Peter P. Held: «Neue Strategien gefordert»

Das Klima im Bankenmarkt wird rauer. Die Geschäftsvolumen stagnieren, die Margen sinken.  Neue Geschäftsmodelle sind gefragt, sagt Peter P. Held vom «BankenBeratungszentrum».

Peter_Held_qDer Schweizer Bankenmarkt war 2010 mit grossen Herausforderungen konfrontiert: neue regulatorische Anforderungen, weiter steigende Wettbewerbsaggressivität, Neupositionierung im Cross Border-Anlagegeschäft, Vielfalt der Distributions- und Vertriebskanäle und anderes mehr.

Hoher Windchill-Faktor beeinträchtigt die Gesamtperformance

Dieses Marktumfeld ging einher mit stagnierenden Geschäftsvolumen, einem hohen Margendruck und zusätzlichen Investitions- bzw. Betriebskosten.

Die Kundengelder, Ausleihungen an Kunden sowie Depotvolumen – also die Rohstoffe für die Wertschöpfung – sind um rund 1 Prozent zurückgegangen. In den einzelnen Geschäftsbereichen sind indes ganz unterschiedliche Entwicklungen festzustellen.

Bei den für das Anlagegeschäft relevanten Depotvolumen sind die inländischen Depots leicht gestiegen, während die ausländischen Kunden einen Rückgang von 4 Prozent verzeichneten. Die Depotvolumen der Privatkunden haben abgenommen, während diejenigen der Institutionellen gestiegen sind.

Stark bilanzvolumen- und inlandorientierte Banken haben ein ganz anderes Marktumfeld erlebt, denn die Hypothekarvolumen nahmen 2010 nochmals um 5 Prozent und die Spar- und Anlagegelder um 7 Prozent zu.

Durch zunehmende Marktaggressivität, stagnierende Volumen und rückläufige Margen, wird das Klima im Bankenumfeld rauer. Zudem sind die Banken einem harten Gegenwind ausgesetzt.

Weitere Marktanteilsverschiebungen

Im Schweizermarkt zeichnen sich weiterhin Marktanteilsverschiebungen ab. Der Druck der Grossbanken auf dem Inlandmarkt schlägt sich noch nicht in den  Marktanteilen durch. Zu den Gewinnern gehören die Kantonalbanken- und Raiffeisenbankengruppe, einzelne Universalbanken sowie die PostFinance.

Auch im Anlagegeschäft ist das Marktumfeld härter geworden, haben doch die Depotvolumen der stark umworbenen in- und ausländischen privaten Kunden um insgesamt 80 Milliarden Franken oder 7 Prozent abgenommen.

Rückgang der Bruttoerträge fordert Branche heraus

Aus diesen Entwicklungen resultiert für die Banken insgesamt ein Rückgang des Bruttoertragspotenzials. 2010 gelang nur wenigen Banken eine Ertragssteigerung, und das vor allem durch Volumensteigerungen. Unter anderem waren das einzelne Kantonalbanken, Migros Bank, PostFinance, Raiffeisen.

Seit 2006 ist ein Rückgang der Zinsspanne (Marge auf Aktiv- und Passivseite der Bilanz) feststellbar. Durch die zunehmende Transparenz und Wettbewerbsaggressivität im Hypothekargeschäft  werden betriebswirtschaftliche Preisuntergrenzen heute teilweise durchbrochen und hinterlassen deutliche Spuren in den Erfolgsrechnungen.

Die Margen im Anlagegeschäft blieben insgesamt konstant, durch die erwähnten Volumenverschiebungen zugunsten des tiefermargigen institutionellen Geschäftes resultiert auch hier ein Rückgang des Ertragspotenzials.

Markante Unterschiede auf der Kostenseite

Bei der Kostenentwicklung zeigt sich ein unterschiedliches Bild. Kosteneinsparungen beginnen zu greifen, wenn auch nicht bei allen Banken. So hat beispielsweise die Kantonalbankengruppe den Betriebsaufwand um rund 3 Prozent reduziert.

Zusätzlich waren viele Banken auch 2010 mit hohen Absicherungskosten der Zinsänderungsrisiken konfrontiert, was bei einer mittelgrossen Bank bis 20 Millionen Franken an Zusatzkosten bedeuten kann. Durch diese Entwicklungen verschlechtern sich die erfolgsrelevanten Kennzahlen über die gesamte Branche und stellen diese vor neue strategische Herausforderungen.


Die Schlüsselfragen und die Handlungsoptionen

Der Konzentrationsprozess in der Branche wird aufgrund dieser Rahmenbedingungen weiter voranschreiten. Für einzelne Banken stellt sich die übergeordnete Frage der kritischen Grösse beziehungsweise der künftigen Selbstständigkeit. Entscheidungsgrundlagen liefern strategische und konzeptionelle Überlegungen in den nachfolgenden Bereichen.

  1. In welchen Wettbewerbsarenen bewegt sich die Bank heute und in Zukunft?
  1. Wie lassen sich der Share of Wallet bei den Kunden, der Marktanteil sowie Bruttoerträge in wesentlichen Marktbereichen in den bestehenden Wettbewerbsarenen steigern? Gibt es im Sinne einer Diversifikation neue Wettbewerbsarenen die künftige Wertschöpfungsbeiträge generieren?
  1. Welches Potenzial für Effektivitäts- und Effizienzsteigerungen und somit zur Ressourcen- bzw. Kostenoptimierung ist vorhanden?
  1. Welches ist das Optimierungspotenzial im Risikomanagement und Asset-und-Liability-Management?
  1. Welchen Einfluss haben die neuen Eigenkapitalanforderungen von Basel III auf die Geschäftsmodelle?

 

Aus diesen strategischen Fragestellungen sind nachgelagerte konzeptionelle und taktische Massnahmen zu initialisieren, um sowohl die Ertrags- als auch die Kostenseite –unter Berücksichtigung der Risiko- und Eigenkapitaloptik – zu optimieren. Hier sind selbstverständlich auch die kunden-, mitarbeiter- und prozessspezifischen Dimensionen mit zu berücksichtigen. Entsprechend breit und umfassend muss die Strategieentwicklung abgestützt sein, zum Beispiel auf Basis einer Balanced Scorecard.

Erfolgsfaktoren

Um eine optimale Gesamtbanksteuerung zu erzielen, sind aufeinander abgestimmte Massnahmen zur Optimierung von Ertrag, Kosten sowie Risiken und Eigenkapitalnutzung zu prüfen. Bei der Lösungsfindung kann die strategische Auseinandersetzung mit den nachfolgenden Schlüsselfragen helfen.

  1. Ertragsoptimierung

Können Ertragssteigerungen vermehrt über die Steigerung der  Geschäftsvolumen erzielt und Massnahmen zum Ausbau der Marktanteile bzw. zu Marktinnovationen realisiert werden? Welches sind die Differenzierungs- und Profilierungsstrategien sowie die Distributions-  und Marktbearbeitungsstrategie (Akquisition, Steigerung Share of Wallet, Nutzung neuer Distributionskanäle, Geschäftsfelder oder Produktinnovationen)? Wie kann die Margenerosion durch einen anderen Preis-Leistungs-Mix (schaffen von Kundenmehrwert) mit höherer Wertschöpfung sowie durch innovative Preismodelle aufgefangen werden?

  1. Kostenoptimierung

Wie können die Aktivitäten  im Frontbereich (rund 50 Prozent der Kosten) effizienter zum Ausbau der Marktposition genutzt werden? Welches Optimierungspotenzial besteht bei den Abwicklungsprozessen (Middle und Back Office) und in den verschiedenen Corporate Center-Funktionen? Ist Sourcing eine mögliche Option zur Kostenoptimierung? Welche Führungsinformationen haben wir zur Steuerung der einzelnen Ertrags- und Kostengrössen?

  • Risiko- und Eigenkapitaloptimierung

Wie können wir die Risiken aktiver zu managen? Besteht Optimierungspotenzial bei den Absicherungskosten durch neue Leistungsangebote beziehungsweise mit dem bewussten Eingehen einzelner Markt- oder Zinsänderungsrisiken? Sind die Eigenmittel richtig eingesetzt? Nutzen wir ein Risk Adjusted Pricing unter Einbezug der Eigenkapital- und Risiko(absicherungs)kosten in Strategieentscheiden?
Umgehend starten!

Gefordert sind eine vertiefte Auseinandersetzung mit der Zukunft in der Branche, eine darauf ausgerichtete chancen- und risikogetriebene Bankstrategie und danach ein konsequent eingeleiteter Transformationsprozess. Der Prozess zur Erarbeitung neuer Bankstrategien und Geschäftsmodelle muss umgehend gestartet werden! Ein externes Strategie-Coaching hilft, den notwendigen Denk-, Lösungsfindungs- und Umsetzungsprozess erfolgreich zu meistern.


Peter P. Held war 15 Jahre in der Bankbranche tätig und ist seit 1996 Geschäftsführender Partner, BankenBeratungsZentrum, 
BERNET & PARTNER, Zug.


 

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden.

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Gegen die romantische Verblödung
  • Deutsche Bank im Visier Chinas
  • Die nächste Blase platzt im Bong
  • Nacktfotos für einen Kredit
  • Die Rendite ist weiblich
  • Das sind Trumps Einflüsterer
  • Diese TV-Stars verdienen am meisten
mehr

Follow us

Follow finews.ch on Twitter Follow finews.ch on Facebook Follow finews.ch on Google+ Follow finews.ch on LinkedIn Follow finews.ch on Xing Follow finews.ch on Youtube Follow finews.ch on Instagram Follow finews.ch

Newsletter

Newsletter-SymbolKostenlos abonnieren

Abonnieren Sie jetzt den finews.ch-Newsletter und Sie erhalten kostenlos 2x wöchentlich die wichtigsten News aus der Schweizer Finanzwelt per E-Mail.

Zürcher Bankenverband

News und Einschätzungen zum Zürcher Finanzplatz.

Beiträge lesen

Lohnvergleich

Lohnvergleich

Verdienen Sie genug? Vergleichen Sie doch mal Ihren Lohn.

zum Lohnvergleich

SELECTION

Wo die grossen Vermögen lagern

Hier liegt das Geld

Ein virtueller Rundgang durch die Tresore der Schweizer Banken.

Selection

«Trag nie Hermes-Krawatten. Niemals.»

So umkurvt man Fettnäpfchen

Eine Tipp-Liste für Jungbanker.

Selection

NEWS GANZ KURZ

Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

weitere News