Eine neue Quelle für EU-regulierte Hedge Funds

Die Schweizer Firma Naisscent Capital hat den ersten alternativen Ucits-Fondsreport mit mehr als 1'000 Einzelfonds und 100 Dachfonds publiziert.

Der neue Fondsreport ist die grösste Quelle für EU-regulierte alternative Ucits-Fonds und wird ab sofort monatlich publiziert. Der Einzelfonds-Report mit einer vertieften Analyse von 1'000 Fonds ist gratis abonnierbar über diesen Link erhältlich.

Herausgegeben wird der «Alternative Ucits & Newcits Fund Report» von der Firma Naisscent Capital. Das Unternehmen verwaltet selber einen Dachfonds, der hauptsächlich in Ucits-Fonds investiert. Firmenchef Luigi Amato (Bild) erklärt im Interview mit finews.ch, was ihn zu dieser Arbeit bewog.

Luigi_Amato

Herr Amato, Sie haben 1'000 alternative Ucits-Single-Hedge-Funds und Absolute Return Fonds unter die Lupe genommen und daraus einen umfassenden Report erstellt. Was bringt diese enorme Datenmenge?

Interessierten Investoren bietet sich damit ein kompletter und transparenter Überblick über die verfügbaren alternativen Ucits-Fonds. Je grösser die Auswahl, desto besser lassen sich die Resultate der einzelnen Fondsmanager mit derselben Strategie vergleichen. Unser Report erlaubt ein schnelles Screening von Hunderten von Fonds anhand verschiedener Kriterien.

An wen richtet sich der Report?

Der Report richtet sich ausschliesslich an professionelle, in der Schweiz «qualifizierte» Anleger.

Was kostet er?

Der Single-Funds-Report ist gratis zu abonnieren und erscheint monatlich. Der Fondsreport finanziert sich hauptsächlich über Werbung von Produktanbietern. Der Dachfonds-Report kostet jährlich 800 Euro.

Ist das die Unabhängigkeit denn noch gewährleistet?

Ja. Wir geben keine qualitativen Wertungen ab über einzelne Fonds. Jeder einzelne der über 1'000 Fonds wird nur auf Grund seiner Daten im Quervergleich zu seiner Vergleichsgruppe nach verschiedenen Kriterien wie Performance, Volatilität, Sharpe-Ratio analysiert. Die Daten erhalten wir von den grössten unabhängigen Finanzdaten-Anbietern, welche nur vom Fondsadministrator verbreitete offizielle NAVs publizieren. Im Fondsreport verwenden wir keine vom Fondsmanager publizierten Daten.

Was sind die wichtigsten Erkenntnisse aus Ihrer Arbeit?

Das verfügbare Anlageuniversum an alternativen Ucits Fonds wächst rasant. Nach dem Rekordjahr 2010 mit ungefähr 350 neuen Fonds in unserem Fondsreport, kamen dieses Jahr bis jetzt etwa 150 neue Fonds hinzu. Doch nicht nur die Anzahl steigt, sondern auch die Qualität.

Inwiefern denn?

Zum einen bieten immer mehr Hedge-Fund-Manager ihre Anlagestrategie auch im Ucits-Fondsmantel an. Zum andern lassen sich in den derzeit schwierigen Märkten grosse Performance-Unterschiede feststellen. Zum Teil starke Konkurrenz erwächst den etablierten Hedge-Fund-Managern durch traditionelle Long-Only-Asset-Manager, die ihre alternativen Fonds extern oder auch intern von Hedge-Fund-Spezialisten managen lassen. Auch hier spielen Ucits-Plattformen eine Rolle: Letzte Woche startete die Firma Lyxor mit dem ersten Manager auf ihrer Ucits-Plattform.

Gab es Überraschungen beim Erstellen des Reports?

Die Grenzen zwischen Hedge-Fund-Managern und Anbietern von Absolute Return Produkten verwischen. Beide nützen die Möglichkeiten aus, welche sich innerhalb der Ucits III/IV-Anlagerichtlinien ergeben. Traditionell sind etablierte Hedge-Fund-Manager eher in Aktien- und Trading-basierten Anlagestrategien vertreten, während klassische Akteure im Fixed-Income-Bereich so genannte Duration-Modell-Fonds und in der Asset-Allokation GTAA-Modell basierte Fonds anbieten.

Eine grosse Überraschung war für mich uns, insgesamt 18 ABS-Ucits Fonds entdeckt zu haben. Doch die meisten wurden noch vor der Finanzkrise 2008 aufgelegt, und viele davon sind geschlossen für Neugelder.

Welchen Stellenwert haben Hedge Funds respektive Absolute Return Fonds im aktuellen Anlageumfeld?

Sie sollten eigentlich nicht nur in den Medien Beachtung finden, sondern auch in den Portfolios der Anleger. In Zeiten hoher Volatilität und Unsicherheiten an den Finanzmärkten korreliert alles sehr stark. Manche Anlagestrategien helfen, ein Portfolio stabiler zu gestalten. Beispielweise gibt es Fixed-Income-Fonds mit einem Short-Kreditexposure. Diese haben sich natürlich sehr gut entwickelt.

Wie ist die Transparenz bei Hedge Funds und Absolute Return Fonds?

Die Ucits III/IV-Anlagerichtlinien haben die Transparenz markant erhöht. Rund 85 Prozent der Einzelfonds publizieren tägliche Fondspreise. Anleger sehen die Gewinne und Verluste des Fondsmanagers auf täglicher Basis und können so seine Strategie besser nachvollziehen. Die Manager zeigen in Ihren Fact Sheets meistens auch die zehn grössten Positionen und Exposures.

Welchen Stellenwert hat die Schweiz als Standort für Hedge Funds?

Auf der Ebene von Einzelfonds hat die Schweiz praktisch keine Bedeutung, weil die Trader ihr Know-how in den Handelsabteilungen der internationalen Banken lernen. Diese sind aber nicht in Zürich oder Genf, sondern in London, New York, oder in Tokio. Auf Seiten der Allokation in Hedge Funds hat die Schweiz hingegen schon immer einen sehr grossen Marktanteil gehabt.

Neben Grossbritannien und Deutschland ist die Schweiz jedoch ein grosser Markt für alternative Ucits-Fonds. Solange Grossbanken nicht gezwungen werden ihren Handel aus den internationalen Finanzzentren abzuziehen, bleibt die Schweiz vermutlich eher ein kleiner Player, aber mit einem sehr grossen Selektions- und Allokations-Know-how.

Welche grossen Entwicklungen gibt es bei der Regulierung?

Die AIFM-Richtlinie (Alternative Investment Fund Manager Directive) ist eine EU-Richtlinie, die künftig die Hedge Funds in der EU regulieren soll. Aber vor lauter Bestimmungen haben die EU-Gesetzgeber vergessen, ob sich diese in der Praxis auch umsetzen lassen. Bezüglich Transparenz, Liquidität, und Regulierung hat die Ucits-Richtlinie ganz klar Massstäbe gesetzt. Obwohl sie nur eine zwei-wöchentliche Berechnung des Fonds NAVs verlangt, publizieren 85 Prozent der Einzelfonds tägliche Preise.

Wohin wird sich die Hedge-Fund-Branche in den nächsten fünf Jahren entwickeln?

Mit dem Abbau des Eigenhandels bei vielen Grossbanken werden Hedge Funds weiterhin genügend Marktineffizienzen zum Handeln finden. Falls die Finanzmärkte bis dahin nicht noch weiter reguliert sind und Hedge Funds zu Sündenböcken gemacht werden, dürften vor allem regulierte Hedge Funds wie auch alternative Ucits-Fonds sicherlich wachsen. Wobei der Zufluss in die Ucits-Hedge-Funds nicht von Offshore-Hedge-Funds kommen dürfte, sondern eher von Geldern aus traditionellen Long-only-Produkten.


Luigi_Amato_2Der schweizerisch-italienische Doppelbürger Luigi Amato, geboren 1970, gründete Naisscent Capital mit Sitz in Winterthur im Sommer 2008. Zuvor war er in der Finanzanalyse für verschiedene Firmen tätig. Seine berufliche Karriere startete er ursprünglich in der Elektroindustrie , wechselte aber Anfang der neunziger Jahre in die Finanzbranche. Unter anderem arbeitete er für die Zürcher Kantonalbank, die Bank Sarasin und Horizon21. 

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NEWS GANZ KURZ

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

Finma

Die Eidgenössische Finanzaufsicht revidiert ihre Anforderungen an die externe und interne Auslagerung von Bankdiensten. An systemrelevante Banken werden für die Auslagerung kritischer Dienstleistungen nochmals erhöhte Anforderungen gestellt.

UBS

Die Grossbank muss nach einem Entscheid der amerikanischen Finanzbehörde Finra weitere 18,5 Millionen Dollar an Investoren in Puerto-Rico-Anleihen zahlen. Nach hohen Verlusten auf den Papieren sieht sich die Bank nicht abreissen wollenden Forderungen ausgesetzt. Laut Medienberichten ist dies die höchste Einzelzahlung, welche die UBS in dem Fall bisher leistete.

Gottex

Der angeschlagene Vermögensverwalter Gottex will den Nennwert seiner Aktien von 1 auf 0,10 Franken senken. Darüber sollen die Aktionäre am 30. Dezember an einer ausserordentlichen GV befinden. Das Unternehmen hat erst kürzlich die zweite Runde einer Rekapitalisierung abgeschlossen.

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