, die restlichen zehn Prozent aus dem Ausland. Eine weitere Durchmischung ist absehbar, betont Olivier Collombin.

Ausserdem ist dieser Berufsstand grossen Veränderungen ausgesetzt. Zwar ist auch in diesem Bereich mit einer weiteren Konsolidierung zu rechnen, doch für die gut positionierten und auf die neuen Kundenbedürfnisse ausgerichteten Independent Asset Managers eröffnen sich in den nächsten Jahren enorme Chancen.

Nächstes Ziel 350 Mitglieder

Collombin geht davon aus, dass sich der Marktanteil der unabhängigen Vermögensverwalter bis 2015 verdoppeln wird – von derzeit 15 Prozent auf bis zu 30 Prozent der Assets under Management in der Schweiz. Insbesondere dürften die Anforderungen in Bezug auf Tax-Compliance, Multi-Familiy-Offices, Cross-Border-Aktivitäten und Weissgeld-Strategie noch markant steigen.

Professioneller Rat und gute Vernetzung sind vor diesem Hintergrund wertvoller denn je. Darum ist Olivier Collombin auch zuversichtlich, bis Ende dieses Jahres die Zahl der Mitglieder auf der Plattform E-Merging auf 350 steigern zu können.

Erfahrungsberichte, Blogs und News geplant

Um E-Merging noch attraktiver zu gestalten, sollen weitere Tools aufgeschaltet werden, wie Collombin andeutet. Er denkt an eine Austauschplattform für Anlagefonds, an Erfahrungsberichte und Blogs einzelner Teilnehmer oder an Newsquellen und Veranstaltungen in verschiedenen Städten, wo man sein Beziehungsnetz persönlich pflegen kann.

 

 

 

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden.

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Gegen die romantische Verblödung
  • Deutsche Bank im Visier Chinas
  • Die nächste Blase platzt im Bong
  • Nackfotos für einen Kredit
  • Die Rendite ist weiblich
  • Das sind Trumps Einflüsterer
  • Diese TV-Stars verdienen am meisten
mehr

Follow us

Follow finews.ch on Twitter Follow finews.ch on Facebook Follow finews.ch on Google+ Follow finews.ch on LinkedIn Follow finews.ch on Xing Follow finews.ch on Youtube Follow finews.ch on Instagram Follow finews.ch

Newsletter

Newsletter-SymbolKostenlos abonnieren

Abonnieren Sie jetzt den finews.ch-Newsletter und Sie erhalten kostenlos 2x wöchentlich die wichtigsten News aus der Schweizer Finanzwelt per E-Mail.

Zürcher Bankenverband

News und Einschätzungen zum Zürcher Finanzplatz.

Beiträge lesen

Lohnvergleich

Lohnvergleich

Verdienen Sie genug? Vergleichen Sie doch mal Ihren Lohn.

zum Lohnvergleich

SELECTION

«Die Quartalsergebnisse verfehlten die Erwartungen»

«Wegen der zunehmenden Regulierung»

Es gibt Finanz-Sprüche, die wir dauernd hören ? obwohl sie nichts sagen. Hier einige Highlights.

Selection

Selection

Diese Bank bezahlt am besten

Bei den Löhnen sticht eine Bank mit grossem Abstand hervor.

Selection

NEWS GANZ KURZ

Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

weitere News