LGT: «So investiert die Fürstenfamilie»

Wie und wo die Fürstenfamilie Liechtensteins ihr Geld anlegt, verrät Marcel Schnyder, Chief Investment Officer bei LGT Capital Management, im Interview mit finews.ch.

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Herr Schnyder, LGT Capital Management verwaltet einen Teil des Privatvermögens des Fürstenhauses Liechtenstein. Wie hoch ist dieser Teil? Und welches sind Ihre Vorgaben?

Das von uns verwaltete Princely Portfolio belief sich 2011 auf rund 2,4 Milliarden Franken. Begonnen haben wir 1998 mit der Verwaltung von 1 Milliarde US-Dollar. Damals haben wir den Auftrag erhalten, mit innovativen Methoden und Instrumenten dieses Vermögen zu sichern und zu mehren. Aktuell setzen wir dabei auch auf speziell aufgesetzte Quality Fixed Income Produkte, in welche die Fürstenfamilie zusätzlich 1 Milliarde Franken investiert hat.


Anleihen der besten Unternehmen weltweit


In diesen Produkten konzentrieren wir uns auf Unternehmensanleihen der besten Firmen weltweit. Sie sind für uns zurzeit deutlich attraktiver als klassische Staatsanleihen oder Finanzinvestments. Überdies investiert die Fürstenfamilie strategisch über 100 Millionen Franken in nachhaltige Anlagen.

Wie ist das Portefeuille des Fürstenhauses strukturiert? 

Die Anlagephilosophie zeichnet sich durch folgende Prinzipien aus: Langfristigkeit, eine breite Diversifikation (Asset Allocation) und Best in Class, der Auswahl der besten Manager in ihrem Bereich. Die Fürstliche Strategie ist vergleichbar mit Anlagestrategien von erfolgreichen, langfristig denkenden Investoren – beispielsweise den Stiftungsfonds grosser nordamerikanischer Universitäten. Die Allokation des Fürstlichen Portfolios umfasst Aktien aller Regionen mit einem Fokus auf Emerging Markets, Anleihen, insbesondere inflationsgeschützte Staatsanleihen, Wandelanleihen, Unternehmensanleihen, Insurance Linked Securities, Realwerte, Hedge Funds und Private Equity Investments.

Favorisieren Sie Anlagen in Franken oder gibt es andere Währungen, die Sie zur Diversifikation wählen? Haben Sie die Gewichtung von Dollaranlagen in den letzten Wochen und Monaten erhöht?

Währungs- und Marktentscheidungen sind unabhängig voneinander zu treffen. Währungsrisiken werden oft unterschätzt und dennoch führt eine gesunde Allokation von Fremdwährungen zu einer verbesserten Stabilität und Diversifikation des Portfolios. LGT sichert konsequent den überwiegenden Teil der Fremdwährungsanlagen ab, je nach Heimwährung des Kunden in die für ihn relevante Basiswährung.


Dollar übergewichten, positiv auf Goldinvestments


Taktisch haben wir den Dollar in mehreren Schritten aufgebaut und sind derzeit deutlich übergewichtet. Wir halten zudem norwegische und schwedische Kronen. Untergewichtet sind wir dagegen in Euro und Franken.

Sie trauen also dem Revival der US-Währung?

Die US-Währung ist derzeit die stärkste unter sehr vielen schwachen Alternativen. Viele Länder und Regionen haben mit hoher Staatsverschuldung und Handelsbilanzdefiziten zu kämpfen. Zudem versucht man mit Geldmengenerweiterungen die Wirtschaft zu stützen. Mittelfristig sind wir daher immer noch positiv auf Goldinvestments. Langfristig könnte die Wirtschaft der USA von tieferen Energiekosten und einer höheren Eigenenergieproduktion profitieren.

Viele Anleger sind risikoavers und ratlos, wie sie ihr Vermögen werterhaltend oder -vermehrend einsetzen sollen. Welche Trugschlüsse sind zu vermeiden, welches sind die Eckwerte, an denen Sie sich für Anlageentscheide orientieren?

Der grösste Trugschluss ist, dass es risikofreie Anlagen gibt. Weder Immobilien noch Staatsanleihen sind risikofrei. Auch sind hohe Cash-Reserven auf Bankkonten zu vermeiden. Sie werden kaum verzinst und bieten keinen Inflationsschutz. Wir empfehlen dem vorsichtigen Kunden ein gut diversifiziertes Portfolio von qualitativ sehr guten Unternehmen im festverzinslichen Bereich. Wer etwas mehr riskieren kann und will und zumindest einen mittelfristigen Anlagehorizont hat, der sollte sich unbedingt mit dem Gedanken eines sehr gut diversifizierten Gesamtportfolios auseinandersetzen. Es gibt diverse interessante Anlagemöglichkeiten die bei richtiger Kombination sehr gute Risiko/Ertragsaussichten bieten. 

Für gewisse Anleger wirkt der Begriff «alternative Anlagen» wie ein Zauberwort. Was halten Sie von dieser Anlagekategorie?

Die Investmentansätze von traditionellen und alternativen Ansätzen sind in den letzten Jahren immer näher zusammengerückt. Eine klare Unterscheidung, was nun zu den Alternativen Anlagen gehört und was nicht, ist nicht mehr so einfach. Sind Anlagen in Gold oder in Immobilien etwas Besonderes, also ein alternatives Investment? Wie verhält es sich, wenn ich ein Aktienportfolio mit vielleicht zwanzig Top-Unternehmen weltweit halte und dagegen über einen breiten Aktienindex abgesichert bin? Ist mein Risiko dann grösser oder kleiner als ohne Absicherung?


 Traditionell und alternativ rücken zusammen


Was genau sind Insurance Linked Securities oder Cat Bonds und weshalb haben viele Investoren mit Wandelanleihen ein Problem, nicht aber mit klassischen Aktien und Unternehmensanleihen? Sie sehen, Alternativen Anlagen sind weit mehr als nur Hedge Funds und Private Equity Investments. Im Prinzip kommt man im professionellen Portfoliomanagement gar nicht mehr ohne diese Anlagemethoden und Anlageklassen aus.

Welche Überlebenschancen räumen Sie dem Euro ein?

Trotz bekannter Strukturprobleme rechnen wir auf Sicht mit einem Überleben des Euros und der europäischen Union. Allerdings schliesst das nicht aus, dass Länder mit sehr grossen Strukturproblemen wie zum Beispiel Griechenland vorübergehend oder auch längerfristig aus der Währungsunion austreten müssten. Es empfiehlt sich jedenfalls, die möglichen Szenarien sowohl rechtlich wie auch ökonomisch durchzudenken, um vorbereitet zu sein und handlungsfähig zu bleiben.

Wie beurteilen Sie die aktuelle Lage in der Euro-Schuldenkrise? Führt ein Weg an einem Ausschluss Griechenlands aus der Eurozone vorbei?

Ob Griechenland den europäischen Währungsraum verlassen wird, hängt sowohl von Griechenland selbst als auch von den internationalen Geldgebern ab. Griechenland wird versuchen, die Kreditkonditionen und die damit verbundenen Auflagen immer wieder neu zu verhandeln.


 Griechenland-Austritt mittelfristig realistisch


Europa möchte klare Signale für erfolgsversprechende Sparmassnahmen sehen und wird nicht bereit sein, angesichts der zusätzlichen Schwierigkeiten in Portugal, Spanien, Italien usw. Milliardenbeträge ohne Aussicht auf Besserung endlos nachzuschiessen. Die Austrittswahrscheinlichkeit Griechenlands ist in den letzten Wochen aber eindeutig gestiegen und für uns mittelfristig ein realistisches Szenario.

Was wären die Folgen eines solchen Ausschlusses?

Der Austritt Griechenlands aus der Eurozone würde zu einem griechischen Staatsbankrott führen. Für die übrigen Länder der Eurozone wären die direkten ökonomischen Konsequenzen eines Austritts Griechenlands vernachlässigbar. Allerdings würde die Verunsicherung über die Zukunft der Eurozone zum Beispiel in Spanien oder Portugal zu massiven Abflüssen von Bankguthaben ins Ausland und damit zu einer Destabilisierung des Finanzsystems führen. Um eine Ansteckung zu verhindern, wäre deshalb die Schaffung eines glaubwürdigen Abwehrdispositivs entweder über den Ausbau dieser Auffangnetze oder die Bereitstellung zusätzlicher Mittel durch die EZB nötig.


Um den Heimmarkt herum breit diversifizieren


Welche Konsequenzen hat ein Schweizer Anleger mit Blick auf die Schuldenprobleme von Griechenland, Spanien, Italien usw. für sein Portefeuille zu ziehen?

Vielleicht noch mehr als früher empfiehlt es sich neben stabilen Heimmarktanlagen ein gesundes, breit diversifiziertes Gesamtportfolio aufzubauen. Das Chancen-Risiko-Verhältnis hat sich eindeutig zu ungunsten der westlichen Staatsanleihen verschoben. Noch gesunde Staaten wie Deutschland oder die Schweiz zahlen Minusrenditen, und viele andere werden aufgrund ihrer hohen Staatsverschuldung und den schlechten Fundamentaldaten zu sehr spekulativen Anlagen. Differenzierter ist hingegen die Beurteilung von Unternehmenswerten vorzunehmen.

Was heisst das konkret?

In der heutigen globalisierten Welt sind Unternehmen oft sehr breit aufgestellt und erzielen einen Grossteil des Umsatzes und des Gewinnes in anderen Märkten, etwa in Asien oder Lateinamerika. Zum anderen sollte man sich aber den Währungsrisiken bewusst sein. Zwar ist der Franken aktuell an den Euro gekoppelt, aber insbesondere im Falle eines Austrittes eines dieser Länder können die Anlagewerte immensen Währungsschwankungen ausgesetzt sein – und Währungsabsicherungen erscheinen für einen solchen Fall schwierig.

Und was tut der gewievte Investor?

Für den konservativen Investor gilt daher, Anlagen in diesen Ländern weitgehend zu meiden. Spekulative Investoren können spezifische Opportunitäten suchen, die entstehen, da viele Investoren diese Märkte kategorisch meiden.


Marcel_Schnyder_qMarcel Schnyder, seit Juni 2005 für die Liechtensteiner LGT-Gruppe tätig, fungiert seit dem 1. Januar 2012 als Chief Investment Officer der LGT Capital Management. In dieser Funktion betreut er 55 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. 

Gemäss Marcel Schnyder braucht es für einen erfolgreichen Portfoliomanager wie bei einem Spitzensportler Talent, Erfahrung, Leidenschaft, überdurchschnittliche Leistungsbereitschaft und im richtigen Moment das nötige Quentchen Glück.

Viele «Manager» sind heute sehr gut ausgebildet, einige davon sind auch talentiert. Aber nur wenige sind bereit, mehr zu tun als alle anderen und unermüdlich immer noch besser werden zu wollen, sagt der 36-jährige Schnyder.

 

 

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Allianz Suisse

Der Versicherer hat in der Romandie Wohn- und Büroimmobilien im Volumen von rund 290 Millionen Franken erworben. Dabei handelt es sich bislang um die grösste Immobilieninvestition in der Westschweiz für die Allianz Suisse. Angesichts des anhaltenden Tiefzinsumfelds investiert der Versicherer verstärkt in Immobilien.

Swiss Re

Die Ratingagentur Fitch hat das Rating für Finanzstärke für den Rückversicherer Swiss Re mit AA– und den Ausblick mit «stabil» bestätigt. Auch das Langfristrating bleibt mit stabilem Ausblick unverändert bei A+.

Swiss Life

Swiss Life Asset Managers erweitert ihr Immobilienportfolio in Deutschland um das Wohn- und Geschäftshaus Bernsteincarré in Leipzig. Auf 6'500 qm Mietfläche werden Geschäfte, Gastronomie und Büros entwickelt. Hinzu kommen 18 Wohnungen. Das Projekt befindet sich aktuell im Bau, die Fertigstellung ist für 2017 vorgesehen.

Syz Asset Management

Am 1. Dezember hat der internationale Vermögensverwaltungs-Arm der Genfer Bank Syz eine Niederlassung in München eröffnet. Wie finews.ch exklusiv berichtete, wird die Niederlassung von Michael Schlieper, Region Head Deutschland und Österreich, geleitet.

Varia US Properties

Die Zuger Immobilienfirma Varia US Properties hat am Donnerstag ihren ersten Handelstag an der Schweizer Börse SIX. Insgesamt wurden 3,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 35 Franken ausgegeben. Varia konzentrier sich auf den US-Miethäusermarkt.

Banco Stato

Das Dotationskapital der Tessiner Kantonalbank wird massiv von 240 auf 500 Millionen Franken ausgeweitet. Dies teilte der Kanton Tessin als Eignerin des Instituts mit.

Geldwäscherei

Das vierte GAFI-Länderexamen zur Bekämpfung der Geldwäscherei und Terrorismus-Finanzierung stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus. Nur Italien und Spanien schnitten bisher besser ab. Kritisiert wurde etwa, dass hierzulande der Schwellenwert für Bargeld-Transaktionen bei 25'000 Franken liegt. Das ist mehr als der vorgesehene GAFI-Schwellenwert von 15'000 Dollar.

Swiss Life

Der Immobilienfonds von Swiss Life REF Swiss Properties kauft eine Immobilie in der Innenstadt von Basel. Damit steigt der Wert des Immobilienportfolios auf 620 Millionen Franken. Zur Finanzierung weiterer Akquisitionen will Swiss Life dem Fonds weitere 100 Millionen Franken zuführen. Dies soll über eine Kapitalerhöhung geschehen. Geplant ist die Emission neuer Anteile mit einem Bezugsverhältnis von 5:1.

Temenos

Die staatliche ägyptische Housing and Development Bank, einer der grossen Hypotheken-Institute im nahöstlichen Land mit 1,5 Millionen Kunden, ist auf das Kernbanken-System von Temenos migriert. Der Genfer Bankensoftware-Hersteller wurde dabei von der ägyptischen Partnerfirma Masaref unterstützt.

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