«Ein Business Case für bessere Tugenden»

Tobias_Bettkober_qSollten Kapitalmärkte wirklich fallen, wenn Menschen in einem Kulturraum mit 350 Millionen Menschen nach Freiheit streben?

Tobias Bettkober ist seit Dezember 2009 als Senior Portfolio Manager bei dem seit 1993 auf Wandelanleihen spezialisierten Unternehmen Holinger Asset Management in Zürich tätig. Er ist Dipl.-Kfm. (Universität Tübingen) und Dipl.-Ing. Elektrotechnik der TU Berlin sowie Chartered Financial Analyst (CFA). Er schreibt regelmässig für finews.ch.

Die Desinformationsgesellschaft blüht – zweifelhafte Unternehmensberichte, unlesbare Anleihenprospekte, Bankmanager, die mit gekauften Ratings und dubiosen Risikomassen Generationen von Steuerzahlern ruinieren, Manipulation formell freier Medien, Minister die – gestern noch junge Hoffnungsträger, heute schon dreiste Betrüger – trotz Adelstitel unehrenhaft lange an ihrem Ministeramt kleben!

Geht die Wahrheit zusammen mit der Sprache verloren in dieser Informationsgesellschaft? Vor allem scheint ja, die Lüge propagiert zu werden und bedroht dadurch das Wort an sich aufgrund der aus universellem Misstrauen folgenden Bedeutungslehre. Dazu aktuell politisches Chaos im Nahen Osten mit Rezessionsgefahr aus steigenden Ölpreisen und politischer Instabilität. Ist die Welt wirklich so schlecht?

Kulturraum mit 350 Millionen Menschen

Der ökonomische Schaden des epidemischen Vertrauensverlustes könnte seinen Business Case für bessere Tugenden selbst erschaffen. Sollten Kapitalmärkte wirklich fallen, wenn Menschen in einem Kulturraum mit 350 Millionen Menschen – also vergleichbar mit den USA und Europa – plötzlich nach Freiheit streben; auf eine Weise, die bisher dem Beispiel Ostdeutschlands 1989 wunderbar folgt und entgegen aller Befürchtungen sehr demokratisch und völlig unislamisch geprägt ist?

Worauf will ich investmenttechnisch hinaus?

Auf ein Potential, das der frühere US-Notenbankpräsident Alan Greenspan in seinen Memoiren als die Hauptursache für den Wachstums- und Aktienboom der achtziger und neunziger Jahre sieht – das Ende des Kalten Krieges und die Ausbreitung demokratischer Strukturen.

Welt könnte besser werden

Dieses Potential könnte genauso in der wirtschaftlichen Entwicklung der arabischen Welt liegen, insofern könnte die Welt im Augenblick ein grosses Stück besser werden. Natürlich gibt es das Risiko eines Bürgerkrieges und die Wirtschaftsroutine (Stichwort Öl-Produktion) stockt. Aber wie soll es anders gehen bei solchen Umbrüchen? Hier sollte ökonomisch deutlich zwischen kurzfristigem Aufwand und langfristigem Entwicklungspotential unterschieden werden.

Der kurzfristigere Blick auf den Markt notiert jedenfalls ein positives Ergebnis für Wandelanleihen und Aktien im letzten Monat. Emerging Markets verzeichneten wiederum Abflüsse auf Obligationen- wie auf Aktienseite, die den Rekord aus der Finanzkrise einstellten.

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Achtung Kaufgelegenheit – Rekordabflüsse aus Emerging Markets Aktienfonds (Quelle: JPMorgan Research)

Langlaufende Staatsanleihen in Dollar und Euro haben inzwischen eine bemerkenswerte Korrektur vollführt und die Schwelle zum Bärenmarkt erreicht. Dagegen erreichten High Yield Bonds in den USA wieder die Rekordtiefststände mit einer Verzinsung von 7 Prozent.

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Charts links: Rekordtief –Verzinsung von US-High-Yield-Anleihen 7 Prozent; Chart rechts: Bond-Bärenmarkt? – Performanceknick langlaufender Dollar- und Euro-Staatsanleihen (Quelle: Bloomberg)

Im Gegensatz zum US-Markt weiteten sich bei den Emerging-Market-Bonds analog zur Aktienschwäche die Kreditprämien aus. Die rasche, ausgeprägte Korrektur bei Letzteren hat selektiv und mindestens kurzfristig attraktive Einstiegs-Chancen wieder geschaffen.

Weitere Informationen unter diesem Link.

 


Hollinger_4Tobias Bettkober ist Begründer und Manager des «H.A.M. Convertible Growth Fonds» (Chart links, Performance in Euro). Der Publikumsfonds investiert weltweit aktiv in Wachstumswerte, vornehmlich mittels Wandelanleihen. Er ist als Alternative für Hochzinsanleihen und Aktieninvestoren gedacht.

 

 

 

 

 

 

 

 

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NEWS GANZ KURZ

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

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