ING IM: «Hohe einstellige Renditen sind realistisch»

Der Emerging-Market-Debt-Sektor verzeichnet einen hohen Zuwachs. Istvan Fritsche, Client-Portfolio-Manager von ING Investment Management nennt die Gründe.

Istvan_Fritsche

Herr Fritsche, die Menge an emittierten Anleihen im Segment «Emerging Market Debt» (EMD) ist seit 2002 exponentiell gewachsen. Wie erklären Sie sich das?

Das Wachstum hat bereits Anfang 2000 begonnen. Zunehmend zeigen institutionelle Investoren aus Industrieländern weltweit Interesse für diese Anlageklasse. Dies ist eine neue Dimension in der  Akzeptanz von Schwellenländer-Anleihen. Ausserdem beobachten wir neben diesem Trend, dass auch Investoren aus Schwellenländern selbst Interesse an der Anlageklasse zeigen.

Wird sich dieser Markt noch stärker entwickeln?

Zunächst glaube ich, dass die Meriten dieser Anlageklasse durch Investoren zu lange ignoriert worden sind. Zum einen hat wohl der sogenannte «Home-Bias» die Investoren entwickelter Staaten zu lange geblendet, die vorhandenen Chancen zu nutzen.

Zum anderen aber ist die weltweite Suche nach höheren Renditen seit den letzten zwei bis drei Jahren ein sehr prominentes Investment-Thema geworden. Trotz der sehr niedrigen Zinsumgebung in der Vergangenheit sehen sich Investoren entwickelter Staaten in zunehmendem Masse gezwungen, ihren langlaufenden Verbindlichkeiten nachzukommen.

Was sind die Treiber, die den EMD-Sektor auch in Zukunft attraktiv halten?

Im Schwellenländer-Markt sind nebst Staaten auch Unternehmen bedeutende Emittenten von Anleihen. Wir sehen deshalb eine hohe Diversität als ein attraktiver Renditetreiber, welche dieser Anlageklasse für lange Zeit erhalten bleiben wird.

Investoren können von der zunehmenden Kreditwürdigkeit der Staaten sowie von der strukturelle Aufwertung der Schwellenländer-Währungen profitieren, die sich weiterhin stark auf die Unternehmens-Anleihen auswirkt. Weiter bieten diese Anleihen höhere Renditen und ein attraktives «Risk-to-Carry»-Profil.

Ist der Zenit bei EMD-Anlagen nicht bereits erreicht?

Wir erachten das Wachstumspotenzial von EMD-Anlagen als noch lange nicht ausgeschöpft. Dafür spricht der noch immer tiefe Anteil des weltweiten Schuldenvolumens der Schwellenländer von unter 7 Prozent, verglichen mit deren Beitrag an das weltweite Bruttoinlandsprodukt von 40 Prozent.

Ab einem gewissen Level nimmt die Wichtigkeit am Kapitalmarkt weiterreifender Schwellenländer typischerweise exponentiell zu. Aus diesem Grund sind wir der Meinung, dass die Anlageklasse auch weiterhin interessante Investmentmöglichkeiten bietet.

EMD-Anlagen erwirtschafteten schon in der Vergangenheit höhere Erträge als vergleichbare festverzinsliche Anlagen von Industriestaaten. Wird dies so bleiben?

In den letzten neun Jahren erwirtschaftete die Anlageklasse je nach Segment zwischen 7,9 Prozent und 11,8 Prozent Rendite verglichen mit 5,9 Prozent bis maximal 9,6 Prozent der entwickelten Märkte.

Nicht nur gemessen an der Performance, sondern auch bezüglich risiko-adjustierter Rendite schnitten sie positiver ab. Für den mittelfristigen Zeithorizont erachten wir Renditen im hohen einstelligen Bereich als realistisch.

Welche Risiken bergen Investitionen in EMD?

Anders als die Industrienationen sind Schwellenländer als Anlageklasse in der Entwicklungsphase. Deshalb bestehen bei Letztgenannten Einschränkungen, die durch Marktineffizienzen verursacht werden. Genau diese Ineffizienzen bieten jedoch eine sehr gute Quelle für Outperformance. Unser strukturierter, Research getriebener Investmentprozess ist optimal ausgestaltet, um diese Marktineffizienzen zu nutzen und in Rendite zu überführen.

Welche Möglichkeiten hat der Anleger, um sich innerhalb des EMD-Segmentes zu diversifizieren?

Der Schwellenländer-Markt offeriert ein breites Spektrum an mittel- und langfristigen Chancen für Investoren mit unterschiedlichstem Risikoappetit. Die Schwellenländer Indizes, welche die 4 EMD-Segmente replizieren, decken insgesamt mehr als 40 Länder ab. Diese Indizes verfügen im Schnitt über eine Investment Grade Kreditqualität.

Die Sub Asset-Klassen weisen eine niedrige Korrelation mit US-Staatsanleihen als auch mit den globalen und den Schwellenländer-Aktienmärkten auf. Fundamental betrachtet ist nicht von der Hand zu weisen, dass Schwellenländeranleihen eine gute geographische Diversifikation offerieren – trotz möglicher kurzfristiger Volatilität.

ING Investment Management ist seit 1993 in diesem Bereich aktiv. Welches sind die wichtigsten Erkenntnisse daraus, die heute Ihre Strategie prägen?

Wir sind der Meinung, dass ein langfristiger Anlageerfolg in Schwellenländern nur dann aufrecht zu erhalten ist, wenn lokales Knowhow, das heisst, Investmentspezialisten vor Ort, deren Wissen, ihre Kultur und lokale Sprachen einbringen. ING Investment Management war von Anfang an sehr früh in allen Sub-Asset-Klassen der Schwellenländer vertreten.

Wir sind überzeugt, dass sich die Vielfalt der Sub Asset-Klassen weiter stabilisieren und zunehmend mit dem Angebot der Industrienationen gleichgestellt sein wird.


Istvan Fritsche, Client Portfolio Manager Emerging Markets Debt, ING Investment Management, ist seit 2009 bei ING IM und hat über 12 Jahre Investmenterfahrung. Er hat Politologie (International Affairs), Philosophie und Wirtschaft an der Johann-Wolfgang Goethe Universität in Frankfurt studiert und ist Chartered Alternative Investment Analyst (CAIA) Chartholder.


Die vier EMD-Segmente

• EMD hard currency Staatsanleihen: Dieses am weitesten entwickelte Segment bietet Investoren den Zugang zu Ausfallrisiken der Schwellenländer und zu Zinsrisiken reifer Volkswirtschaften. Die Rendite erwirtschaftet sich also aus Veränderungen der «risikofreien Zinssätze» industrialisierter Staaten (etwa US-Staatsanleihen) und die Veränderungen der «Credit Spreads» der Schwellenländerstaaten.

• EMD hard currency Unternehmensanleihen: Das jüngste EMD-Segment bietet Investoren Zugang zu Kreditrisiken und Bonitätsrisiken der in Schwellenländern ansässigen Unternehmen. Die in harter Währung ausgegebenen Anleihen bleiben den Zinsrisiken industrialisierter Staaten ausgesetzt.

• EMD local currency Staats- und Unternehmensanleihen: Heimische Staats- und Unternehmensanleihen in lokaler Währung stellen das grösste Segment des EMD-Anlageuniversums dar. Sie verschaffen Investoren primär Zugang zu den heimischen Zins- und Währungsrisiken. Anleger können vom Aufwertungspotenzial lokaler Währungen profitieren.

• EMD local currency Money Market: Das liquideste Segment bietet Zugang zu Währungsrisikoprämien und realen Währungsaufwertungs-Chancen respektive Währungsabwertungs-Risiken. Momentan unterliegen die Währungen der Schwellenländer einem strukturellen Trend. Aufgrund der relativen Stärke ihrer Volkswirtschaften und dem soliden Produktivitätswachstum dürfte der Aufwertungsdruck gegenüber den harten Währungen wie dem Dollar oder dem Euro weiter zunehmen.

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