Wettbewerbsfähigkeit oder Kahlschlag

Was ist dran an all den düsteren Arbeitsplatzprognosen einiger Bankexponenten? Das fragt sich Martin Hess von der Schweizerischen Bankiervereinigung.

Martin_Hess_119x168_2Martin Hess ist Leiter Wirtschaftspolitik bei der Schweizerischen Bankiervereinigung

Ist eine fünfstellige Reduktion der Beschäftigten in der Schweiz realistisch? Die typische Ökonomen-Antwort lautet auch in diesem Fall: «Es kommt darauf an.« Und zwar auf die Rahmenbedingungen.

Nicht auf alle haben Politik und Behörden einen Einfluss. Aber dort, wo sie die Rahmenbedingungen unmittelbar beeinflussen können, ist die Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit zwingend einzubeziehen. Andernfalls droht tatsächlich in gewissen Geschäftsbereichen ein Kahlschlag.

Regulierungsbemühungen erlahmen

Wie die «Neue Zürcher Zeitung» letzte Woche berichtete, scheinen die Regulierungsbemühungen in den ausländischen Finanzzentren markant zu erlahmen. Sogar wichtige Zentralbanken rund um den Globus scheinen nun die geplanten strengen Liquiditäts- und Kapitalvorgaben zu torpedieren, indem sie öffentlich an deren Umsetzbarkeit zweifeln.

Seitdem das «too-big-to-fail»-Paket in trockenen Tüchern ist, hat sich auch in der Schweiz der regulatorische Eifer in andere Richtungen bewegt. Unter diesen Vorzeichen hat die Bankiervereinigung basierend auf Berechnungen von BAKBASEL am Montag eine Studie über die volkswirtschaftliche Bedeutung der Banken in der Schweiz (Die Bedeutung des Schweizer Bankensektors) publiziert.

Schwanengesang bleibt aus

In Bezug auf die Beschäftigungslage wird darin bis 2020 mit einem geringen Rückgang der Erwerbstätigen von jährlich 0,3 Prozent gerechnet. Zusammen mit einer moderaten Korrektur bei den Personalausgaben ermöglicht dies eine höhere Profitabilität und damit eine Stärkung der Banken im hartumkämpften Markt. Der Schwanengesang wird also nicht angestimmt.

Ich gehe aber davon aus, dass der Rückgang der derzeit 146'000 Arbeitsplätze aber dann weit höher als prognostiziert sein dürfte, falls sich die Rahmenbedingungen gegenüber dem Ausland weiter verschlechtern sollten.

Aufs Geschäftsumfeld kommt es an

Marktzugang, Steuerfragen und regulatorische Auflagen stehen momentan besonders im Rampenlicht. Sollte der Fall einer Verschlechterung des Geschäftsumfelds eintreten, dann werden in der Folge die Konsumausgaben von Bankangestellten und die Nachfrage der Banken nach Vorleistungen aus anderen Branchen empfindlich zurückgehen.

Die Bankiervereinigung schätzt, dass pro 100 Arbeitsplätze im Bankensektor 115 Arbeitsplätze in anderen Branchen geschaffen werden.

Negativszenario von Sergio Ermotti

Nimmt man das Negativszenario von Sergio Ermotti, Group CEO der UBS, als Massstab, dann hätte der befürchtete Wegfall von 20'000 Arbeitsplätzen bei den Banken zusätzlich noch die Streichung von 23'000 Stellen in anderen Sektoren zur Folge. Im gemeinsamen Dialog müssen nun Banken und Behörden schauen, dass der Schweiz ein Minus von 43'000 Erwerbstätigen erspart bleibt.

Ungünstige Rahmenbedingungen für den Finanzplatz sind kein Bankenproblem, sondern ein gesamtwirtschaftliches Problem und gehen somit uns alle etwas an.

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NEWS GANZ KURZ

Bellevue

Der BB Healthcare Trust ist an der London Stock Exchange mit einem Volumen von 150 Millionen Pfund gelistet. Der erste Handelstag ist der 2. Dezember. Portfoliomanager des Trusts ist Bellevue Asset Management.

Die Ende Oktober angekündigte Lancierung der Beteiligungsgesellschaft BB Healthcare Trust plc an der London Stock Exchange wurde erfolgreich abgeschlossen. Im Rahmen eines Aktienplatzierungs-programms konnte in der Erstemission ein Platzierungsvolumen von GBP 150 Mio. realisiert werden. Der erste Handelstag im Premium Segment der Londoner Börse ist der 2. Dezember 2016 (ISIN: GB00BZCNLL95, Bloomberg-Ticker: BBH LN).

Acron

Die auf Immobilieninvestments spezialisierte Acron hat den Kauf des projektierten Sheraton Fisherman‘s Wharf Hotels im kalifornischen San Francisco abgeschlossen. Das gesamte Investitionsvolumen bewegt sich im mehrfachen, dreistelligen Millionenbereich und stellt damit das bisher grösste Einzelinvestment der Acron-Gruppe dar.

Raiffeisen

Die beiden Raiffeisenbanken Fulenbach-Murgenthal-Langenthal und Oberes Gäu-Aare haben sich für einen Zusammenschluss entschieden. Die neue Raiffeisenbank soll unter dem Namen «Raiffeisenbank Aare-Langete» auftreten.

Schroder

Schroder Real Estate hat drei Schweizer Geschäftsimmobilien für den kotierten Immoplus-Fonds erworben. Die Transaktion bringt das Fondsvermögen auf rund 1,5 Milliarden Franken. Das Portfolio hat Rockspring Investment Managers verkauft. Es handelt sich dabei um vollständig vom «Do it yourself»-Spezialisten Hornbach Baumarkt gemietete Liegenschaften.

Glarner Kantonalbank

Die Glarner Kantonalbank (GLKB) weitet die Laufzeiten ihrer angebotenen Hypotheken aus. In Filialen erworbene Hypotheken können neu eine Laufzeit von bis zu 15 Jahren haben, online erworbene eine solche von bis zu 20 Jahren. Käufer sollen somit länger von tiefen Zinsen profitieren können.

Zurich

Die Zurich Gruppe Deutschland hat den Altezza Bürokomplex in München erworben. Verkäufer des 2009 erbauten Bürogebäudes ist die Warburg-HIH Invest Real Estate. Über den Kaufpreis vereinbarten die Parteien Stillschweigen. Beraten wurde Zurich bei der Transaktion durch Luther Köln.

BEKB

Die BEKB Roggwil wird per 30. Juni 2017 in die Niederlassung Langenthal integriert. Die betroffenen Mitarbeitenden werden bei der BEKB weiterbeschäftigt. Die Integration erfolgt, weil sich das Kundenverhalten im Bankgeschäft stark verändert hat.

UBS

Mit Blick auf die Art Basel im amerikanischen Miami fasst die Schweizer Grossbank ihre erhebliche Kunstsammlung in einem neuen Bildband zusammen. Das Buch «UBS Art Collection: To Art its Freedom» wird an Januar 2017 erhältlich sein.

Vontobel AM

Die europäische Ratingagentur Feri EuroRating Services und die Verlagsgruppe Handelsblatt haben die Schweizer Bank Vontobel als besten Asset Manager für Rohstoffe in Deutschland, Österreich und der Schweiz ausgezeichnet.

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