Sarasin: Steuerfluchtgelder nur vage schätzbar

Einige Banken werden als Folge der Lockerung des Bankgeheimnisses ihr Geschäftsmodell im Offshore-Banking anpassen müssen.

«Bei der Frage, wie viele der ausländischen Vermögenswerte Steuerfluchtgelder sein könnten, stösst man unweigerlich an Grenzen, weil derartige Erhebungen weder bankintern noch aufsichtsrechtlich existieren»,erklärt Rainer Skierka, Finanzanalyst der Bank Sarasin.

Die Banken wüssten somit grösstenteils nicht einmal selbst, um welche Beträge es sich dabei handelt. Demzufolge existieren nur vage Schätzungen, deren Spannbreite von tiefen einstelligen bis mittleren zweistelligen Prozentwerten reicht. Zu beachten ist zudem, dass viele Kunden aus Asien, Osteuropa und Lateinamerika wohl kaum aus Steuergründen ihr Vermögen in der Schweiz angelegt haben. Hinsichtlich des Wertschöpfungsanteils am schweizerischen Bruttoinlandprodukt reichen die Schätzungen bis zu 2 Prozent.

Citigroup weiss es besser?

Die Schweiz ist mit einem Weltmarktanteil von 27 Prozent Marktführerin in der grenzüberschreitenden Vermögensverwaltung. Gemäss neuesten Schätzungen der Schweizerischen Bankiervereinigung belaufen sich die von ausländischen Privatpersonen in der Schweiz angelegten Vermögen auf rund 2'000 Milliarden Franken oder 40 Prozent aller in der Schweiz verwalteten Vermögen.

Das Citigroup Research schätzt, dass zwischen 25 Prozent und 45 Prozent der Private Banking- Vermögen (etwa 1'150 Milliarden Franken) aus dem europäischen Offshore-Geschäft stammen könnten.

Finanzplatz geht nicht unter

Bei näherer Betrachtung kann man davon ausgehen, dass von den 330 Banken in der Schweiz nur etwa 40 Institute schwergewichtig mit der Akquisition von Auslandsvermögen beschäftigt sind: Hierzu zählen neben den zwei Grossbanken, die 14 Privatbanken und ein Teil der Auslandsbanken in der Schweiz, so Sarasin-Analyst Rainer Skierka weiter.

Einige Banken werden als Folge der Lockerung des Bankkundengeheimnisses bei Steuervergehen nicht in der Schweiz ansässiger Kunden ihr Geschäftsmodell anpassen müssen. Weder wird deswegen aber der Finanzplatz Schweiz untergehen, noch wird das Bankkundengeheimnis deswegen aufhören zu existieren, zumal der automatische Informationsaustausch, wie ihn vor allem Deutschland und Frankreich fordern, nicht Bestandteil der OECD-Standards ist, sondern bisher nur zwischen 24 der 27 EUMitgliedsländer existiert.

Standortalternativen eingeschränkt

Rainer Skierka geht daher davon aus, dass sich negative Auswirkungen für Schweizer Banken in engen Grenzen halten werden. Durch die Ankündigung zahlreicher Länder, künftig ebenfalls die OECD-Standards anzuwenden, haben sich für die nach Standortalternativen suchenden Kunden, die Möglichkeiten deutlich eingeschränkt. Somit gelten die Kernwerte und Vorteile des Finanzplatzes Schweiz (Kompetenz, Stabilität, Sicherheit, Diskretion und Internationalität) auch in Zukunft.

Rainer Skierkas Erkenntnisse sind in der jüngsten Studie der Bank Sarasin zu finden. Sie trägt den Titel «Schweizer Bankgeheimnis vor dem Aus?».


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