Was die Generation iPod noch lernen kann

Statt wie die Masse blindlings dem Social-Media-Trend zu folgen, lohnen sich Investitionen in die «Zulieferbranche», findet Mark Hawtin von GAM.

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Mark Hawtin ist Investment Director bei GAM.

Technologie-Anlagen erleben seit 2008 eine Renaissance und haben gegenüber dem MSCI World Index eine Outperformance von über 50 Prozent erzielt.

Dabei hat sich das Angebot stark gewandelt: von hochgradig fremdfinanzierten, spekulativen Investitionen zu weitgehend substanzstarken Unternehmen mit hohen Cashflows.

Hoffnungen geweckt

Dies hat zu einem Umschwung in der Branche geführt, hin zu einem neuen positiven Performancetrend, der die Hoffnung weckt, dass die Versprechen der neunziger Jahre endlich doch eingelöst werden.

Und in der Tat übertraf der zuvor mit dem Etikett «Hohes Beta/hohes Risiko» versehene Sektor trotz der Marktturbulenzen des vergangenen Jahres den MSCI World um fast 300 Basispunkte.

Positive Einflussfaktoren

Aber handelt es sich dabei doch nur um einen weiteren kurzfristigen Trend, ausgelöst durch die Generation iPod? Die Fundamentaldaten scheinen dem zu widersprechen.

Neben den offensichtlichen Impulsgebern, wie Verbrauchertrends, profitiert der Technologiesektor derzeit von weiteren kräftigen und nachhaltig positiven Einflussfaktoren. Die Gewinnwachstumsprognose für den MSCI Information Technology für 2012 liegt wesentlich höher als die Schätzungen für die regionalen Indizes der USA, Chinas, Japans, Brasiliens und Indiens.

Harte Landung in China

Und der Sektor weist eine hohe geografische Diversifizierung sowie verstärkte Mittelzuflüsse auf. Denn Bedenken hinsichtlich der Corporate Governance in den Schwellenländern und einer möglichen harten Landung Chinas führen dazu, dass Anleger ihre herkömmliche Allokation in Wachstumsmärkten überdenken.

Facebook, Twitter und LinkedIn werden als die Stars des technologischen Fortschritts gefeiert, die die gesamte Gesellschaft beeinflussen und an der Spitze einer Social-Networking-Revolution stehen. Die Begeisterung ist gross, und es besteht kein Zweifel an dem Wert oder dem Einfluss dieser Unternehmen.

Astronomische Bewertungen

Aus Sicht der Anleger sind jedoch die Ertragsflüsse, die derart astronomische Bewertungen rechtfertigen würden, nicht einfach zu erzielen. Durch die Vermeidung allzu bekannter Namen ist es jedoch oft möglich, das Gewinnpotenzial zu erhöhen.

Meiner persönlichen Titelauswahl liegt eine der Lektionen des Goldrauschs im 19. Jahrhundert zugrunde: Damals erzielten nicht die Goldsucher, sondern die Anbieter der erforderlichen Ausrüstung die höchsten Profite.

Ohne hohe Einstiegskosten

In der aktuellen Situation bedeutet dies, statt auf Unternehmen zu setzen, die hohe Investitionsausgaben tätigen, Papiere von Unternehmen zu kaufen, die von Investitionsausgaben profitieren.

Statt also wie die breite Masse dem Social-Media-Trend zu folgen, wäre auch eine Investition in die «Zulieferbranche» denkbar, da diese ein ähnliches Aufwärtspotenzial ohne die hohen Einstiegskosten bietet.

Durchschlagender Erfolg

«Jive Software» beispielsweise produziert Social-Network-Software. «Demandware» hat sich auf die Herstellung von Software für E-Commerce-Plattformen spezialisiert.

In gleicher Weise sind der durchschlagende Erfolg von YouTube und die zunehmende Nachfrage nach On-Demand-Videos der Performance von Datenspeicherherstellern zuträglich.

Die auf Datenspeicher spezialisierte «Seagate Technology» ist ein gutes Beispiel dafür, deren Wert sich seit anfangs Oktober fast verdreifacht hat.

Und vom grossen Erfolg von Apple profitiert unter anderem «Invensense», das Bewegungssensoren für das iPad produziert.

Keine Angst vor «No Names»

Wie in jedem Sektor finden sich zwischen den Gewinnern auch jede Menge Verlierer. Der dramatische Fall des ehemaligen Index-Schwergewichts Nokia macht deutlich, dass die Papiere von Branchengrössen keine Garantie für Renditen bieten.

Der Schlüssel zum Erfassen von Aufwärtspotenzial besteht vielmehr in einem auf hochwertige Papiere ausgerichteten, aktiven Ansatz, bei dem keine Scheu vor einer Umstellung von traditionell führenden Titeln auf weniger bekannte respektive beliebte Unternehmen bestehen sollte, die ein reales Potenzial zeigen.

Kreative Denkansätze

Insgesamt scheint es also, als ob eine Reihe entscheidender Faktoren eine Trendwende bei Technologie-Anlagen ausgelöst hat und viele der in den neunziger Jahren geweckten Hoffnungen endlich erfüllt werden.

Die Technologiebranche zeichnet sich jedoch durch ein hohes Mass an Vielfalt aus, und es gibt eindeutige Gewinner und Verlierer. Um das Gewinnpotenzial des Sektors auszuschöpfen, sind kreative Denkansätze erforderlich.


Hawtin_4Mark Hawtin für einen europäischen Long/Short-Aktienfonds sowie einen globalen Long-Only-Fonds zuständig, der in den Technologiesektor investiert. Vor seinem Wechsel zu GAM im Jahr 2008 war er acht Jahre bei Marshall Wace Asset Management als Partner und Portfoliomanager beschäftigt und betreute dort einen der europaweit grössten Hedge Funds für Technologie, Medien und Telekommunikation.

Hawtin war ausserdem sieben Jahre bei Enskilda Securities beschäftigt. Er begann dort als Head of Sales und übernahm später die Verantwortung für das internationale Aktiengeschäft mit Verantwortung für die paneuropäischen Research- und Handelsaktivitäten sowie für rund ein Viertel der Beschäftigten im Investmentbanking.

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