Auch Banker finden, dass sie zu gut bezahlt sind

Eine Umfrage in der Finanzbranche korrigiert das Klischee: Die Geldprofis finden selber, dass die Löhne im Finanzsektor zu hoch sind.

Die Ergebnisse wurden in England und den USA umgehend aufgegriffen und verbreitet, zumeist mit Titeln wie «Even Bankers think Bankers are Paid too Much» (etwa hier, hier oder hier). Aber man könnte auch titeln: Banker sind anders als das Klischee.

Dies deutet jedenfalls eine grosse Umfrage an, mit welcher das St. Paul's Institute den 25. Jahrestag des «Big Bang» in London begleitete. Dabei kam ein Bild ans Licht, das dem in der Öffentlichkeit so beliebten Eindruck der gierigen und skrupellosen Banker doch kräftig widerspricht.

Denn in der Umfrage wurden ausschliesslich Personen befragt, die in der britischen Finanzbranche arbeiten. Und diese sagten zu drei Vierteln (74 Prozent) aus, dass die Gräben zwischen Reich und Arm zu gross sind.

Auch zur Entlöhnung in der Branche äusserte man sich sehr kritisch: Eine Mehrheit befindet, dass Trader, Broker, Anwälte, Bankangestellte und CEO in der Londoner City zu hoch bezahlt werden; die Zahl schwankt zwischen 50 Prozent («Bankangestellte») und 66 Prozent (so viele finden, dass Obligationenhändler zu viel verdienen). Zum Vergleich: Nur 19 Prozent der Finanzprofis meinen, dass Ärzte zu gut bezahlt.

Bemerkenswert ist andererseits, dass das Geld in der Branche tatsächlich mit Abstand wichtigster Motivator ist: 64 Prozent nannten Salary and bonuses als Hauptmotiv ihrer Arbeit, weitere 21 Prozent setzten das Geld auf den zweiten Rang.

Als nächstes folgte, krass abgeschlagen, die Arbeitsbefriedigung. Dann der Arbeitsethos. Dann der Wille, zur Geschäftswelt etwas beizutragen; sowie Prestige und Macht. Erst bei den älteren Finanzleuten drehen die Anforderungen: Ab 55 Jahren ist die Arbeitszufriedenheit der Motivationsfaktor, der am wichtigsten eingestuft wird.

Interessant wäre nun zu wissen, ob auf dem Finanzplatz Schweiz ähnliche Haltungen vorherrschen. Was meinen Sie?

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Das St. Paul's Institute, angeschlossen an die gleichnamige Londoner Kathedrale, ist eine Art Think Tank zur Diskussion der Grenzbereiche zwischen Alltag, Wirtschaft und Ethik. Entsprechend wurden die repräsentativ ausgesuchten 550 Finanzfachleute auch befragt. So wollte man weiter wissen, ob die Deregulierung zu höheren oder tieferen ethischen Standards geführt habe – und 51 Prozent der Branchenleute befanden, dass sich das Niveau verschlechtert habe, während 16 Prozent meinten, Deregulierung habe die ethischen Standards erhöht.

Auffallend schliesslich, wie begrenzt das historische Wissen in der Branche offenbar ist: Es könnte ein Feld sein, das bei der Gestaltung von Risikokulturen in Zukunft vielleicht stärker zu berücksichtigen wäre.

Zum Beispiel wusste nur eine krasse Minderheit überhaupt etwas über den Sinn, den Ablauf oder die Folgen des «Big Bang» auf dem Finanzplatz London. Und keine 25 Prozent der Finanzexperten waren in der Lage, frühere Rezessionen in England richtig zu benennen.

 

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