Mai
17
2012
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Ein Blick auf die Schwellenländer genügt, um zu wissen: Der Konsum ist ein grosses Thema im 21. Jahrhundert. Für Anleger bieten sich enorme Chancen.

Nick_PriceVon Nick Price, Fondsmanager bei Fidelity International

Ganz gleich, ob man einen asiatischen Vertriebsmitarbeiter bei Coca Cola, einen Ökonomen der Weltbank oder einen Händler auf dem Markt in Neu Delhi fragt. Die Antwort wird stets dieselbe sein. Der Konsum ist ein grosses Thema im 21. Jahrhundert.

Das sind die Gründe: Die wirtschaftliche Entwicklung der Schwellenländer in den letzten Jahren hat die Lebenssituation vieler Menschen stark verbessert und die bisher niedrigen Privateinkommen deutlich ansteigen lassen.

Das anhaltend hohe Wirtschaftswachstum und zusätzliche Produktivitätssteigerungen werden dabei zu einer weiteren  Zunahme der Anzahl Konsumenten und ihrer Kaufkraft führen.

Die Weltbank geht davon aus, dass sich die «globale Mittelschicht» bis 2030 nahezu verdreifachen wird. Nach heutigen Erhebungen zählen rund 430 Millionen Menschen zur Mittelschicht.

Durch das Wachstum in den Schwellenländern wird der Anteil der Bevölkerung, der den Sprung vom reinen Existenzminimum zu frei verfügbarem (Konsum-)Einkommen schafft, in den nächsten Jahren jedoch deutlich zunehmen.

Versuch_2

(Quelle: Weltbank, September 2009)

So geht die Weltbank davon aus, dass sich die globale Mittelschicht bis zum Jahr 2030 auf 1,2 Milliarden Menschen erhöhen wird. Rund 93 Prozent davon werden dannzumal in den Entwicklungsländern leben. Zum Vergleich: Im Jahr 2000 waren es erst 56 Prozent gewesen.

Wachstumstreiber Binnenmarkt

Da die Schwellenmärkte immer produktiver und wohlhabender werden, steigen auch die Privateinkommen in diesen Ländern. Darum wird eine massive Zunahme der Anzahl Konsumenten und ihrer Kaufkraft erwartet.

Den grössten Beitrag zum Konsumwachstum dürften China, Südasien und Indien leisten, aber auch Brasilien, Russland und Teile Afrikas.

Konsum_1

China und Indien haben in der Finanzkrise erkannt, dass die Abhängigkeit von Exporten gerade in westliche Länder reduziert und das Wachstum vermehrt im Inland gesucht werden muss. Einer der wichtigsten Wachstumstreiber ist dabei der inländische Konsum, der insbesondere in diesen beiden Ländern noch grosses Potenzial birgt.

Fehlende Sozialsysteme bremsen noch

Als Wachstumsbremse erwies sich bislang das in den asiatischen Schwellenländern ausgeprägte Sparverhalten. In Indien beträgt die Sparquote 55 Prozent vom Bruttoinlandprodukt (BIP), in China ist der Anteil 45 Prozent. In Brasilien, wo das Konsumdenken bereits fester Bestandteil der Alltagskultur ist, macht die Sparquote nur rund 17 Prozent des BIP aus.

Ein Grund dafür ist die (noch) fehlende staatliche Sozialversicherung, weshalb tendenziell ein kleinerer Teil der Privateinkommen in den Konsum fliesst, da er für die private Vorsorge eingesetzt werden muss. Der Ruf nach Reformen der Sozialsysteme wird aber immer lauter.

Gute Ausgangslage schaffen

Der Konsumboom wird sich in zweifacher Hinsicht bemerkbar machen: zum einen bei Gütern des täglichen Bedarfs wie Nahrungsmittel, Wohnraum und Energie, zum anderen zunehmend auch bei Ausgaben, bei denen das Markenbewusstsein eine entscheidende Rolle spielt.

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Je mehr Einkommen zur Verfügung steht, desto grösser wird der Wunsch nach aktuellen Modetrends und dem neusten Mobiltelefon.

Dauerhaftes Anlagethema

Multinationale Konzerne setzen deshalb auf bewährte, aufstiegsorientierte Werbung, um ihre Marken aufzubauen und eine gute Ausgangsposition in einem Geschäft einzunehmen, das nach Ansicht vieler zu den dauerhaftesten Anlagethemen des 21. Jahrhunderts gehören wird.

Insbesondere in China und Russland führt das prestigehaltige Konsumdenken zu steigendem Umsatz westlicher Luxusmarken, da die heimische Konkurrenz (noch) fehlt.

Wohlstand wird vorgeführt

LVMH_1

(Quelle: DataStream, Juli 2010)

LVMH steht als Luxusgüterkonzern hinter Marken wie Louis Vuitton, Givenchy, Tag Heuer, Moët, Hennessy und Dom Perignon. Das Unternehmen eröffnet derzeit neue Filialen in China, um vom «Statuskonsum» der chinesischen Topverdiener zu profitieren. Entsprechend entwickelt sich der Aktienkurs besser als der Index europäischer Aktien.

Verlagerung des Wachstums

Während branchenspezifische Anlagethemen nur in bestimmten Phasen des Anlagezyklus Erträge versprechen, ist das stetige Konsumwachstum ein attraktives und dauerhaftes Thema, das langfristig in keinem Aktienportfolio fehlen sollte.

Die Verlagerung des Wirtschaftswachstums von den ausgereiften Industrienationen auf die wachstumsstarken Schwellenländer hat bedeutsame Auswirkungen, darunter die bevorstehende explosionsartige Ausdehnung der globalen Mittelschicht und der damit einhergehende Konsumboom.

Vielfältige Konsequenzen für Anleger

Dies mag simpel erscheinen, aber für Anleger ergeben sich daraus vielfältige Konsequenzen: Flexible und fokussierte lokale Firmen bieten in manchen Bereichen die besten Chancen. In anderen dagegen dürften westliche Unternehmen mit starken Markennamen und grossen Werbebudgets am stärksten profitieren.

Die Entwicklung der Infrastruktur kann hervorragende Anlagechancen mit sich bringen, aber das langfristige Wachstumspotenzial, das die Investoren interessieren sollte, liegt im Konsum. Denn das hohe und beständige BIP-Wachstum der letzten Jahre führt in vielen Volkswirtschaften zu steigenden Einkommen und zu einer Ausdehnung der Mittelschicht.

Der Konsum in den Schwellenmärkten hat daher noch ein beträchtliches Steigerungspotenzial.


Anleger finden weitere Informationen unter diesem Link.

 

 

Kommentare 

 
#2 Gast 2010-08-10 11:58
Konsumieren macht glücklich und hält gesund.
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#1 Gast 2010-08-10 10:51
Es wäre noch anzumerken, dass sich Wohlstand (Kapital) nicht aus Konsum ergibt, sondern aus Produktion. Konsum ist der Verzehr von Kapital. Produktion hingegen ist der kreative Einsatz von Kapital. Von daher wäre es interessanter zu wissen, wer der Welt etwas zu bieten haben in Bezug auf wertvolle Produkte und Dienstleistungen. Aber einfach zu konsumieren, möglicherweise noch auf Kredit, das ist keine grosse Kunst! Konsum ist nicht Wohlstand!
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