AXA IM: «Wie man sich vor Extremrisiken schützt»

Christina_Bck_100Extremereignisse würden an den Märkten um einiges häufiger auftreten als allgemein angenommen werde, sagt Christina Böck von AXA Investment Managers.

Christina Böck ist Head of Investment Solutions Switzerland bei AXA Investment Managers. Ihre Kolumne für finews.ch erscheint monatlich.

Bisher gingen viele Experten davon aus, dass die Renditen einer Normalverteilung in Glockenform folgen. Die Extremitäten an beiden Enden dieser Verteilung heissen dabei «Tail-Ends».

Wie sich inzwischen aber zeigt, sind diese wesentlich «fetter» als lange angenommen wurde und zwar besonders am linken Ende, dem Bereich der negativen Renditen («fat tails»).

Hohe Verluste «abschneiden»

Allein in den letzten 25 Jahren lassen sich acht Ereignisse feststellen, die man als ein solches Extremereignis bezeichnen kann: Vom Aktien-Krach 1987 bis zur heutigen Staatsschuldenkrise. Viele Investoren haben daraus ihre Lehren gezogen und meiden riskante Anlageklassen, was jedoch ihre langfristigen Renditeaussichten reduziert.

Allerdings könnte man die traditionell riskanten Anlageklassen, wie Aktien, weiterhin in ansehnlichen Proportionen halten, wenn man das linke Ende der Wahrscheinlichkeitsverteilung, also die Wahrscheinlichkeit für hohe Verluste, «abschneidet». Dies geschieht mit so genannten «Tail Hedges».

Kostengünstig und konvex

Bei einer solchen Absicherung sind zwei Ziele anzustreben: Zum einen muss sie kostengünstig sein, und gleichzeitig soll sie eine hohe Auszahlung sicherstellen, wenn das Extremereignis eintritt (Konvexität). Denn nur so lassen sich die Verluste im Basisportfolio ausgleichen – was ja Zweck der Sache ist.

Grundsätzlich gibt es dafür zwei Ansätze: erstens den passiven, systematischen Ansatz der Absicherung. Er besteht im Kauf von Verkaufsoptionen auf allen riskanten Anlageklassen.

Auszahlung unter den Erwartungen

Das Problem dabei ist der Zeitwert der Optionen, der hohe Kosten verursacht. Zudem reagieren Optionspreise auf eine Vielzahl von Parametern. Deshalb entspricht die Auszahlung im Falle einer Finanzkrise oft nicht den Erwartungen.

Der Ansatz der aktiv verwalteten Absicherung hingegen besteht darin, dass ein Portfolio-Manager jene Ereignisse analysiert, welche die Epizentren künftiger Krisen sein könnten, und welche finanziellen Konsequenzen sich daraus ergeben.

Beispiel Staatsschuldenkrise

Daraus folgert er dann, welche Strategien eine gute Performance erbringen könnten. Dabei achtet er stets darauf, dass die beiden Ziele, nämlich geringe Kosten und Konvexität, erreicht werden und die Strategien laufend angepasst werden.

Am Beispiel der Staatsschuldenkrise lässt sich dies gut aufzeigen: Nachdem anfänglich die besten Absicherungsstrategien auf das Ausweiten der Risikoprämien (Kreditspreads) gewisser Staaten abzielten, verlagerten gute Tail-Hedge-Manager alsbald ihren Fokus auf Absicherungsstrategien im Finanzsektor, welcher in der Folge leiden musste.

Möglichst alle Klassen abdecken

Allerdings ist es wichtig, sich nicht mit einem einzigen Tail-Hedge-Fund (auch «Schwarzer Schwan»-Fund) zu begnügen, sondern einen Multi-Manager-Ansatz zu fahren.

Jeder Manager hat eine gewisse Spezialisierung, meist eine Anlageklasse. Nun können die potenziellen Epizentren überall stecken. Daher sollte man möglichst alle Klassen abdecken und mehrere Spezialisten heranziehen.

Weitere Extremereignisse

Zudem zeigen nicht alle Anlageklassen gleichzeitig die gleiche Risikoaversion. Das heisst, Anleger sollten nur in jeweils einer Anlageklasse die günstigste Absicherung eingehen. So empfiehlt sich für die nächsten Jahre das Konzept des Tail-Hedge-Fund-of-Funds – denn Extremereignisse wird es noch einige geben.


Christina_Bck_PortraitChristina Böck (Bild) bildete sich an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster zur Diplom-Kauffrau aus, bevor sie einen Master in Management (Finance) an der H.E.C. in Paris erlangte.

Nach verschiedenen Praktika war sie ab 1994 bei der Dresdner RCM Gestion in Paris tätig. Später wechselte sie zur Allianz-Pimco-Gruppe, wo sie vier Jahre im Asset Management (internationale Anleihen) arbeitete.

Zu AXA Investment Managers in Paris stiess sie im April 2001. Seit März 2007 arbeitet Christina Böck in Zürich als Head of Investment Solutions Switzerland und ist dabei unter anderem für das Team CHF Fixed Income verantwortlich.

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden.

DAS BESTE IM WEB

Gute Stories und Links aus aller Welt

  • Morgan-Stanley-CEO macht Kasse mit Bankaktien
  • Trumps Kabinett der Milliardäre
  • London: Der Investmentbanker Europas
  • Der Sanierer soll ein Insider-Händler sein
  • RBS: Versagen auf der ganzen Linie
  • Streitpunkt neue Kapitalregeln
mehr

SELECTION

Selection

So sieht der Banker der Zukunft aus

Mit aller Macht versuchen die Banken, ihr Geschäft ins Zeitalter der Digitalisierung zu retten.

Selection

Selection

Grauenvolle Arbeitstage eines Investmentbankers

Die erschreckende Chronik eines 24-Stunden-Tages.

Selection

NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

weitere News