Wackeln die Schweizer Werte?

Voller Stolz verkündet die Schweiz, wie schnell die Gelder von den Despoten in Tunesien und Ägypten blockiert wurden. Von Schweizer Diskretion fehlt da jede Spur.

Grundwerte, mit denen sich die Schweizer Banken auch noch heute brüsten, sind Stabilität, Diskretion und Vertrauen. Werte, für die nicht nur der Bankensektor gestanden hat, sondern Werte, mit denen die gesamte Schweiz aus dem Ausland wahrgenommen wurde und die auf den Bankensektor übertragen wurden.

Diese Zeiten scheinen nun endgültig vorbei zu sein. Angefangen hat der ganze Prozess mit dem Steuerstreit der USA gegen die UBS. Die Schweiz stellte sich dort schon aussen- und innenpolitisch ins Abseits. Die Finma hat im Januar 2001 entgegen ihrer rechtlichen Befugnisse auf Geheiss des Bundesrates Bankkundendaten an die USA übergeben. Die Wahrung der Privatsphäre, ein bis dahin respektiertes Gut, wurde einfach übergangen.

Den Kurs, den die Regierung nun einschlägt, befindet sich zwar in Rahmen ihrer Befugnisse, wirft jedoch die Frage auf, welche Relevanz dem Finanzsektor zugemessen wird. Wenn die Schweiz nämlich voller Stolz herausposaunt, dass sie Gelder von Ben Ali und Mubarak noch schneller als die EZB gesperrt habe, muss man sich wundern, wieso man sich hiermit so sehr brüstet.

An der Tatsache, dass die Konten gesperrt werden, gibt es nichts zu bemängeln. Was ist aber aus der Tugend der Diskretion geworden? Muss sich die Schweiz derart öffentlich vor der Welt als Musterknabe beweisen? Denn für ausländische Investoren und Anleger könnte dies eine Signalwirkung haben. Die Schweiz signalisiert, dass Diskretion nicht mehr so wichtig ist.

Und die hochgelobte Schweizer Stabilität muss Seitenhiebe erleiden. Trotz neuen Amtshilfeverfahren mit diversen Ländern und Anpassung der Steuerrichtlinien an OECD-Standards wird der Schweiz mit grauen und schwarzen Listen gedroht. Die stabile Schweiz gibt einfach klein bei.

Indem man die Schweizer Grundwerte vernächlässigt, verliert auch der Bankenplatz Schweiz immer mehr an Attraktivität. Dass Finanzministerin Widmer-Schlumpf dem Druck der OECD so schnell nachgegeben hat, erklärt sich der «Basler Zeitung» damit, dass nun Wahljahr sei und man hiermit die linke Wählerschaft auf seine Seite ziehen will.

Lohnt es sich jedoch, den Finanzsektor für Wählerstimmen aufs Spiel zu setzen? Zurecht fragt sich das «Wall Street Journal», wie lange Vermögen auf Schweizer Banken noch sicher sind.

 

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NEWS GANZ KURZ

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

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