Was ist von Chinas neuer Machtelite zu erwarten?

Auch für Julius Bär interessant: Welche Konsequenzen wird der Machtwechsel in China haben? Investment-Experte Michael Lai von GAM wagt einen Blick in die Zukunft.

Michael_LaiMichael Lai ist Investment Director für die Asien-Fonds von GAM

Wie wird sich dieser Machtwechsel auf die Aussichten Chinas auswirken? Wie können Anleger ihre Strategie darauf einstellen, um Vorteile aus dem neuen politischen Kurs zu ziehen und Nachteile zu vermeiden?

In der aktuellen Zusammensetzung versucht die Regierung um Premierminister Wen Jiabao den schwierigen Balanceakt, ein Gleichgewicht zwischen Wirtschaftsreformen, sozialer Stabilität und den Interessen der staatlichen Betriebe zu finden.

Warnung vor zuviel Optimismus

Es ist davon auszugehen, dass die neue Regierung den derzeit eingeschlagenen Kurs nicht grundlegend ändern wird. Allzu grossen Optimismus sollten Anleger jedoch nicht haben. Denn aus unserer Sicht schaffen die Verantwortlichen nicht die von zahlreichen Investoren erhofften Bedingungen für eine V-förmige Konjunkturerholung.

Unter der neuen Regierung sind Senkungen der Mindestreservesätze der Banken denkbar, auch Liquiditätsspritzen, politische Weisungen oder sogar die direkte Marktbeteiligung der verschiedenen staatlich kontrollierten Fonds sind möglich.

Reformen im Finanzsektor zeichnen sich ab

Weitere Veränderungen könnten sich etwa in Bezug auf Zinsobergrenzen für Einlagen und Kredite chinesischer Banken ergeben. Die jüngsten Massnahmen in dieser Richtung waren nur die ersten von vielen auf dem Weg zur Zinsliberalisierung.

Weitere Reformen zeichnen sich bereits ab. So wurden in einem Pilotvorhaben mit Exchange Traded Funds (ETF) in Schanghai und Shenzhen erstmals Leerverkäufe zugelassen. Sollten Leerverkäufe letztlich eingeführt werden, würde dies die Entwicklung der Kapitalmärkte des Landes beschleunigen und die Effizienz der Aktienmärkte erhöhen.

Politische Stolpersteine

Zudem würde es zur Einführung neuer Finanzprodukte beitragen. Ausserdem setzt sich in China langsam ein Bookbuilding-Verfahren bei Börsengängen durch, das den derzeit noch ineffizienten und intransparenten Preisfindungsprozess verbessern würde.

Anleger sollten die weiterhin bestehenden politischen Stolpersteine vermeiden. So stellt die asymmetrische Leitzinssenkung Anfang Juni eine enorme Rentabilitätshürde für die chinesischen Banken dar. Sie führt unter den aktuellen Bedingungen dazu, dass die Nettozinsmarge in absehbarer Zukunft sinkt.

Kulante Aufsichtsbehörden

Allerdings könnte die geringere Marge mittelfristig die Gewinne der Banken weniger belasten als einige Beobachter glauben. So könnten die Banken versuchen, die niedrigeren Margen durch höhere Volumina auszugleichen, indem sie das Verhältnis von Krediten zu Einlagen erhöhen. Die Aufsichtsbehörden sind offenbar bereit, die Vorschriften in diesem Bereich zu lockern.

Ausserdem ist der Markt für Wohnimmobilien nach Einschätzung der Entscheidungsträger immer noch etwas überhitzt. Eine spürbare Lockerung der Dämpfungsmassnahmen ist daher unwahrscheinlich, zumindest in diesem Jahr.

Sich schnell auf Veränderungen einstellen

Unserer Meinung nach wird der politische Wechsel insgesamt positiv für den chinesischen Aktienmarkt sein. Die Anleger sollten versuchen, die problematischen Wirtschaftsbereiche zu meiden und gleichzeitig dort zu investieren, wo die politischen Massnahmen für positive Impulse sorgen.

Dies gilt beispielsweise für Aktien bestimmter Erdgasvertriebsunternehmen, da die Regierung Erdgas offiziell zur Hauptquelle für wirtschaftliche und saubere Energie in China erhoben hat. Attraktiv sind auch diejenigen Branchen, die von einer Rationalisierung oder Konsolidierung profitieren.

Letztlich gilt: Wer erfolgreich in China investieren will, muss – gerade in turbulenten Zeiten – das politische Klima im Land genau verstehen und in der Lage sein, sich schnell auf Veränderungen einzustellen.


Michael Lai ist als Investment Director für die Asien-Fonds von GAM verantwortlich und managt zusammen mit Ben Williams und Lesley Kaye die Pazifik-Fonds von GAM. Bevor Lai im Dezember 1998 zu GAM kam, war er bei der Trust Company of the West (Asia) tätig. Davor arbeitete er als Investment Manager für BZW Investment Management. Michael Lai besitzt einen Master of Science in Ökonometrie der London School of Economics und ist als Chartered Financial Analyst (CFA) akkreditiert.

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NEWS GANZ KURZ

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

Cashare

Die Crowdlending-Plattform Cashare ist mit dem Anbieter von erneuerbaren Energien Fairpower eine Kooperation zur Finanzierung von Solaranlagen eingegangen. Wohneigentümer können ihre Anlagen günstig über die Crowd finanzieren und Investoren erhalten einen Zugang zu qualifizierten, nachhaltigen Projekten mit attraktiven Renditen. Durch die Kooperation versprechen sich die Unternehmen einen Schub beim Zubau von Solarstrom-Anlagen.

UBS

Ab 28. Januar 2017 wird im EWZ-Unterwerk in Zürich eine Ausstellung mit Bildern der US-Fotografin Annie Leibovitz sehen sein, die im Auftrag der UBS entstanden sind.

Cembra

Die auf Privatkredite spezialisierte Cembra Money Bank wird in den Stoxx Europe 600 Index aufgenommen. Cembra ersetzt damit GAM: Der Asset Manager ist aus dem Index gefallen.

Automatischer Informationsaustausch

Die Schweiz will den automatischen Informationsaustausch in Steuersachen (AIA) auch mit Indien einführen. Die beiden Ländern haben eine entsprechende Erklärung unterzeichnet. Sie wollen die Daten gemäss dem globalen AIA-Standard ab 2018 erheben und ab 2019 austauschen.

UBS

Die Capital Group hält neu 3,01 Prozent der Stimmen der UBS. Die US-Fondsgesellschaft war lange eine der bedeutenden Aktionäre der Grossbank gewesen, bis sie ihre Beteiligung zwischen Mai 2010 und April 2011 in zwei Schritten auf unter 3 Prozent reduzierte. Wie einer Offenlegungsmeldung an die Schweizer Börse SIX entnommen werden kann, hält die Capital Group mittlerweile wieder über 3 Prozent der Stimmen, davon 2,83 Prozent in Aktien und die Differenz über Derivate.

Partners Group

Die auf Privatmarktanlagen spezialisierte Zuger Partners Group beteiligt sich mit einem Betrag von 2 Milliarden australischer Dollar an einem Projekt für neues Rollmaterial für die Metro in der australischen Stadt Melbourne.

Credit Suisse (Schweiz)

Die Rating-Agentur Fitch hat die neue Schweizer Rechtseinheit der Grossbank Credit Suisse mit dem Kreditrating A eingestuft. Der Ausblick lautet auf «stabil». Die Bonitäts-Experten gehen davon aus, dass die CS-Tochter solide Erträge erwirtschaften wird.

Valartis

Der Bankgruppe Valartis wurde das an das Kantonsgericht Zug gestellte Gesuch um Aufhebung der definitiven Nachlassstundung bewilligt. Man sei nun vollständig saniert, zahlungsfähig und verfüge über eine solide Eigenkapitalbasis, teilte die Gesellschaft mit.

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